Privates Leben und politischer Alltag: Die individuelle Verarbeitung des Nationalsozialismus in Selbstzeugnissen "gewöhnlicher" Menschen.
Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur erlebte Deutschland nicht nur eine tiefe politische Zäsur. Auch das private Leben der Deutschen veränderte sich grundlegend. Das NS-Regime hatte weitreichende Vorstellungen davon, wie der Einzelne von nun an denken und handeln soll.
Janosch Steuwer hat insgesamt 140 Tagebücher aus den Jahren 1933 bis 1939 untersucht und zeigt daran, wie Durchschnittsbürger auf die Herausforderungen des Nationalsozialismus reagierten. Im Nachdenken über sich selbst und die Welt, in der sie nun lebten, positionierten sie sich zu den neuen Machthabern. Es drängte den Großteil der Deutschen, sich den politischen Umständen anzupassen und die Vision einer homogenen, von Konflikten befreiten und "rassisch reinen" Gesellschaft zu verwirklichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2017
Nach Ansicht von Rezensent Knud von Harbou betritt Janosch Steuwer mit seiner Studie "Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse" echtes Neuland. Der in Zürich lehrende Historiker wertet Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit des Nationalismus aus und versucht so, nicht retrospektiv, sondern von innen heraus das veränderte Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Privatleben im Dritten Reich zu erschließen. Überzeugend findet Harbou die Herangehensweise des Autors, weil er argumentativ dicht und auf dem neuesten Forschungsstand den Handlungsspielraum von "Konformität und Abweichung" ganz neu auslotet. Dabei nimmt Steuwer die Verschränkung historischer Realität und individueller Lebensweise so in den Blick, dass sich dem Rezensenten faszinierende Blickwinkel auftun, die er jedoch nur recht abstrakt formuliert. Überzeugend findet Harbou schließlich Steuwers Schluss, dass der Nationalsozialismus die Deutschen weniger mit seinen politischen Inhalten prägte, als durch die "Inszenierung unpolitischer Gefühle".
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