Kurt Hiller (1885-1972) war Pionier des literarischen Expressionismus und einer der bekanntesten Publizisten und Intellektuellen der Weimarer Republik. Als Kind jüdischer Eltern, Homosexueller, Pazifist und Sozialist war er antisemitischen, homophoben und anti-intellektuellen Anfeindungen ausgesetzt. Damit steht er prototypisch für die Figur des diffamierten Linksintellektuellen im 20. Jahrhundert. Der Weltbühnenautor polemisierte bis 1933 gegen die Demokratie und warb für die Herrschaft einer geistigen Elite.
Die mahnende Erinnerung an die gescheiterte Weimarer Republik und den NS-Terror, die gute Behandlung im englischen Exil und sein Konflikt mit den Parteikommunisten führten den Staatskritiker Hiller in die Arme des britischen Inlandsgeheimdiensts, für den er fast 15 Jahre als Informant tätig war. Aus diesen Erfahrungen heraus und dank der Integration des linksintellektuellen Milieus durch die SPD wandelte er sich vom Antidemokraten zu einem nachsichtigen, milden Anhänger der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt.
Die erste umfassende biografische Studie über Kurt Hiller ist Literatur-, Intellektuellen- und Geheimdienstgeschichte zugleich und erzählt das facettenreiche Leben eines großen vergessenen Publizisten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2016
Rezensent Oliver Pfohlmann lässt sich von Daniel Münzner den Nonkonformisten Kurt Hiller vorstellen. Allerdings erkennt er im Buch keine herkömmliche Lebensbeschreibung, sondern den Versuch einer strukturanalytischen, mit den Kategorien "class, race, gender" operierende Überprüfung des Vorwurfs, der "Weltbühne"-Autor Hiller sei wie Tucholsky oder Ossietzky ein linksintellektueller Dauerkritiker gewesen, der sich an der Weimarer Republik vergriffen habe. Dass Hiller mit seiner Ausgrenzungsbiografie sich dafür prototypisch eignet, wie der Historiker Münzner glaubt, bezweifelt Pfohlmann allerdings. Er jedenfalls hält Hiller für eine allzu originäre, schillernde Figur.
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