'Entwicklungsverzögert', 'hyperaktiv', 'sprachgestört': Kinder werden heute schnell als 'auffällig' bezeichnet und in Therapie gesteckt. Kinderarzt Michael Hauch wehrt sich gegen Erzieher, Lehrer und Eltern, die ihn mit ihren laienhaften Diagnosen zum Rezeptautomaten degradieren. Aus langjähriger Praxis-Erfahrung weiß er: Therapien und Medikamente sind in den meisten Fällen überflüssig, sie können sogar nachhaltig schaden. Dagegen möchte er die Eltern stärken, ihren Kindern zu vertrauen und ihnen die Chance zu geben, sich nach ihrem eigenen Entwicklungsplan entfalten zu dürfen. "Vor 20 Jahren vertrauten Erzieher, Lehrer, Eltern und auch Ärzte noch darauf, dass jedes Kind sein eignes Tempo hatte. Heute gibt es von allen Seiten einen enormen Druck, wenn sich ein Kind nicht genau nach Schema entwickelt. Lassen Sie sich nicht verunsichern, sondern erfahren Sie, was für die Entwicklung Ihres Kindes wirklich wichtig ist."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2015
Der Kinderarzt Michael Hauch nimmt in seinem Buch "Kindheit ist keine Krankheit" den wachsenden Trend unter die Lupe, Kinder mit minimal abweichendem Verhalten in Logo-, Ergo- und Physiotherapien zu stecken, berichtet Martina Lenzen-Schulte. Das Problem sei, dass die Tests, auf denen die Erstdiagnose der Erzieher basiert, oft wenig taugen und kein ernstzunehmendes Urteil über Abweichungen von der Norm erlauben, die ihrerseits ein mehr als wackeliges Konzept sei, fasst die Rezensentin zusammen. Trotzdem rennen immer mehr besorgte Eltern zum Kinderarzt und fordern Rezepte - und Rezepte brauchen handfeste Diagnosen in schwarzaufweiß, die den hochproblematischen Einsatz von Pharmazeutika legitimieren und sich als verbrieftes Manko auf den möglichen Lebenslauf wie die tatsächliche Psyche des Kindes gleichermaßen auswirken können, erklärt Lenzen-Schulte, die empfiehlt, sich lieber rezeptknausernde Kinderärzte auszusuchen.
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