Charb

Brief an die Heuchler

Und wie sie den Rassisten in die Hände spielen
Cover: Brief an die Heuchler
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2015
ISBN 9783608502299
Broschiert, 96 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Werner Damson. Erhellend, witzig, ironisch, sarkastisch, polemisch - CHARB zieht alle Register seines satirischen Talents, um seine radikale Auffassung von Meinungsfreiheit gegen die Heuchler in Politik und Presse zu behaupten. Worauf zielen die "Mohammed"- und Islam-Karikaturen wirklich? Sie decken auf, dass die Angst vor dem Islam längst ein Kampfbegriff ist. CHARB entlarvt den verschleierten Rassismus bürgerlicher Kreise: Ihre Diskriminierung besteht eben darin, dass sie Muslime anders als Juden oder Christen behandeln.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.08.2015

Hannes Stein ist wütend und traurig angesichts dieses Pamphlets, das der Karikaturist und Journalist Stéphane Charbonnier alias Charb zwei Tage vor seiner Ermordung durch islamistische Terroristen fertigstellte. Die Streitschrift sieht Stein in der Tradition von Rabelais und Voltaire, deutlich und aufklärerisch. Pikante Einzelheiten wie den Umstand, dass Ultrarechte "Charlie Hebdo" verklagt haben, vor allem aber die Einsicht, dass der Autor selber kein Rassist war, sondern Aufklärer und Kommunist, machen die Lektüre für Stein wertvoll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2015

Andreas Platthaus bespricht Charbs posthume Streitschrift einen Tag, nachdem die FAZ Salman Rushdie zitierte, der in einem Interview sagte, dass man ihn heute wohl nicht mehr verteidigen würde. Charb und Charlie Hebdo haben Rushdie natürlich verteidigt - aber nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo folgte in den USA die Debatte darüber, ob man Charlie verteidigen dürfe! Glaubt man Platthaus, dann liest sich Charbs Text wie eine Antwort auf Charlie-Kritiker wie Teju Cole, die sich den Begriff der "Islamophobie" zu eigen machen und an die Stelle des "Rassismus" setzten. Charb, der laut Platthaus selbst an den Kommunismus glaubte, hasste diesen Begriff der Islamophobie und macht den Medien laut Platthaus den Vorwurf, ihn unverantwortlicher Weise propagiert zu haben. Platthaus gibt eine eindeutige Lesempfehlung - und sieht wie Charb, dass diese Debatte keine der politischen Lager ist, sondern dass sich in ihre "eine neue politische Frontstellung" offenbare.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2015

Als "tragisches Vermächtnis" liest Alex Rühle dieses Büchlein Charbs, das er kurz vor dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo fertiggestellt hatte - und als posthume Antwort auf die amerikanische Debatte, ob man die ermordeten Zeichner ehren dürfe, oder ob es sich bei ihnen nicht um abgefeimte Rassisten handele. Die Kritiker der angeblichen "Islamophobie" Charlies seien die eigentlichen Rassisten, so zitiert Rühle Charb, denn sie seien es, die die beleidigten Muslime auf ihre Rolle festlegten und ihnen unterstellten, sie hätten weder Witz noch Selbstreflexion. Dass die Zeitungen, die sich - wie auch die SZ! - bei der dänischen Karikaturenaffäre weigerten, die damaligen Karikaturen nachzudrucken, Mitverantwortung tragen, weil sie sich das Argument der "beleidigten" Muslime zu eigen gemacht hätten, will Rühle allerdings nicht gelten lassen.
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