Der Mann ist in der Krise. "Neue Männer braucht das Land" lautete vor zwanzig Jahren der Schlachtruf der Feministinnen, doch ist seitdem keine Ruhe und Zufriedenheit an der Geschlechterfront eingekehrt. Männer, egal ob Chauvis oder Softis, können es Frauen einfach nicht recht machen. Doch auch sich selbst ist der Mann im neuen Jahrhundert ein Rätsel - die alten Rollenmuster sind passé, und in der Epoche des anything goes ist auch die männliche Identität dauernden Veränderungen unterworfen. Was also ist der Mann? Dietrich Schwanitz' Buch ist eine provokative Polemik und die schon lange fällige Abrechnung mit falschverstandenen weiblichen Forderungen, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl neuer Gräben zwischen den Geschlechtern gerissen haben.
Der Erfolgsautor präsentiert sich als Verhaltensforscher - er besichtigt die eigene Spezies: Männer. Was ihm von Seiten des Rezensenten Alexander Provelegios prompt den Vorwurf eines altväterlichen Blicks und des Wühlens in der "feministischen Mottenkiste" einträgt. Das wiederum, gesteht Provelegios ein, ist locker-flockig und ganz lustig vorgetragen. Befund: Männer sind Schweine, aber sie sind daran nur bedingt schuld - die Natur, die Gene!!! Ach ja, stöhnt da der Rezensent und wundert sich über die "angestaubten Anklageschriften" des Anklägers und Verteidigers in einer Person, der eine Menge berühmter Männer als Zeugen auffährt. Aber hat denn der Autor überhaupt die genügende Distanz zum eigenen Geschlecht, fragt der Rezensent: "Auch Konrad Lorenz war schließlich keine Graugans". Provelegios beschleicht ein Verdacht, nämlich dass sich der Autor als Gott im Geschlechterhimmel aufführt. Das wäre dann der Beweis, spottet er, dass Gott doch männlich wäre und nicht spülen kann. Aber was mache das schon im Zeitalter der Spülmaschine?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2001
Solange der Autor in seinem Buch über Männer einem ironischen Tonfall verpflichtet bleibt, kann er sich der Aufmerksamkeit, ja sogar des Mitgefühls des Rezensenten upj. sicher sein. Doch ist für upj. der "Spaß" vorbei, wenn der Autor anfängt, sich ganz ernsthaft "populärwissenschaftlich" mit dem Thema Mann und Geschlechtsidentität zu befassen. Dann, so der Rezensent entsetzt, kann man dem Autor nur zustimmen, der meint, dass der Mann nie "gockelhafter" sei, als wenn er sich mit sich selbst beschäftigt.
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