Das Buch beginnt mit den ersten Kriegsheimkehrern nach 1945, mit Schwarzmarkt und verwegenen Existenzgründungen. Wir verfolgen das Leben der Freunde Alfred und Georg von ihren Kinderjahren in einer ärmlichen Klagenfurter Mietskaserne bis zum Studienbeginn in Wien. Leitomeritzky, ein Jude, der im Konzentrationslager war und sich nun zäh zum König des Gebrauchtwagenhandels emporarbeitet - immer mehr Lebensbahnen kreuzen sich in den Häuserlandschaften dieses Romans. Politik, Wirtschaft und Kunst sind mit einprägsamen Figuren vertreten, sie alle zusammen machen das Patchwork aus, das Geschichte und Geschichten aufleuchten lässt. Die Geschichten verzweigen sich bis in die Ära Kreisky und darüber hinaus. Am Ende ist Georg ein reicher, unzufriedener Geschäftsmann, und Alfreds Spuren haben sich im revolutionären Berlin verloren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005
Rezensent Nico Bleutge zieht trotz einiger kleiner Einschränkungen ein positives Fazit aus der Lektüre dieses Romans von Peter Rosei, der an manchen Stellen Musilsche Ambitionen erkennen lasse. Besonders gefällt Bleutge die Figurenzeichnung: "Er zeigt die Empfindungen recht eigentlich in ihrer Entwicklung, in einem Zustand des Flüssigen, der sich nach und nach verliert." Auch mit der Stadt gelingt Rosei ähnliches wie mit seinen Protagonisten. Trotz aller subjektiven Einfärbung funktioniert der Schauplatz auch als Synonym für eine moderne Großstadt. Nur mit der Entwicklung, die der Roman im letzten Teil nimmt, mit den soziologischen Einsprengseln und "umständlichen Erklärungen", ist der Rezensent nicht ganz einverstanden. Die sind zwar eine konsequente Weiterentwicklung der Geschichte, das Lesevergnügen mindert diese Didaktik allerdings trotzdem.
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