Gerhard Roth

Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten

Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern
Cover: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten
Klett-Cotta Verlag, 2007
ISBN 9783608944907
Gebunden, 349 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Zwei Fragen haben die Menschen seit jeher beschäftigt: Soll ich bei Entscheidungen eher meinem Verstand oder eher meinen Gefühlen folgen? und: Wie schaffe ich es, andere so zu verändern, dass sie das tun, was ich von ihnen will - und warum ist es noch schwieriger, sich selbst zu ändern? Auf der Grundlage neuer psychologischer und neurobiologischer Kenntnisse können wir zu einem vertieften Verständnis von Entscheidungsprozessen und der Veränderbarkeit des Menschen kommen. Der Autor erläutert, wie innerhalb der Individualentwicklung die Persönlichkeit auf unterschiedlichen unbewusst-bewussten und emotional-rationalen Ebenen des Gehirns entsteht. Sie weist jeweils eine ganz spezifische Dynamik auf und bestimmt dadurch den Ablauf von Entscheidung sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Verhaltensänderungen. Ein grundlegendes Buch für unser Selbstverständnis und natürlich für Fragen der Erziehung, Personalführung, Psychotherapie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2008

Nicht wirklich erwärmen kann sich Uwe Justus Wenzel für dieses Buch des Hirnforschers Gerhard Roth. Der Titel "Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern" verweist in seinen Augen eher auf psychologische Ratgeberliteratur als auf Hirnforschung. Tatsächlich findet er in dem Buch über weite Strecken psychologische Fragen behandelt, die etwa das Zusammenspiel des Verstandes und der Gefühle bei der Entscheidungsfindung, der Persönlichkeitsentwicklung und Persönlichkeitsveränderung betreffen. Was Roth zu diesen Fragen schreibt, hält Wenzel für durchaus richtig, aber eben auch für längst bekannt. Der Punkt, um den es dem Autor geht, scheint ihm indes ein anderer: die Fundierung der Psychologie durch die Neurologie. Zwar hat Wenzel einiges über das menschliche Gehirn erfahren. Was aber "Fundierung" heißen soll, bleibt für ihn zu "unspezifisch" und "vage", gingen die Ausführungen des Autors doch nicht über die vielfach formulierte Feststellung hinaus, dass alles, was wir sind und tun, irgendwie mit unserem Gehirn zu tun habe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2007

Martin Urban ist begeistert mit Einschränkungen. Das von Gerhard Roth verfasste Sachbuch wartet laut Urban mit bedeutenden Erkenntnissen aus dem Umkreis der Gehirnforschung auf, die dem Leser helfen können, die Schwierigkeiten des "Selbst- und Weltbildes des Menschen" zu verstehen. Daran, dass diese Schwierigkeiten immens sind, hat Urban nach der Lektüre keinen Zweifel mehr. Allerdings vernimmt er auch dankbar die optimistischeren Töne des Autors, die Verständnis- und Veränderungsmöglichkeiten beim Selbst und beim Miteinander (etwa durch therapeutische Hilfe) durchaus einräumen. Um so mehr, als Urban den Ausführungen Roths nicht immer folgen kann und er die "Struktur des Buches" für verbesserungswürdig hält. Zum Beispiel durch eine hirnanatomische Propädeutik im Anhang.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2007

Erst hat Helmut Mayer den Eindruck, Gerhard Roth habe einen Ratgeber geschrieben, ein Maximen-Buch, und wundert sich, weil er von Roth doch Grundsätzliches zum Thema Hirnforschung gewohnt ist. Bald aber wird dem Rezensenten klar, dass es sich so nicht verhält. Roths "Zusammenschau von Befunden" taugt nicht zur praktischen Entscheidungshilfe. Zu unscharf sei sie, meint Mayer, zu sehr auf die allgemeinen Bedingungen des mentalen Funktionierens und das ohnehin Verstandesgemäße beschränkt, wenn es ihm auch sympathisch erscheint, beim Autor auf so wenig Rechthaberei zu treffen. Der, hören wir, will allerdings die Hirnforschung als "methodisch eigenständig" verstanden wissen, gegen Vermutungen hier würde bloß bereits Bekanntes aus der Psychologie paraphrasiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

In Christiane Pries' Besprechung dieses Buchs des Hirnforscher Gerhard Roth muss sich der Leser ganz schön durch neurowissenschaftliches Fachvokabular ackern, doch hängen bleibt, dass Pries ein aufschlussreiches und mit anschaulichen Beispielen aus der experimentellen Psychologie versehenes Buch gelesen hat, das die wesentlichen Forschungsergebnisse allgemein verständlich zusammenfasse. Doch ein uneingeschränkt positives Urteil möchte Pries nicht abgeben. Genauso wie Intelligenz und andere Gehirnaktivitäten, bilden sich die Muster für Persönlichkeit, Entscheidungsfindung und Verhalten bereits im Mutterleib, sie sind genetisch festgelegt oder entwickeln sich in verschiedenen Bereichen des Gehirns während der ersten Lebensmonate. Von dieser Grundannahme ausgehend, sei es nicht unmöglich, in fortgeschrittenem Alter Verhalten oder gar Persönlichkeit zu ändern, es werde nur wesentlich schwieriger, fasst Pries Roths Ergebnis zusammen. Ein großes Ärgernis ist für sie, dass sich der als Kritiker der Willensfreiheit bekannte Roth um eine eindeutige Stellungnahme zum Thema drückt und völlig offen lässt, inwiefern hier von Annahmen oder Tatsachen ausgegangen wird. Schließlich findet die Rezensentin bedauerlich, dass sich das Buch dem Duktus der "Ratgeberliteratur für höhere Führungskräfte" andiene und recht altbacken empfehle, im Zweifel auf die Ehefrau zu hören.

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