Aus dem Englischen von Hans Freundl. Europa sieht sich mit einer Reihe existenzieller Herausforderungen konfrontiert, die den Kontinent in die Knie zwingen: der unerwartete Wiederaufstieg eines autoritären Russland, eine anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise, die Wiederkehr des "deutschen Problems" durch eine rigide Sparpolitik, die sogenannte Flüchtlingskrise, der islamistische Terrorismus, Sezessionsbestrebungen wie im Baskenland oder Schottland und nicht zuletzt das verbreitete Gefühl von Europamüdigkeit. Das Buch zeigt, dass es sich dabei nicht nur um ineinander greifende Fragen handelt, sondern im Grunde genommen um ein einziges großes Problem, das eine große Lösung verlangt. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Büchern bieten Simms und Zeeb nicht nur eine Diagnose, sondern auch eine Therapie: die zügige Verwirklichung einer demokratischen Union nach angloamerikanischem Modell, die die gesamte Eurozone umfasst und eine gemeinsame Finanz- und Verteidigungspolitik beinhaltet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.03.2016
Eckart Conze hat Sympathie und Verständnis für den Versuch des irisch-deutschen Historikerteams Brendan Simms und Benjamin Zeeb, dem drohenden Untergang Europas einen kämpferischen Appell entgegenzuschleudern. Dass sich die Autoren für ihr politisches Manifest und ihr Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten von Europa an Churchill, dem Act of Union von 1707 und der amerikanischen Verfassung von 1787 orientieren, erscheint dem Rezensenten allerdings fragwürdig. Die Geschichte eignet sich nicht als Handlungsanweisung für die Gegenwart, meint er. Neue und bessere Argumente für einen europäischen Neubeginn mit föderaler Struktur und Volksabstimmung über den Beitritt zu einer demokratischen Union hätte er sich gewünscht.
Dass zwei Autoren ihr "Plädoyer für die Vereinigten Staaten von Europa" ausgerechnet in einer Zeit veröffentlichen, da die Europäische Union alles andere als vereinigt wirke, findet Richard Herzinger ungewöhnlich. Die Forderung des irischen Historikers Brendan Simms und des Publizisten Benjamin Zeeb sei da eine Art "Vorwärtsverteidigung", so Herzinger, denn ihrer Ansicht nach solle gerade jetzt ein förderaler europäischer Staat gegründet werden. Dass die Autoren Großbritannien nicht als Teil dieser Union sehen, macht die Idee in den Augen des Rezensenten noch komplizierter. Letztlich hält er das Buch für eine "eher zähe, verwinkelte Abhandlung", der nur schwerlich folgen könne, wer sich nicht bis ins Detail mit der aktuellen Debatte um Europa auskenne. Starke Momente habe "Europa am Abgrund" immer dann, wenn das Buch heutige Probleme historisch einordne.
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