Unter der NS-Diktatur waren den Sportvereinen dezidiert politische Aufgaben zugedacht, gleichwohl stand das freiheitliche bürgerliche Vereinswesen im Gegensatz zu den Herrschaftsstrukturen des Regimes. Die NS-Politik verfolgte eine ebenso umfassende wie radikale "Gleichschaltung" des Sports, musste die totale Umsetzung dieses Plans aus taktischen Gründen jedoch auf die Zeit nach dem "Endsieg" vertagen. Viele Details der Gleichschaltungsprozesse im Fußballsport unter der NS-Diktatur sind weitgehend unbekannt. Der Band schließt anhand neuer Archivrecherchen einige dieser Lücken und zeigt ferner Kontinuitäten zwischen den beiden deutschen Diktaturen auf. Der Fokus soll dabei nicht nur auf den Anspruch des Regimes gelegt werden, den Sport der Partei zu unterwerfen, sondern auch darauf, inwieweit er in die Tat umgesetzt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2017
Rudolf Neumaier kann sich über manches skurrile Detail in dem von Markwart Herzog herausgegebenen Band nur wundern. Die Zusammenhänge zwischen Spielweisen auf dem Fußballplatz und sozialistischer Ideologie gehen überraschend weit, erfährt er. So entpuppt sich der Offensivfußball der DDR-Mannschaften quasi als direkte Anweisung aus Moskau, als Politikum, das auch die Pathologisierung des defensiven Westkickens mit einschloss, wie Neumaier lernt.
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