Klappentext

Als im 18. Jahrhundert die Ästhetik als eigenständige philosophische Disziplin entstand, war das nicht nur der Beginn einer neuen Denkungsart über das Schöne bzw. Erhabene und die Künste. Die Ästhetik löste sich auch von der reinen Kunstbetrachtung und begann, traditionelle philosophische Grundbegriffe wie Sinnlichkeit, Fähigkeit und Tätigkeit neu zu bestimmen. Das "Ästhetische" wurde von nun an als eine Kategorie begriffen, die den menschlichen Geist im ganzen betrifft. Wie genau dieser Perspektivenwechsel zu denken ist, war allerdings von Beginn an strittig. Während der Gründervater der philosophischen Ästhetik, Alexander Gottlieb Baumgarten, sie als ein Denken des Subjekts und seiner praktisch erworbenen Vermögen versteht, entwickelt Johann Gottfried Herder sein einflussreiches Modell von der Ästhetik als ein Denken der Kraft: der Kraft in Differenz zum Vermögen, des Spiels in Differenz zur Praxis, des Lebens in Differenz zum Handeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.02.2009

Interessiert hat Rezensent Christian Schlüter dieses Buch über den Begriff der Kraft gelesen, das der Philosoph Christoph Menke vorgelegt hat. Das Ziel des Autors, menschliche Freiheit "aus dem Geiste der Kunst" zu begründen, scheint ihm ein durchaus anspruchsvolles Vorhaben. Er unterstreicht Menkes Abgrenzung des Kraft-Begriffs von praktischen Vermögen, mechanischen Gesetzen und biologischen Zwecken. Das Wesen der Kunst bestehe darin, sich freizumachen für das spielerische Wirken schöpferischer Kräfte. Eingehend vollzieht Schlüter die Gedanken des Autors nach. Kritisch scheint ihm indes die etwas "schematische Abgrenzung" zu Alexander Gottlieb Baumgarten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2008

Christoph Menkes Rehabilitierungsversuch des "sehr deutschen Wortes" Kraft als "Grundbegriff der Ästhetik" hat Andreas Dorschel mit großer Aufmerksamkeit gelesen, am Ende kann er sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, hier habe eine Scheidung von "Historischem" und "Systematischen" das Vorhaben untergraben. Der Potsdamer Philosophieprofessor unterscheidet zunächst mit Hilfe von Johann Gottfried Herder "Kraft" von dem von Alexander Gottlieb Baumgarten begrifflich fixierten "Vermögen", um dann in der Kraft die "Möglichkeitsbedingung praktischer Vermögen" zu begreifen, erklärt der Rezensent. Ein Stück Ideengeschichte, die der Autor allerdings ins Systematische wenden will und dabei, wie Dorschel meint, übersieht, dass im 18. Jahrhundert gerade nicht eindeutig zwischen Kraft und Vermögen differenziert wurde. Und warum sich Menke dann im weiteren Verlauf ausgerechnet Friedrich Nietzsche als Gewährsmann seines Kraftbegriffs sucht, der diesen doch "philosophisch diskreditiert" habe, wie der Rezensent kenntnisreich betont, will Dorschel nicht recht einleuchten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2008

Ludger Heidbrink begrüßt Christoph Menkes "schmales, aber umso gehaltvolleres Bändchen" über die Kategorie der Kraft in der Ästhetik. Darin führt der Autor für ihn vor Augen, wie sich das menschliche Selbstverständnis durch die Herausbildung der Ästhetik im 18. Jahrhundert verändert hat. Heidbrink referiert zentrale Punkte der Ästhetik von Baumgarten, Herder, Kant und Nietzsche. Die Intention des Autors sieht er in einem "erweiterten Bild des Menschen", das auf dem "Widerspiel von unkontrollierbaren Kräften und eigenmächtiger Gestaltung" beruhe. Er bescheinigt Menke, dieses Bild "klug und elegant" zu entwickeln.