"Versailles" und die Verrechtlichung der internationalen Politik Bei keinem anderen Frieden der neuzeitlichen Geschichte spielte die Berufung auf Recht und Gerechtigkeit eine so prominente Rolle wie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Im Gegensatz zu bisherigen Darstellungen, die sich vornehmlich auf eine Demütigung Deutschlands durch das "Versailler Diktat" konzentrieren, bietet diese breit angelegte Neuinterpretation der gesamten Pariser Friedenskonferenz von 1919/20 ein differenziertes Bild. Marcus Payk kann anhand zahlreicher Beispiele nachweisen, welche politische Kraft, aber auch welche unkontrollierbare Eigenlogik völkerrechtlichen Argumenten und Akteuren während der Friedensverhandlungen zukam. Erst durch die Berücksichtigung der normativen Erwartungen der Vorkriegs- und Kriegszeit werden die Friedensabkommen mit Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und dem Osmanischen Reich verständlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2018
Brillant findet Rezensent Milos Vec die Habilschrift des Historikers Marcus M. Payk über die Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Wie der Autor die Verträge von Trianon, Sevres und Versailles in die Weltgeschichte einbindet, detailreich und genau die Archive befragt und das Völkerrecht in diesem Prozess mit großer Klarheit und bestechenden Argumenten hervorhebt, scheint Vec höchst lehrreich. Verdienstvoll findet der Rezensent ferner, wie Payk die unterschiedlichen involvierten Mentalitäten nachzeichnet und der Vermutung entgegentritt, hier sei vor allem Siegermacht am Werk gewesen. Payks Zusammenführung seiner Bewertung der Verträge mit einer neuen Weltordnung und der Gegenwart, findet Vec aufschlussreich.
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