David Cannadine

Winston Churchill

Abenteurer, Monarchist, Staatsmann
Cover: Winston Churchill
Berenberg Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783937834054
Gebunden, 144 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Matthias Wolf. Winston Churchill, der vor 40 Jahren starb, ist einer der berühmtesten Staatsmänner aller Zeiten. Er war ein begnadeter Redner, überzeugter Monarchist, Literaturnobelpreisträger - und Abenteurer. Bevor er als Retter Englands und Europas im Zweiten Weltkrieg unsterblich wurde, war er ein wegen seiner politischen Kehrtwendungen verhaßter Politiker und als aristokratischer Verschwender, umgeben von leichtsinnigen und verkrachten Verwandten, oft am Rande des Bankrotts. Daß Churchill die politischen und privaten Skandale, in die er verwickelt war, nicht nur überlebt, sonder als überlebensgroßer Triumphator aus ihnen hervorging, das allein schon macht ihn zu einem der merkwürdigsten Helden der westlichen Welt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.08.2005

Wie kommt es, fragt sich Rezensent Hans-Martin Lohmann, dass alle Welt sich mit Hitler beschäftigt und niemand mehr mit Churchill? Die Antwort hat er in einem Buch gefunden, das drei Essays des britischen Historikers David Cannadine über den britischen Politiker versammelt. Cannadine zeichne Churchill als einen Mann, der durch und durch Viktorianer, also schon zu Lebzeiten irgendwie unzeitgemäß war. Sein Abenteuertum, seine übermächtige "rhetorische und literarische Kunst" waren nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr von dieser Welt. Doch auch dies hat Lohmann gelernt: Obwohl Churchill den Krieg nicht scheute, war er überzeugt, dass 'langes Palaver besser ist als langer Krieg', zitiert der Rezensent. Dies, so Lohmann, unterscheidet Churchill von heutigen Kriegsherren wie Bush und Blair.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.07.2005

Fasziniert zeigt sich Rezensent Andrew James Johnston von David Cannadines "eleganten und scharfsinnigen" biografischen Essays über Winston Churchill, die nun "endlich" auf Deutsch vorliegen. Als "klug gewählt" lobt er die Themen der Aufsätze: Churchills aristokratische Prägung, sein Verhältnis zur Monarchie und seine Rhetorik. Sie illustrierten perfekt die Ambivalenz, die sich offenbaren, sobald man hinter die monumentale Fassade des Churchill'schen Mythos blickt. "Das ist Biografik, wie sie besser nicht sein könnte", urteilt Johnston, "narrativ, detailreich und trotzdem von großer analytischer Schärfe." Er verschweigt indes nicht, dass die Lektüre gewisse Kenntnisse voraussetzt. Genießen könne das Buch nur, wer zumindest mit den Grundzügen von Churchills Leben und Karriere vertraut sei. Dem Verlag hält er vor, bei Übersetzung und Kommentierung etwas geschlampt zu haben. Er bemängelt insbesondere "stilistische Holprigkeiten", "unnötige Anglizismen" und "diverse Fehler". Bedauerlich findet er zudem, dass Begriffe und Persönlichkeiten, die einem historisch gebildeten Engländer wohl selbstverständlich sind, für die deutschen Leser fast nie nicht erklärt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2005

Das ist nicht der Winston Churchill, den Sie aus den Geschichtsbüchern kennen, ruft Louise Brown. Sondern der Abenteurer, Schuldner, Stotterer, der er war, bevor er zum Nationalhelden wurde. Der Churchill-Kenner David Cannadine hat in drei Essays - durch Zeitzeugen abgesicherte - Anekdoten und Hintergründe etwa über Churchills "anrüchige Verwandtschaft" zusammengetragen, die sich zuweilen lesen wie "wie eine historische Ausgabe des britischen Klatsch-Blattes Hello!". In ihrer unterhaltsamen Art eröffnen sie den Blick auf den biografischen und historischen Nährboden, aus dem sich der Staatsmann Churchill entwickelte: die untergehende britische Aristokratie. Und was den Essay über Churchills Rhetorik angeht: Wussten Sie, dass "Eiserner Vorhang", "Gipfeltreffen" und "friedliche Koexistenz" von ihm stammen? Fazit: ein "faszinierendes", "sorgfältig recherchiertes" und "hervorragend übersetztes" Buch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005

Benedikt Stuchtey lobt die deutsche Übertragung dieses "schlanken" Bandes, in dem neben David Cannadines Studie über Churchills Rhetorikkünste auch noch zwei andere seiner Arbeiten zu monarchischen und aristokratischen Elementen enthalten sind, als ein "lobenswertes Unternehmen". Churchill als Mann des Worts darzustellen, passe gut zu dem Historiker, den der Rezensent als "Meister des konzisen Stils" und einen der derzeit "renommiertesten" britischen Geschichtswissenschaftler rühmt. Nach Cannadines Darstellung errichtete Churchill vor allem mit seinen Widerstandsreden im Kriegsjahr 1940 sein eigenes Denkmal. Allerdings lasse die grundlegende Selbstbezüglichkeit des britischen Premiers es auch nur bedingt zu, dass sich etwa ein Tony Blair oder George Bush von den Führungsqualitäten des britischen Kriegspremiers ein Scheibchen abschneiden könnten. Dafür war Churchill immer zu sehr darauf bedacht, seine eigene Person als zentrale Figur in der englischen Erinnerung zu verankern, notiert Stuchtey.
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