Caroline Eliacheff, Nathalie Heinich

Mütter und Töchter

Ein Dreicksverhältnis
Cover: Mütter und Töchter
Walter Verlag, Düsseldorf 2004
ISBN 9783530421750
gebunden, 350 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Männer werden es vielleicht nicht wissen: Nicht über sie reden Frauen vor allem, wenn sie unter sich sind, sondern über die eigene Mutter. Auch wenn nicht alle Frauen selbst Mütter sind und auch nicht alle Mütter Töchter haben, so hat doch jede Frau eine Mutter. Und mit dieser müssen sich alle Frauen fast schon schicksalhaft auseinander setzen - ob sie es wollen oder nicht. Die vielen Spielarten und Facetten der Mutter-Tochter-Beziehung beleuchten die Autorinnen anhand von Schlüsselszenen berühmter Filme und literarischer Werke. Auf eindringliche Weise dokumentieren gerade Kunstwerke wie "Madame Bovary", "Effi Briest", "Herbstsonate", "Das Piano" oder "Die Klavierspielerin", in welcher Form von Generation zu Generation Rollen weitergegeben und weibliche Identitäten und Modelle der Selbstverwirklichung herausgebildet werden. Eindrucksvoll führen sie vor, wie die Rolle des Dritten - des Vaters oder anderer enger Bezugspersonen - maßgeblich darüber entscheidet, ob Ablösung gelingt und eine positive Tochteridentität entstehen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Gut gefallen hat der Rezensentin Caroline Neubaur das vorliegende Buch, in dem Caroline Eliacheff und Nathalie Heinich sich an das Mutter-Tochter-Verhältnis - "eine singuläre und die komplexeste aller Beziehungen" - heranwagen. Als grundlegend betrachten die Autorinnen das Phänomen der "Triangulierung", das den zwei Instanzen Mutter und Tochter eine Dritte hinzufügt (der Vater, ob anwesend oder nicht). Der Verlust dieser dritten Instanz bedeute Realitätsverlust, da die Mutter-Tochter-Beziehung als Beziehung zweier Subjekte nicht ohne Trennungs- und Reflektionsraum auskomme. Die Mutter sei dann "übermächtig" und das Verhältnis Inzest. Kurz: Eliacheff und Heinich entwickeln demnach eine "Grammatik von Mutter-Tochter-Konstellationen", eine "Typologie der Inzestmöglichkeiten". Dabei kommen auch heutige Fragestellungen, etwa die Mutter als Freundin oder künstliche Befruchtung per Samenspende, zur Sprache. Insgesamt, so Neubaur, behandeln die Autorinnen ihr Thema einerseits auf sehr französische Art (und nicht nur aufgrund der vielen Fallbeispiele aus der französischen Literatur), andererseits auf "elegante" Weise, mit einer "Unaufgeregtheit", die Neubaur ihnen umso höher anrechnet, als sie sich ständig um die Balance zwischen "leichter Distanz" und "Sicheinlassen" bemühten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2004

Hilal Sezgin lobt das "dichte, vielgestaltige psychische Szenario", das sie in diesem Buch der Kinderpsychiaterin Caroline Eliacheff und der Soziologin Nathalie Heinich gefunden hat. Das alles will zwar aufmerksam gelesen werden, bleibe aber nie im Theoretischen, lobt die Rezensentin weiter. Wie Sezgin darstellt, bedienen sich die Autorinnen zur Untermauerung ihrer Typologie möglicher Mutter-Tochter-Beziehungen nicht der klinischen Erfahrung, sondern der Fiktion. Und dieser Ansatz, lobt Sezgin, zahlt sich aus. Interpretiert werden "Madame Bovary", Oscar Wildes "Salome", Jelineks "Klavierspielerin", Thomas Bernhards "Am Ziel" oder Douglas Sirks Film "Solange es Menschen gibt". Was die Autorinnen dabei in "kurzen, aber sehr erhellenden Ausflügen in die heutige gesellschaftliche Umgebung" entwickelten, überzeugt Sezgin, weil "frau" es kennt oder eben einfach, weil es sich in den Interpretationen "als so überraschend, aber schlüssig erweist".
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