Anne Garreta

Sphinx

Roman
Cover: Sphinx
edition fünf, Gräfeling / Hamburg 2016
ISBN 9783942374835
Gebunden, 184 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Alexandra Baisch. Pariser Nachtleben: Eine Bar, in der sich die tanzende Menge bis in den Morgen von den Rhythmen tragen lässt, ein Cabaret, in dem eine Spiegelwelt die Zuschauer in ein Spiel von Sein und Schein führt. In dieser Dämmer- und Dunkelwelt, einer Sphäre, in der, was normalerweise gilt, ins Wanken gerät, begegnen sich Ich und A***. Als Paar reisen sie nach New York. Ihre Liebesgeschichte entwickelt sich wie viele andere, mit der Besonderheit allerdings, dass das Geschlecht der beiden Hauptfiguren im Unklaren bleibt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.11.2016

Carola Ebeling weist auf den experimentellen Charakter von Anne Garretas Debütroman von 1986 hin. Eine Liebesgeschichte zu schreiben, ohne das Geschlecht der Liebenden zu offenbaren, das war laut Ebeling in den Achtzigern ein echtes Wagnis, zugleich aber durchaus vorstellbarer Teil des Dikurses über Frauen- und Männerbilder, über den die Autorin mit ihrem Text für Ebeling noch hinausgeht. Die aus der Ich-Perspektive erzählte Geschichte einer Anziehung und schließlich einer Trennung scheint Ebeling zunächst klassisch choreografiert, gebrochen allein durch das Austesten einer Sprache, die keine geschlechtlichen Zuschreibungen erlaubt. Wie begrenzt die Möglichkeiten in diesem Fall sind, will man über Liebe und Sexualität reden, auch wenn der Autorin atmosphärische Beschreibungen und die Darstellung des Innenlebens der Hauptfigur gelingen, diese Erkenntnis ist für die Rezensentin der größte Gewinn der Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Rezensent Dietmar Dath freut sich auf die Verwandlung mit Anne Garretas 30 Jahre altem Text aus dem Umfeld des von Raymond Queneau gegründeten Kollektivs Oulipo. Nicht um Verstehen der Liebe im landläufigen Sinn geht es hier, meint er, sondern um ein Verständnis von Liebe als Selbsterkenntnis. Dass die Figur im Text kein grammatisches Geschlecht hat, nimmt er dafür gern inkauf. Die Geschichte zweier Frauen wird hier also nur vermutlich erzählt, erklärt Dath. Auch auf ein Happy End muss der Rezensent nicht hoffen, hat er doch mit der "formalen Durchdringung des unsagbaren Gegenstands" im Text genug zu tun, genug, um das Buch toll zu finden, weil es so viel mehr über das "Menschenunmögliche der Lüste" weiß, wie Dath glaubt, als alle sozialen Netzwerke zusammen.
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