Carl Amery, Hermann Scheer

Klimawechsel

Von der fossilen zur solaren Kultur
Antje Kunstmann Verlag, München 2001
ISBN 9783888972669
Taschenbuch, 143 Seiten, 10,12 EUR

Klappentext

Rot-Grün ist an der Regierung, also: Alles klar für die Ökologie? Einerseits werden Gesetzesinitiativen für eine nachhaltige Energieversorgung ergriffen, andererseits ein Weltmarkt beschworen, der Wachstum fordert und den Energieverbrauch systematisch höher treibt. Warum setzt die Politik noch immer keine eindeutige energiepolitische Priorität? Warum fehlt einem Großteil der Medien die Neugierde auf das vorhandene solare Potential? Die Interessen der Energiewirtschaft allein können nicht Ursache für all diese Versäumnisse sein. Carl Amery und Hermann Scheer sind beide Protagonisten des ökologischen Weltthemas. Im Gespräch mit Christiane Grefe ergründen sie die Kultur des gefährlichen Beharrens.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.11.2001

Der Band ist ein Interview des Schriftstellers Amery und des SPD-Umweltpolitikers Scheer mit der Zeit-Redakteurin Christiane Grefe über den Stand der Dinge in Sachen ökologischem Umbau und die Aussichten für eine Weiterentwicklung in dieser Richtung. Viele verschiedene Aspekte werden dabei angesprochen, und zwar, so der Rezensent Danyel Reiche, "mit viel Tiefgang". Das reicht von dem Hinweis auf die Diskrepanz zwischen dem Wissen der Konsumenten und "ihrem praktischen Handeln" bis zur Kritik an der aus gigantomanischen Fortschrittsvorstellungen noch nicht entkommenen Wissenschaft. Widerspruch zwischen Amery und Scheer gibt es, wie Reiche anmerkt, nur an einer Stelle: Amery hält Askese für die Umstellung auf Solarstrom für nötig, Scheer spricht von einem "Substitutionsprozess". Reiche teilt den unterschiedlich weit reichenden Pessimismus von Scheer und Amery nicht unbedingt. "Das kulturelle Umfeld", gibt er zu bedenken, ist, anders als beide glauben, "nicht abgeneigt". Und die Kritik daran, dass die Umweltpolitik Ökonomie und Ökologie zu verbinden sucht, findet er gleichfalls verkehrt. Stattdessen erweise sich gerade der "ökonomisch-ökologische Doppelnutzen erneuerbarer Energien".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001

143 Seiten Treibstoff - die Diskutanten Scheer und Amery steigerten die unumgängliche Energiewende zur Kulturrevolution, formuliert Christian Schütze sein Fazit. Das in dem Buch zum Einsatz kommende "Erkenntnismittel" des Dialogs scheint sich einmal mehr bewährt zu haben. Schütze stellt die Ergebnisse der Erörterung zusammen, die um die Frage kreist, was und wer den längst überfälligen Durchbruch der Sonnenenergie verhindert. In der Meinung übereinstimmend, in der Perspektive variierend, schreibt Schütze, seien beide, Scheer wie Amery, militante Idealisten, bei denen auch die Grünen ihr Fett abkriegen. Wo Scheer insbesondere an die Ressourcenknappheit und des Menschen Abhängigkeit von wirtschaftlichen Großmächten denke, sehe Amery mehr die kulturgeschichtlichen und psychologischen Hintergründe der Energieentfesselung. Beide aber überböten sie einander in neuen und dazu glänzend formulierten Einsichten und Gedanken. - Eine Lust, das zu lesen, meint der Rezensent.
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