Aurélien Bellanger

Die letzten Tage der Linken

Roman
Cover: Die letzten Tage der Linken
Claassen Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783546101516
Gebunden, 464 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Frank Weigand. Frankreich, heute. In den Medien ringen zwei gegensätzliche Philosophen Gladiatoren gleich um die geistige Vorherrschaft. Währenddessen ficht ein Hinterbänkler der sozialistischen Partei einen einsamen Kampf gegen die inneren Feinde der Republik. Bis ein Anschlag diese drei ehrgeizigen Männer zusammenführt und ihrem Treiben ein Ziel verleiht. Sie gründen eine Bewegung, um das Land zu retten. Mit ungeahnten Folgen.Zwischen Fakt und Fiktion, Diskurs und Erzählung, Theorie und Satire erzählt Die letzten Tage der Linken von der Krise linker Politik und dem Aufstieg des Populismus in unser aller politischen Gegenwart."Ein tragikomisches Sozialpanorama wie aus einem Roman von Balzac. Eine literarische Intervention, die aktueller nicht sein könnte." Les Inrockuptibles"Bellanger weiß, wie man das Drama der intellektuellen Dekadenz einfängt." Times Literary Supplement

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.01.2026

Rezensentin Katharina Teutsch kann einiges anfangen mit Aurelien Bellangers Schlüsselroman über die französische Linke. Teutsch hat Bellanger in Paris getroffen und mit ihm unter anderem darüber gesprochen, weshalb die Linke seiner Meinung nach zu weiten Teilen keine Linke mehr ist: Insbesondere die sozialistische Partei habe sich im Namen einer Verteidigung des Laizismus nach rechts bewegt und jetzt vor allem gegen Muslime hetze. Das wird im Roman mit einiger Lust an der Polemik anhand eines Hinterbänklers namens Grémond durchexerziert, daneben tauchen viele leicht dechiffrierbaren Figuren auf, manche tragen gar Klarnamen. Man muss, findet Teutsch, Bellangers Analyse - die die realen islamistischen Anschläge systematisch klein redet - nicht teilen, um das Buch mit Gewinn zu lesen. Denn vor allem zeige Bellanger hier höchst gewitzt auf, wie mediale, politische und auch erotische Dynamiken in der französischen Öffentlichkeit eng zusammenhängen. Und auch über die rechts-links-Verirrungen der Gegenwart hat dieser möglicherweise selbst rechts-links-verirrte Autor einiges zu sagen, schließt die positive Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2025

Allzu viel Lesefreude hat Rezensent Rainer Moritz nicht mit diesem Buch. Tatsächlich wundert er sich, dass Aurélien Bellangers Schlüsselroman über das französische politische und intellektuelle Establishment überhaupt auf Deutsch erscheint - man muss sich schon gut in der Diskurssphäre des Nachbarlands auskennen, um die zahlreichen Anspielungen zu verstehen. Die Hauptfigur ist Laurent Bouvet nachempfunden und trägt bei Bellanger den Namen Grémont: ein gut vernetzter Stratege der sozialistischen Partei, der im Zuge der islamistischen Attentate 2015 versucht, sich und die Sozialisten an die Spitze einer neuen, laizistisch geprägten Bewegung zu katapultieren. Wie wir alle wissen, hat das nicht funktioniert - und das Buch hat in der Tat höchstens da einen Reiz, findet Moritz, wo es in satirischer Manier die Gesellschaftskonventionen der Oberschicht auf die Schippe nimmt und plötzlich Kulinarisches mindestens so wichtig ist wie politische Philosophie. Insgesamt ist wenig Schwung in der Sache, geschwätzig und gleichförmig kommt Moritz das Buch vor, Bellanger kennt sich bei Derrida und Co zwar gut aus, beweist das aber auch ausführlich, während die Figuren leblos bleiben. Von fern mag man an Houellebecq und vor allem dessen "Unterwerfung" denken, schließt der Rezensent, aber das hier ist im Vergleich doch leider schrecklich langweilig.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.08.2025

Rezensent Leander Berger prophezeit dem Schlüsselroman von Aurelien Bellanger kein so großes Echo wie in Frankreich 2024. Das liegt für Berger vor allem an der Tatsache, dass der deutsche Leser die realen Personen und Debatten der Geschichte um den Fall der Parti socialiste nicht parat hat und Bellanger kein Personenregister mitliefert. Literarische Schwächen hat das Buch, das mehr ein Essay sei, auch, meint Berger: Eine blutleere Sprache und keine echte Handlung. Zu den Figuren kann der Leser keine Bindung herstellen, erklärt ein reichlich enttäuschter Rezensent.