Aus dem Französischen von Tom Heithoff. Mit einem Katalog der Kunstwerke aus deutschen Sammlungen im Musee Napoleon. Zwischen 1794 und 1811 beschlagnahmt das zuerst revolutionäre, später kaiserliche Frankreich im Namen der Freiheit und des Fortschritts der Künste viele tausend Kunstwerke und Bücher in den besiegten Ländern Europas. Die Studie beschreibt die Formen und Folgen der französischen Kunsteroberungen in Deutschland und Wien und lässt die Hauptakteure auf beiden Seiten zu Wort kommen. Der Band widmet sich zunächst dem Schicksal der beschlagnahmten Werke in Frankreich und geht dann der Frage nach, inwieweit die Aneignungspolitik des französischen Siegers im deutschsprachigen Raum zur Ausbildung eines Bewusstseins für das eigene Kulturerbe beigetragen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2011
Mit viel Beifall begrüßt Joseph Hanimann die nun vorliegende Übersetzung von Benedicte Savoys Studie über Napoleons Kunstraub. Er merkt an, dass sich der Forschungsgegenstand seit Erscheinen der Originalausgabe fortentwickelt hat, was für ihn die "Pionierleistung" dieses Werks unterstreicht. Der Kunsthistorikerin gelingt es seines Erachtens überzeugend, die napoleonischen Kunstbeutezüge als "europäisches Schlüsselerlebnis" zu erhellen. Besonders instruktiv findet er die Ausführungen über die ästhetischen und ideologischen Begleiterscheinungen des Kunstraubs, etwa dass das Ansehen von deutschen Meistern wie Dürer und Cranach durch die Beutekunstausstellung in Paris 1807/08 auch in der Heimat wuchs. Hanimanns Fazit: ein "fesselndes kulturgeschichtliches Panorama".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2011
Als rundum erfreuliches Lektüreerlebnis feiert Johannes Willms Benedicte Savoys Darstellung der napoleonischen Kunstraubzüge in Deutschland und ihrer Folgen, die er hier, mit dem nötigen historischen Abstand, ausgewogen untersucht sieht. Bewunderung hat er nicht nur für die Akribie, mit der die in Berlin lehrende französische Kunsthistorikerin die Quellenfülle auswertet. Insbesondere beeindruckt hat ihn Savoys Nachweis, dass die Beutezüge als Folge nicht nur eine bis dahin nicht da gewesene Wertschätzung für Maler wie Altdorfer, Cranach oder Dürer zeitigten, sondern ein neues Interesse am Museumswesen auch in Deutschland initiierte. Und so preist er dieses Werk uneingeschränkt für die Souveränität seiner Darstellung, wobei er besonders begeistert vermerkt, dass das Werk auch noch angenehm und fesselnd zu lesen ist.
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