Daniel Paul Schreber

Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken

Cover: Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2003
ISBN 9783931659509
Kartoniert, 367 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Der Fall Schreber gehört zu den klassischen Fällen der Psychonalyse - nur daß Daniel Paul Schreber (1842-1911) im Gegensatz zu den Säulenheiligen der Psychoanalyse, es sich niemals auf der Couch eines Psychoanalytikers bequem gemacht hat. Man hat es also nicht mit einer Deutung, sondern mit der Autobiographie eines Wahns zu tun, mit dem seltenen, in dieser minuziösen Form ganz und gar einmaligen Fall, daß ein Paranoiker sein Weltbild aufzeichnet, in seinen eigenen Worten und einer Sprache, die noch nicht in der Zwangsjacke des Theoretischen steckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2004

Die lange Zeit vergriffenen "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" von Daniel Paul Schreber sind zur Freude von Rezensent Martin Stingelin nun gleich in zwei Ausgaben zu haben. Eingehend würdigt er Schrebers Werk als "Jahrhundertbuch", das trotz widrigster Umstände Epoche gemacht habe. Ausschlaggebend dafür waren nach Stingelin drei Faktoren: erstens der Einfluß der Psychoanalyse und die Interpretations Freuds von Schrebers "Denkwürdigkeiten", zweitens die Aktualität des Werks, das uns in seiner Schilderung einer Krise die Welt entfremde und das Weltmißtrauen als Krise des 20. Jahrhunderts deutlich mache. Und drittens die Wirkung, die es auf einige der scharfsinnigsten Intellektuellen wie Benjamin und Canetti ausübte, die darin ein Symptom der vorweggenommenen Krisen des 20. Jahrhunderts sahen. Wem sich die Fraktur in Gerhard Busse reprografischem Nachdruck nicht mehr erschließen sollte, so Stingelin, der habe die Möglichkeit, auf diesen Nachdruck des Berliner Kulturverlag Kadmos auszuweichen, die leider wenig mehr als die zusätzliche Paginierung der Erstauflage biete. Höchste Vorsicht hält er im Blick auf die editionsphilologische Sorgfalt der Transkription für geboten. Die Ausgabe wimmle nämlich nur so von Druckfehlern. Bedauerlich findet er zudem das Fehlen eines Personen- und Sachregisters. Lesenswert findet er allerdings das Nachwort von Wolfgang Hagen, eine komprimierten Fassung seiner 2001 erschienen Studie, die dem Fin de siècle um 1900 ein unvermutetes Gesicht verleihe.
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