Dalia Sofer

Die September von Schiras

Roman
Cover: Die September von Schiras
Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN 9783446207677
Gebunden, 334 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. 1981: Der Ayatollah Chomeini und seine Revolutionswächter haben die Herrschaft übernommen. Am helllichten Tag wird der Juwelier Isaac Amin in seinem Büro von zwei Bewaffneten abgeholt. Im Gefängnis erfährt er, wessen er sich schuldig gemacht hat: Er ist Jude und er ist reich. Während er gefoltert wird, versucht seine Frau, ganz auf sich gestellt, zu überleben.
Dalia Sofer beschreibt, wie die Umkehrung von Machtverhältnissen die Schicksale von Menschen bestimmen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2008

Dalia Sofers Roman "Die September von Schiras" erzählt von einem jüdischen Juwelier aus Teheran, den man eines Tages verhaftet, um ihm ein falsches Geständnis abzupressen, informiert Sabine Berking. Die Autorin hat selbst mit zehn Jahren den Iran verlassen und lebt seither in den USA, wo sie Literatur und Kreatives Schreiben studierte, verrät die Rezensentin, die findet, dass man letzteres dem Roman auch anmerkt. Denn bei aller Spannung und der eingeräumten soliden Konstruktion bietet das Buch kaum die literarischen Qualitäten, die für Berking so typisch für die iranische Literatur sind: eine bildreiche Sprache, poetische Wendungen oder sprachlicher Witz. Dennoch hält sie es dem Roman zugute, dass er ein beeindruckendes Panorama der iranischen Gesellschaft aus Sicht der jüdischen Minderheit bietet, für das die Autorin nicht nur aus ihrer eigenen Geschichte schöpft, lobt die Rezensentin. Bei aller Dramatik der Geschichte des Juweliers und seiner Familie wurde der Rezensentin deutlich, dass trotz der Repressalien, unter denen Juden im Iran zu leiden haben, von einer "antisemitischen Hetzjagd" nicht gesprochen werden kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2007

Berührt zeigt sich Rezensent Carsten Hueck von diesem Romandebüt über ein jüdisches Schicksal im Iran, den die amerikanische Autorin Dalia Sofer vorgelegt hat. Der Roman über einen verheirateten, glücklichen jüdischen Diamentenhändler, der eines Tages von Revolutionswächtern ohne Angabe von Gründen verhaftet, ins Gefängnis gebracht und lange gefoltert wird, zeichnet sich für ihn durch eine souveräne Schilderung der unterschiedlichen sozialen Milieus und Lebenswelten in der islamischen Republik unter Ayatollah Khomeini aus. Die Schilderung der Verhältnisse im Iran empfindet Hueck als "bedrückend" und bisweilen "kaum erträglich". Zugleich aber attestiert er der Autorin, das menschlich Verbindende hinter der politischen Oberfläche kenntlich zu machen. Besonders lobt er Sofers "ruhigen melodischen Sprachfluss", der von Klarheit und Lebenserfahrung gesättigt sei, und ihre starken, intensiven, aber nie sentimentalen Bilder, die dem Roman eine "suggestive Atmosphäre" verleihen. Beeindruckt hat ihn schließlich die Fähigkeit der Autorin, "ohne dialektische Schablonen" zu zeigen, wie Herren Knechte und die Knechte Herren werden, ohne dass einer Freiheit gewinnt.