Cornelia Brink

Grenzen der Anstalt

Psychiatrie und Gesellschaft in Deutschland 1860 - 1980
Cover: Grenzen der Anstalt
Wallstein Verlag, 2010
ISBN 9783835306233
Gebunden, 592 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

Im 19. Jahrhundert etablierten sich Irrenanstalten als Orte der Verwahrung für psychisch Kranke und werden seitdem gefürchtet. Die Kritik an der Anstalt ist so alt wie die Institution selbst, Psychiatriegeschichte ist daher ohne die Geschichte der Psychiatriekritik nicht zu schreiben. Trotz unübersehbarer Probleme und wiederkehrender öffentlicher Kontroversen blieb die Anstalt lange Zeit die zentrale Einrichtung für die Behandlung und Kontrolle psychischer Abweichungen. Erst in den 1970er Jahren wurden grundlegende Reformen durchgeführt. Was waren die Bedingungen für diese Reformen? Auf welche Änderungen zielten sie? Welche Kontinuitäten lassen sich feststellen? Cornelia Brink untersucht die Psychiatrie als Teil des Ordnungsgefüges einer Gesellschaft. Ihr Fokus liegt dabei auf der Schwelle zwischen Psychiatrie und Außenwelt, die dem Drinnen und dem Draußen angehört: ein Ort von medizinischer und sozialer Relevanz, von rechtlichen Regelungen und hoher symbolischer Bedeutung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2010

Beeindruckt ist die hier rezensierende Philosophieprofessorin Petra Gehring durchaus von Cornelia Brinks soziologischem Blick auf die psychiatrische Anstalt zwischen 1860 und 1980 und sie würdigt die Behutsamkeit, mit der die Autorin ihre Materialfülle sichtet. Allerdings ist das offensichtliche Bemühen um "Differenzierung" hier nur um den Preis einer gewissen Unübersichtlichkeit zu haben, moniert die Rezensentin, die durch Brinks ausgesprochen kleinteilige Vorgehensweise und ihrer kritischen Zurückweisung gängiger Vorurteile und Vorverurteilungen der Psychiatrie mitunter auch die Orientierung im Materialdschungel erschwert sieht. Zudem kritisiert Gehring die "schwimmende Begrifflichkeit", mit der die Autorin in ihrer Studie arbeitet und so beispielsweise den Schlüsselbegriff der "Schwelle" nicht immer klar von anderen Zuschreibungen abgrenzt. Nichtsdestotrotz zeigt sich Gehring aber von der Studie sehr angetan und gewinnt dabei das "schlimme Gefühl", dass die Anstalt ihre Ziele als Institution nicht erreicht und damit von der Heilanstalt zur "Schicksalskategorie" für die Betroffenen wird.
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