Dan Diner

Gegenläufige Gedächtnisse / thakirat moutaddah

Über Geltung und Wirkung des Holocaust / Bisadad sihhat wa athar al-holokoust
Cover: Gegenläufige Gedächtnisse / thakirat moutaddah
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2020
ISBN 9783525310854
Gebunden, 200 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Die Erinnerung an Massenverbrechen konstituiert die Parameter einer universellen Ethik. Hierfür war das Gedächtnis des Holocaust begründend. Der Vernichtung der europäischen Juden kam eine paradigmatische Bedeutung zu. Inzwischen fordern auch andere Gedächtnisse an Massenverbrechen öffentliche Erinnerung und damit Anerkennung ein. Ein solcher Pluralismus der Gedächtnisse birgt ein nicht unerhebliches Konfliktpotential, vor allem dann, wenn die unterschiedlichen Leiderfahrungen auf ein und dasselbe historische Ereignis zurückgeführt werden - den Zweiten Weltkrieg. Dann stellen sich gegenläufige Konstellation und Konkurrenzen der Erinnerung ein - nicht nur zwischen den politischen Kulturen des westlichen und des östlichen Europas, sondern auch und gerade zwischen europäischen und kolonialen Gedächtnissen. Dan Diners Essay, der nun aus zweiprachige Ausgabe vorliegt, nimmt das Problem gegenläufiger Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust begrifflich und gedächtnisgeschichtlich auf. Indem er sich nochmals der Bedeutung von "Auschwitz" als Zivilisationsbruch versichert, werden vor eben diesem Hintergrund die Voraussetzungen historischen Urteilens und der Anerkennung in der Erinnerung reflektiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2020

Rezensent René Schlott schreibt sich ein wenig in Rage über diese Publikation, die auf Initiative des Goethe Instituts einen Essay von Dan Diner auf Deutsch und Arabisch neu auflegt. In seinem Text von 2008 denkt Diner über konkurrierendes Gedenken nach, über die Bedeutung des Holocausts und arabischer Emanzipationsbewegungen. Aber auch wenn Diner das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai etwa dem Massaker gegenüberstellt, bei dem französische Kolonialtruppen im algerischen Sérif am selben Tag mehrere Tausend Menschen töteten, kritisiert Schlott eine "eurozentrische Sprecherposition", uninformierte Definitionen und überhaupt die Chuzpe, "einen solchen Text" unverändert wiederzuveröffentlichen. Und ob sich arabische Leser für Begrifflichkeiten wie "Risiduen" und "Episteme" erwärmen, die schon im deutschen Erinnerungsdiskurs schwer zu verkraften seien, bezweifelt Schlott auch.

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