Nach 1945 herrscht unter westeuropäischen Intellektuellen der Konsens, dass sich literarisch 'hochwertige' Künstler in den totalitären Systemen nicht kompromittiert haben. Anhand von drei Fallstudien - Curzio Malaparte (1898-1957), Louis-Ferdinand Celine (1894-1961) und Gottfried Benn (1886-1956) - untersucht die Arbeit, wie das literarische Feld mit Autoren umgeht, die diese behauptete Inkompatibilität von ästhetischem Gelingen und moralischem Versagen konterkarieren. Dabei zeigen sich paradigmatische Argumentationsstrukturen, die sich - wie die Arbeit anhand aktueller Debatten nachweist - bis heute halten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2006
Rezensent Wilfried Wehle ist enttäuscht von dieser Studie über die Frage, ob im falschen politischen Bewusstsein echte literarische Qualität gedeihen kann. Bereits die Auswahl der Autoren findet er problematisch, da sie alle "durch ihre Nähe zu rechtstotalitären Systemen" im Zwielicht stünden. Parteigänger linker Diktaturen wie Brecht, Breton oder Gramsci fielen daher durch den Rost des Diskurses. Und der hat nach Ansicht des Rezensenten außer den üblichen Verdächtigen von Adorno, Vittorini oder Sartre wenig zu bieten. Wehle findet es nicht besonders originell, Malaparte, Celine und Benn noch einmal vor den "moralischen Gerichtshof dieser antifaschistischen Intellektuellen" zu stellen, was Astrid Arndt in ihrer Studie offensichtlich tut. Zwar untersucht ihre Arbeit aus den Konflikt mit dem gebotenen wissenschaftlichen Instrumentarium, erklärt er. Zu wirklich prickelnden Erkenntnissen kommt sie seiner Ansicht nach jedoch nicht. Auch weil sie von der "Hochebene der Metareflexion" kaum Augen für die literarischen Texte selbst habe.
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