Ali Khamenei
Aufstieg und Herrschaft

W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783170463097
Gebunden, 263 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Seit 36 Jahren ist Ali Khamenei das religiöse und politische Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. In der internationalen Rangliste der Langzeitdespoten belegt der 86-Jährige damit den fünften Platz. Doch Irans geopolitische Bedeutung ist nicht mit derjenigen Bruneis, Äquatorialguineas, Kameruns oder Ugandas zu vergleichen. In allen Konflikten des Nahen Ostens hat Khamenei seine Hand im Spiel. Sogar in den Ukrainekrieg greift er ein. Die Rolle Irans beim Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 ist noch ungeklärt. Heute steht seine Außenpolitik aus Terror, Geiselnahmen und Stellvertreterkriegen vor einem selbstverschuldeten Scherbenhaufen, der sogar seine Macht im Inneren zu gefährden droht. Dort bestimmt er über alle wichtigen Posten direkt oder indirekt: von den Streitkräften über die Staatsmedien bis hin zur politischen Führung. Zivilgesellschaftlichen Widerstand lässt er brutal verfolgen. Und über seine Nachfolge schweigt er sich aus.Wer ist dieser Mann, der nach der Revolution vom einfachen Freitagsprediger zum Staatsoberhaupt aufstieg? Wer ist dieser Mann, der nur durch einen Trick zur mächtigsten Figur Irans wurde und dessen Wort in dieser "Republik" heute göttliches und irdisches Gesetz zugleich ist? Wohin will er den Iran führen und mit welchen Mitteln? Khamenei selbst hält sich für einen visionären Vertreter Gottes, der die Weltordnung umkrempeln will. Für ihn heißt das vor allem, Israel zu eliminieren - ein Ziel, das er unermüdlich verfolgt, verfolgen muss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2025
Raphael Geiger erfährt aus Ali Sadrzadehs Buch eher wenig über Irans obersten Führer, dafür aber umso mehr über die Geschichte der Islamischen Republik. Die erste deutsche Biografie über Khamenei ist für Geiger eher eine Sammlung von Erfahrungen des iranisch-deutschen Journalisten Sadrzadeh, die es sich mitunter zu einfach macht, wie der Rezensent findet. So kann der Autor dem Leser laut Geiger nicht schlüssig erklären, wie sich Khamenei seit so langer Zeit an der Macht halten kann. Die besten Passagen im Buch sind für Geiger diejenigen über die Revolution und die Entstehung der Republik aus dem Geist der Poesie. Hoch anrechnen kann Geiger dem Autoren außerdem, dass dieser Konzept der "Verstellung" im Namen des Islams erläutert: Der Begriff Taghiyeh bedeutet, dass man lügen darf, ja sogar soll, wenn es dem Islam dient.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2025
Ein interessantes Buch mit vielen Schwächen liest Rezensentin Friederike Böge. Anders als der Titel verspricht, liefert Ali Sadrzadeh hier keine klassische Biografie Ali Khameneis ab, was Böge einerseits verstehen kann, weil man an den iranischen Autokraten nun einmal schlecht herankommt; andererseits hätten mehr Details zum Leben des Politikers dem Buch schon gut getan. Am stärksten sind die Passagen, die den Aufstieg des zunächst unterschätzten Khameneis zur Macht darstellen, findet Böge, auch dass Sadrzadeh sich mit ehemaligen Khamenei-Bekannten wie dem Dichter Mehdi Akhawan Sales unterhält, gefällt der Autorin. Wenig überzeugend, kritisiert sie, sind hingegen Passagen, die sich mit der iranischen Außenpolitik beschäftigen, etwa wenn die Kontakte zu Russland und Putin tendenziell aufgebauscht werden, oder Khameneis Antizionismus ausschließlich auf Ideologie zurückgeführt wird, unter Ausblendung von Geopolitik. Schließlich wären mehr Belege gut gewesen, so Böge, die dennoch durchaus einiges Neues gelernt hat über den Iran und die Menschen, die seine jüngere Geschichte geprägt haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2025
Ein aufschlussreiches Buch über Ali Khamenei hat Ali Sadrzadeh verfasst, findet Rezensentin Katajun Amirpur. Es ist allerdings keine klassische Biographie des sogenannten iranischen Revolutionsführers, da wir nichts über dessen Privat- oder Innenleben erfahren - zumindest nicht, soweit es die Phase seines Lebens als Politiker betrifft. Stattdessen liefere uns Sadrzadeh jede Menge Kontext über die Funktionsweise des Teheraner Regimes, etwa was die Rolle von Predigen oder auch das Verhältnis der Politik zur Dichtkunst betrifft. Manchmal erschlägt einen das Buch regelrecht mit Kontext, meint die Islamwissenschaftlerin Amirpur, zum Glück gibt es jedoch auch viele Passagen, in denen der Autor anschaulich von seinen eigenen Begegnungen mit Weggefährten Khameneis und anderer Zeitzeugen berichtet. Auch das Verhältnis des Irans zu Israel wird thematisiert, Sadrzadeh erläutert, dass es sich um eine "junge Feindschaft" handelt, insgesamt holt der Autor bei dem Thema weit aus und kann es auf vergleichsweise knappem Raum nicht hinreichend ausführlich behandeln. Über Khameneis Israel-Hass erfährt man letztlich nicht viel, so Amirpur, die dennoch viel Relevantes über den Aufstieg des Mannes zur Macht lernt.