Christoph Ransmayr

Cox

oder Der Lauf der Zeit. Roman
Cover: Cox
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100829511
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein farbenprächtiger Roman über einen maßlosen Kaiser von China und einen englischen Uhrmacher, über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann.Der mächtigste Mann der Welt, Qiánlóng, Kaiser von China, lädt den englischen Automatenbauer und Uhrmacher Alister Cox an seinen Hof. Der Meister aus London soll in der Verbotenen Stadt Uhren bauen, an denen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Zeiten des Glücks, der Kindheit, der Liebe, auch von Krankheit und Sterben abzulesen sind. Schließlich verlangt Qiánlóng, der gemäß einem seiner zahllosen Titel auch alleiniger Herr über die Zeit ist, eine Uhr zur Messung der Ewigkeit. Cox weiß, dass er diesen ungeheuerlichen Auftrag nicht erfüllen kann, aber verweigert er sich dem Willen des Gottkaisers, droht ihm der Tod. Also macht er sich an die Arbeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.12.2016

Judith von Sternburg liest Christoph Ransmayrs Roman um eine historische Figur mit Faszination. Gerade weil der Autor die Geschichte des Londoner Uhrmachers Alistair Cox um einige fantastische Abenteuer erweitert und ihn nach China schickt, wo er für den Kaiser ein selbstlaufendes Uhrwerk herstellen soll, eins, das laut Sternburg nicht von dieser Welt ist, weil es an die Ewigkeit rührt, fesselt die Lektüre die Rezensentin. Unvergessliche Szenen, die ruhige Perspektive des Uhrmachers und Ransmayrs zarte Bildlichkeit, die für eine ausgewogene Exotik in dieser west-fernöstlichen Begegnung sorgen, wie Sternburg schreibt, machen den Roman über die Relativität der Zeit für die Rezensentin zu einem Meisterwerk.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2016

Geradezu "poetisch-zeremonielle" Züge attestiert Ijoma Mangold Christoph Ransmayrs neuem Roman "Cox", der den Kritiker ins 18. Jahrhundert an den Hof des chinesischen Kaisers Quianlong führt. Fasziniert liest der Rezensent, wie Ransmayr seiner Geschichte um den Uhrmacher Alister Cox, der für den Kaiser ausgefallene Chronometer bauen soll, alle Natürlichkeit austreibt und eine Künstlichkeit schafft, die ihn gelegentlich an das japanische No-Theater erinnert. Allein wie der Autor Naturszenen, etwa die künstlichen Teiche am Hofe, schildert, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab. Und doch muss er bei aller Poesie und Kunst der Transzendierung gestehen, dass Ransmayrs ebenso überschwänglich wie minutiös beschriebene technische Konstruktionen nie zu tiefsinnigen Symbolen der Vergänglichkeit werden. Und so bleibt Mangold zwar "beglückt", aber nicht "erleuchtet" zurück.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2016

Die Figur des Uhrmachers Alister Cox ist an den Londoner Uhrmacher James Cox angelehnt, dessen außergewöhnliche Uhr-Kunstwerke im 18. Jahrhundert bis nach St. Petersburg und Peking gelangten, klärt Thomas Steinfeld auf. Und doch ist diese Geschichte um Cox, der für den chinesischen Kaiser Quianlong fantastische Uhren bauen soll, die etwa das Zeitempfinden eines Kindes oder jenes eines Sterbenden wiedergeben sollen, vor allem ein beeindruckendes Märchen über Schönheit und Vergänglichkeit, fügt der Kritiker hinzu. Schnell verfällt Steinfeld dem Reiz von Ransmayrs wunderschöner Sprache, die das Vergehen der Zeit, die Muße oder die Präzision der Uhrwerke nicht nur einfängt, sondern in ein geschlossenes System überträgt. Und so verzeiht der Kritiker gern die wenigen Passagen, die knapp am Kitsch vorbeischrammen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.10.2016

Einmal mehr kann Richard Kämmerlings nur über die meisterhafte Beschreibungskunst Christoph Ransmayrs staunen. Fasziniert lässt sich der Kritiker von dem Autor mit ins chinesische Kaiserreich des 18. Jahrhunderts nehmen, wo er vier Engländer begleitet, die für den exzentrischen Kaiser Quianlong fantastische Uhrwerke bauen sollen, welche das Vergehen der Zeit nicht einfach messen, sondern darstellen sollen. Wie detailreich, brillant und mit Liebe zum Ästhetizismus Ransmayr die exotische Kulisse ausmalt, komplexe Räderwerke beschreibt oder den Wechsel der Jahreszeiten skizziert, ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab. Dass die Spannung dabei ein wenig auf der Strecke bleibt, findet der Kritiker zwar bedauerlich. Die wunderbaren Sätze dieses großen "Zeitphilosophen" unter den Schriftstellern lassen Kämmerlings diesen Kritikpunkt aber schnell wieder vergessen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2016

Andreas Platthaus dachte schon, Christoph Ransmayrs Kunst zu kennen. Allein, erst in diesem Roman, den Platthaus überschwänglich das Ereignis des Bücherherbstes nennt, bringt der Autor laut Rezensent seine "elegante Prosa" zur Vollendung. Das Buch, das von der Reise eines englischen Uhrmachers im Jahr 1757 zum Hof des chinesischen Kaisers erzählt, ist für Platthaus ein Roman über die Zeit an sich, über ferne Zeiten und die heutige Zeit, ein meisterhafter Versuch zudem, zwischen Orient und Okzident zu vermitteln, und sei es auch nur, indem der Autor Grausamkeit und Autokratie hüben wie drüben vergleicht. Aus dem Nachwort erfährt Platthaus, was an dieser Geschichte authentisch ist und was nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.10.2016

Höchste Bewunderung gebührt Christoph Ransmayr für die unvergleichliche Kunstfertigkeit, mit der er seine Bilder, Figuren und Szenen formt, verziert und verzuckert, lobt Rezensent Jörg Magenau, zunächst noch gespannt und entzückt. Doch bald schon stellt sich heraus: leider leider alles Kulisse. Ransmayrs fantasievolle Geschichte über die Macht der Liebe, über Zeit, Ewigkeit und Kunst ist durchweg bruchlos, schmerzlos, schön und komplett leer, seufzt der enttäuschte Rezensent, ein hübsches, staunendmachendes Ding, das nur für den Effekt existiert. An seinen einstigen Erfolg habe Ransmayr leider nicht anknüpfen können.
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