Wie bereits im ersten Aufsatzband werden auch hier Institutionen, Personen und Fächer sowie die in ihr betriebene Wissenschaft an der Universität München in der Zeit des Nationalsozialismus in den Blick genommen und all ihre Verhaltensweisen innerhalb des breiten Spektrums zwischen Anpassung und Widerstand beschrieben. Auch für die jetzt vorliegenden Beiträge stellten sich diese Fragen: Wie sah es bei dem einzelnen Institut oder Seminar, dem Hochschullehrer bzw. einer mit der LMU vernetzten Einrichtung konkret aus mit der Gleichschaltung oder gar Selbstgleichschaltung, mit Opportunismus und Karrierismus, mit Gleichgültigkeit und Resignation, mit Renitenz und Resistenz, mit Opposition und Aufbegehren? Wie stand es um das Verhältnis von völkisch-rassistisch kontaminierter und wertneutraler Wissenschaft? Wie gestaltete sich im Einzelfall die Auseinandersetzung zwischen dem Politischen und dem Fachlichen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2009
Der zweite und abschließende Band der Münchner Universitätsgeschichte während des 'Dritten Reichs' stößt bei Frank-Rutger Hausmann auf wohlwollenden Beifall. Wenn es diesem ehrgeizigen Unternehmen unter der Herausgeberschaft von Elisabeth Kraus auch nicht gänzlich gelang, wirklich alle Lücken der Universitätsgeschichte zu schließen, so werden doch viele Fragen beantwortet, stellt der Rezensent fest. Im Mittelpunkt dieses Bandes stünden die Professoren der unterschiedlichen Fakultäten und ihr Verhältnis zum NS-Regime und hier gelinge es hervorragend, exemplarisches und typisches Verhalten herauszuarbeiten, so Hausmann sehr zufrieden. Vom distanzierten Mitläufertum (der Kunsthistoriker Wilhelm Pinder) über mehr oder weniger aktives Zutun (Professor für "Indogermanische Geistesgeschichte" Richard Harder) bis zu couragiertem Einsatz für "halbjüdische" Wissenschaftler (Chemiker Heinrich Wieland) lässt sich ein wichtiges Kapitel der Universitätsgeschichte rekonstruieren, erklärt der Rezensent eingenommen.
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