Im August 1921 wurde Matthias Erzberger, einer der führenden demokratischen Politiker der jungen Weimarer Republik, im Alter von 45 Jahren von Nationalisten im Schwarzwald ermordet. 2004 wurde in seinem Geburtshaus in Münsingen-Buttenhausen die erste Erinnerungsstätte für diesen deutschen Patrioten und Visionär eröffnet. Was bedeutet Erzberger für uns - mehr als 80 Jahre nach seinem Tod? In diesem Buch soll sein Wirken aus der heutigen Perspektive beleuchtet werden. Dies reicht von Erzberger als Finanzminister über seine Bedeutung als Anwalt der kleinen Leute, als Parlamentarier und als Politiker neuen Typs bis zu Erzberger als Thema einer Erinnerungsstätte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2007
Bernd Dörries begrüßt diesen Sammelband über den Reichstagsabgeordneten, Unterzeichner der Kapitulation 1918 und späteren Finanzminister Matthias Erzberger und sieht darin Schritte zur späten Rehabilitierung des 1929 einem Mordanschlag zum Opfer gefallenen Politikers. Herausgeber Christophe E. Palmer hat offenbar im Sinn, den heute im öffentlichen Bewusstsein fast verschwundenen Demokraten wieder ins Gedächtnis zu rufen und den zu seiner Zeit als "Reichsverderber" und "Novemberverbrecher" Geschmähten zu rechtfertigen, glaubt der Rezensent, der das biografische Porträt Palmers dazu als sehr anschaulich lobt. Neben Palmer schreibt Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident, der in Erzberger einen Ahnen der heutigen CDU sieht, und Paul Kirchhoff, Steuerexperte, der an das von Erzberger eingeführte einheitliche Steuersystem erinnert. Insgesamt findet Dörries, dass der Band ein guter Schritt zu einer angemessenen Würdigung des Politikers ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2007
Instruktiv findet Wolfgang Elz diesen Sammelband über den Politiker Matthias Erzberger (1875-1921), der als Volksschullehrer angefangen hatte, dann über das Reichstagsmandat für Biberach 1903 zu höchsten Staatsämtern gelangte. Vorliegender Band vermittelt ihm das Bild eines überaus engagierten Politikers, der Interessen der "kleinen" Leute und der Wähler bis in höchste Stellen hinein vertrat. Erzberger werde in seinen vielen Funktionen in und außerhalb der Politik vorgestellt. Das scheint ihm zwar "eher impressionistisch als historisch-wissenschaftlich". Auch manche "Aktualisierung" wie Paul Kirchhofs Aufsatz über Erzbergers Finanzreform und deren Nutzanwendung hält er für etwas "vordergründig". Insgesamt hat der Band ihn aber doch zufrieden gestellt.
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