Die Beziehung zwischen dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und Kaiser Franz Joseph war kontrovers: Gemeinsam war ihnen zweifellos die hohe Achtung der Dynastie und des monarchischen Prinzips; ebenso gemeinsam war ihnen angesichts der zunehmenden Gefahren von außen die Verteidigung einer Friedenspolitik. Im wichtigsten Punkt, der Frage der Organisation der Monarchie, waren sich die beiden Männer völlig uneins. Franz Ferdinand lehnte die Ungarnpolitik seines Onkels ab. Hätte Franz Ferdinand im Falle einer Regentschaft den Lauf der Geschichte verändert? Die Biografie von Jean-Paul Bled zeichnet das facettenreiche Leben und Wirken des "verhinderten Herrschers" detailliert nach. Zahlreiche unveröffentlichte oder wenig bekannte Quellen runden das Bild einer Persönlichkeit ab, die im Leben eigene Wege ging und deren Ende auch das Ende des Kaiserreiches Österreich-Ungarn mitbestimmte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.12.2013
Gleich zwei Historiker, Alma Hannig und Jean-Paul Bled, haben mit Blick auf das Gedenkjahr 1914 Biografien über den habsburgischen Thronfolger Franz Ferdinand geschrieben, der vor allem für seine Ermordung beim Attentat von Sarajewo im Juni 1914 bekannt ist, die als Vorwand für den Ersten Weltkrieg diente, sowie für seine charakterlichen Schwächen, berichtet Norbert Mappes-Niediek. An diesem Bild ändert auch Bleds Biografie "Der eigensinnige Thronfolger" nichts, verrät der Rezensent. Franz Ferdinand wird dort als "böser Spießer" dargestellt, der einen Hass auf Ungarn, Freimaurer, Juden und Italiener hegte und diplomatisch weitestgehend unfähig war, fasst Mappes-Niediek zusammen.
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