Adolf Muschg

Löwenstern

Roman
Cover: Löwenstern
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406639517
Gebunden, 331 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

In seinem neuen Roman erzählt Adolf Muschg die Geschichte von Hermann Ludwig von Löwensterns (1777-1836) Versuchen, nach Japan zu gelangen. Der Balte hatte im Auftrage des russischen Zaren an Adam von Krusensterns erster Weltumseglung teilgenommen und kennt auch die dramatischen Ereignisse des zweiten russischen Versuchs unter Wassili Golownin, der mit dessen Gefangenschaft in Japan endet. Golownin hat über dieses Abenteuer geschrieben. Löwensterns eigenes Lebensabenteuer, das um "die Entdeckung" eines Landes kreist, das sich seit Jahrhunderten abgeschottet hat, führt ihn selbst in eine prekäre Gefangenschaft, aus der ihn nur die Liebe wieder befreien kann.
Im Zentrum des Romans steht die leidenschaftliche, extreme Liebesgeschichte Löwensterns mit Nadja, die auf vielfältige Weise mit den Protagonisten dieser Geschichte - realen historischen Figuren - verbunden ist. Diese Liebe stellt alles infrage und auf den Kopf, Rollen, Gefühle, Sprache und Erotik. Löwensterns geheime Geschichte hat ihn zu Aufzeichnungen inspiriert, die auf verschlungenen Wegen in Adolf Muschgs Hände gelangt sind. Japan als Projektion und Erlebnis ist auch ein Lebensthema Muschgs. In diesem auf historischen Tatsachen beruhenden Roman liefert Muschg zugleich ein Vexierbild über das Spiel zwischen dem Eigenen und dem Fremden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2013

Nach der Lektüre von Adolf Muschgs neuem Roman "Löwenstern" bleibt Rezensent Lorenz Jäger mit gemischten Gefühlen zurück. Ausgehend von dem erst vor zehn Jahren herausgegebenen Tagebuch des Abenteurers Hermann Ludwig von Löwenstein erzähle Muschg die fiktionalisierte Geschichte der Japanreise des deutschbaltischen Grafen, berichtet der Kritiker, der hier äußerst amüsiert auch von Löwensteins Treffen mit Goethe in Weimar liest. Für den Rezensenten sind die Gespräche zwischen den beiden in ihrer hinreißenden "Pastiche" gar das Beste, was in diesem Genre seit Thomas Manns "Lotte in Weimar" geschrieben wurde. Allerdings muss Jäger auch gestehen, dass ihn Muschgs Drang, so viele historische Figuren wie möglich unterzubringen - etwa Christiane Vulpius, Heinrich von Kleist oder August von Kotzebue - zunehmend angestrengt hat. Auch den erotischen Szenen dieses Buches kann der Kritiker nicht allzu viel abgewinnen. Dennoch lobt er den Roman als gehaltvolles, mit "surreal-phantasmagorischen Episoden" angereichertes Werk, das insbesondere durch die nahezu japanischen Naturbetrachtungen überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2012

Adolf Muschgs Geschichte des livländischen Krautjunkers Ludwig von Löwenstein muss dem Autor viel Spaß gemacht haben, mutmaßt Samuel Moser in seiner Rezension. Immerhin richtet der Autor es ein, dass sein Held neben Goethe auf dem Sofa hockt und dem Geheimrat was über Japan beibringt. Da extemporiert Muschg dann federleicht über der Historie, wie Moser erklärt. Ansonsten birgt das Reisejournal Löwensteins von der Expedition nach Japan anno 1800 eher jede Menge Seelenentdeckungen, meint Moser, nebst Kulturellem und Geopolitischem in rauen Mengen. Für den Rezensenten ein grandioses Abenteuer, das mitunter unter Esprit und rhetorischen Girlanden verschwindet, dann aber wieder ganz leicht oben schwimmt wie der Schoner, auf dem der Erzähler kreuzt.