Wer heute staunend vor der Akropolis in Athen oder den betörenden Fresken von Pompeji steht, übersieht leicht die breite Blutspur, die Griechen und Römer durch die Geschichte gezogen haben. Zwar grüßen aus der Vergangenheit klangvolle Namen wie Achill oder Romulus, Perikles oder Alexander, Caesar oder Augustus. Doch das Geschäft dieser und vieler anderer Herren war nicht zuletzt das Morden im Großen und im Kleinen: im Krieg und an politischen Gegnern, ja sogar an Freunden, wenn sie sich gar zu eigensinnig verhielten. Aber, aber hat man damals nicht die Demokratie erfunden und eine Republik gegründet? Wer glaubt, dass Demokraten und Republikaner keine blutigen Eroberer sein konnten und davor haltmachten, den Freiheitsdrang von Zehntausenden gewaltsam zu unterdrücken, der irrt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2025
Ganz und gar nichts anfangen kann Uwe Walter mit dem vorliegenden Versuch, das Altertum einem jungen Publikum nahe zu bringen. Geschrieben haben es der Althistoriker Michael Sommer und der Lektor Stefan von der Lahr, und sie verfolgen dabei zweierlei inhaltliche Ziele, so Walter: Zum einen wird darauf hingewiesen, wie schlimm damals alles war, wie wenig demokratisch die griechische Demokratie war, andauernd wurde gemordet und vergewaltigt, Alexander war sowieso einer der Schlimmsten; zum anderen stellen die Autoren klar, dass alles, was heute schlimm ist, früher auch schon schlimm war: Reiche beuteten die Armen aus, Trump hatte antike Vorläufer und so weiter. Das alles wird in einer möchtegern-jugendlichen Sprache präsentiert, die teils bereits ziemlich veraltet ist und Walter so sehr auf den Geist geht, dass er gleich eine ganze Reihe dieser Stilblüten ("Bruda, machssu mit Schwert, hassu mehr Grip!") zitiert. Wie man mit so einer Veröffentlichung dem wachsenden Desinteresse am Altertum zu begegnen können glaubt, bleibt dem Rezensent schleierhaft. Dieses Buch hätte gar nicht erst geschrieben werden sollen, so das vernichtende Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2025
Rezensent Clemens Klünemann kann Michael Sommers und Stefan von der Lahrs Buch keine Spur "langweiligen Kram" entdecken. Dass die Autoren zu Beginn ihres Buches etwas großspurig das Pathos der Geschichte wegfegen wollen, vom "Megaerfolg" der "Ilias" faseln und Geschichtsfatalismus durchblicken lassen - geschenkt, meint Sommer. Was dann folgt, widerspricht dem Titel mühelos, findet der Rezensent. Dann nämlich geht es um knallharte Urteile über die attische Demokratie und die römische Republik, bieten die Autoren differenzierte Urteile über die attischen Tragiker und illustrieren laut Sommer, gewollt oder nicht, unsere tiefe und anhaltende Prägung durch die Geschichte. Von wegen langweilig!
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