Zvi Lothane zeichnet Leben und Werk Daniel Paul Schrebers in einer historisch präzisen Rekonstruktion nach, bedient sich dabei aber nicht der gängigen und vorherrschenden Interpretationsschemata wie z. B. Freuds Paranoia-Theorie oder Niederlands und Schatzmanns These über den sadistischen Vater Moritz Schreber, welche das Bild der Schreber-Forschung jahrzehnte lang bestimmt haben. Diese Auffassungen hält Lothane für widerlegt. Er bringt vielmehr seine psychiatrische und psychoanalytische Sachkenntnis ein, um die vorherrschenden Meinungen über Beschreibung, Diagnose, Deutung und Dialektik von Schrebers Leben und Krankheit neu zu überdenken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2004
Sehr angetan zeigt sich Martin Stingelin von Zvi Lothanes 1992 erschienener Monografie über Daniel Paul Schrebers "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" von 1903, die nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Psychiater und Psychoanalytiker suche zu zeigen, dass Schreber an einer schweren Depression mit manischen und paranoiden Zügen und nicht an einer "eigentlichen" Paranoia gelitten habe. Stingelin lobt Lothanes "umsichtige Erläuterung" der umfangreichen Forschungsliteratur und die vielen selbstständigen Recherchen, die er auf sich genommen habe. Entstanden ist, so der Rezensent, ein "unumgängliches Standardwerk".
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