Wussten Sie, dass in Iran ... mehr Frauen als Männer studieren?
Die Islamische Republik Iran steht heute für eine autoritäre, auf Technologie und Militär fixierte Moderne, in der sich gleichwohl eine genuin iranische Kultur behaupten konnte. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist tief und birgt sozialen Sprengstoff.
Zugleich ist das Land weitaus offener als seine Nachbarn. Innerhalb der Gesellschaft herrscht aber Uneinigkeit: Welche Rolle sollen Tradition und Religion im Iran der Zukunft spielen? Wie viel Verwestlichung ist erwünscht?
Leben im Iran, diesem Vielvölkerstaat von bald 80 Millionen Menschen, ist ein permanenter Prozess des Aushandelns.
Wiedemann führt durch ganz unterschiedliche Milieus der Gesellschaft: von der Theaterszene zum schiitischen Volksislam, vom kurdischen Sufi-Kloster zum Sabbat in einer jüdischen Familie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017
Rezensentin Friederike Böge erfährt bei Charlotte Wiedemann, wie das gelebte Leben im Iran sich entwickelt, allerdings weniger, wie ihr der Titel suggeriert, heute, sondern nach der ersten Revolutionsphase ab 1989. Dass die Begegnungen, aus denen die Autorin ihre Informationen bezieht, willkürlich sind und bruchstückhaft, macht die ansonsten für Böge durchaus informative Lektüre für sie ein Stück weit fragwürdig. Die Position der reisenden Journalistin, die Religion und Alltag miterlebt und mit Zeitzeugen spricht, gewährt Böge allerdings den "nichtwestlichen" Blick auf einen zum Überlebensprinzip erhobenen massenhaften Regelverstoß gegen den drakonischen Staat. Wenn die Autorin dafür plädiert, den Begriff Gottesstaat abzuschaffen, findet Böge das überzeugend und sieht mit der Autorin nunmehr wichtige Aspekte des täglichen Lebens wie die Kluft zwischen Arm und Reich oder die Korruption etwas klarer. Nur wenn Wiedemann versucht, die Rolle Irans in der Auseinandersetzung mit Israel zu relativieren, geht Böge nicht mit.
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