Das Trauma des Versailler Vertrages, die hohen Reparationen, das Desaster der Inflation, die agitatorische Unausgewogenheit und bedenkliche Zersplitterung der Parteien, die zahllosen Regierungskrisen und rasch wechselnden Kabinette, die Weltwirtschaftskrise 1929 bis hin zur Präsidialdemokratie: Ursula Büttner vermeidet bewusst, dieses kaum 14 Jahre dauernde Stakkato dramatischer und traumatischer Ereignisse mit seinem Ende gleichzusetzen. Denn die Weimarer Republik, so ihre entschiedene These über die erste deutsche Demokratie, hätte nicht in den 30. Januar 1933 münden müssen. Im Brennglas dieses Überblicks verdeutlichen Details und Zäsuren, wie sehr die erste deutsche Demokratie überfordert war: Von undemokratischen wie ideologischen, von konservativen wie revisionistischen Kräften, von links wie rechts missbraucht, wurde sie Beute der Skrupellosen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2008
Nach Ursula Büttner nutzte die Weimarer Republik die "Freiheit der Demokratie" dazu, eben diese abzuschaffen, stellt Christian Welzbacher fest, der hier nicht zuletzt die Arbeit der Hamburger Historikerin zum Thema seit den 70er Jahren gebündelt sieht. An "Aktualität" fehlt es dem Werk freilich nicht, versichert der Rezensent, der lediglich den interdisziplinären Ansatz, der im Vorwort versprochen wird, etwas zu kurz gekommen sieht. So lässt sich einem komplexen Thema wie der "Moderne" auf so knappem Raum unmöglich beikommen, moniert Welzbach. Dafür lässt er sich durch die mit einzelnen Querschnitten und Detailschilderungen angereicherte differenzierte chronologische Darstellung der politischen Ereignisse überzeugen und findet auch die Kurzporträts, mit denen die einzelnen Protagonisten geschichtlicher Ereignisse vorgestellt werden, sehr nützlich. Sprachlich allerdings lasse die Autorin äußerste Nüchternheit walten und verzichte auf erzählerische Elemente, bemerkt der Rezensent, der für das Bedürfnis nach dramatischeren Schilderungen zur Weimarer Republik auf andere Autoren verweist.
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