Camille de Peretti

Wir werden zusammen alt

Roman
Cover: Wir werden zusammen alt
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011
ISBN 9783498053079
Gebunden, 288 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Am Sonntag werden die Mütter und Väter in der Residenz Les Begonias in Paris von ihren Söhnen und Töchtern besucht - ein Kosmos voller Überraschungen. Die Alten sind eine unschlagbare Truppe mit phantastischen Ideen, stets zuckersüß und bitterböse. Therese findet die Liebe ihres Lebens, spät, aber umso heftiger. Der selbsternannte Hauptmann Dreyfus gibt Madame Alma und ihren Freundinnen Anweisungen, wie sie sich an Bord der Residenz zu verhalten haben - bis er durch ein Loch im Gartenzaun entflieht. Der Sohn bemerkt es nicht, er küsst gerade die Pflegerin. Nebenan weint eine Krankenschwester, denn sie erwartet ein Kind von einem Schwarzen, und ihre Eltern sind entsetzt.
Der Roman besteht aus 64 Kapiteln, die den 64 Räumen der Residenz Les Begonias entsprechen. Damit folgt der Text einer genau vorgegebenen Struktur, nach dem Prinzip von Georges Perecs "Das Leben. Gebrauchsanweisung", in dem Perec auf das Geschehen in einem Mietshaus blickt, als hätte man die Fassade weggenommen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Martina Meister hat den elegant übersetzten und in Frankreich bereits vor drei Jahren erschienenen Roman der jungen, polyglotten Camille de Peretti mit Vergnügen gelesen. Das ist nicht ganz selbstverständlich, denn es handelt sich, frei nach Georges Perecs Gebrauchsanweisung "Das Leben", um eine solche zum Sterben. Die 64 Kapitel beschreiben genau einen Tag im Leben der Bewohner, Angestellten und Besucher eines Altenheims. Sie legen präzise beobachtet, aber auch von Komik nicht frei, die ganze Bandbreite menschlicher Beziehungen frei, die uns auch in hohem Alter noch umtreiben: Geheimnisse, Sehnsüchte, Liebesverlangen, Ablehnung. De Peretti ist mit ihrem dritten, mit siebenundzwanzig Jahren geschriebenen Roman über ein gerne gemiedenes Paralleluniversum "ein unsentimentales und doch anrührendes Buch gelungen", lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.03.2011

Als formales Experiment aus dem Dunstkreis von Perec und Queneau lesen möchte Rezensent Christoph Schröder das Buch eigentlich nicht so gerne. Zumal die mitgelieferte Gebrauchsanweisung ihn eher verwirrt als an den Text heranführt. Also Algorithmen und Euler'sche Quadrate mal beiseite gelassen und drauflosgelesen. Und siehe da: Das Buch hat seine Vorteile. Eine laut Schröder wohltuende Nüchternheit und unterhaltsame Rasanz. Allerdings geht das auf Kosten der Figurengestaltung. Für Schröder bleiben sie flach. Ebenso findet er das Phänomen der Überalterung und die durchaus ernsten Alltagsprobleme in einem Altersheim, um die es hier schließlich geht, einfach nicht geeignet für eine vergnügte Nummernrevue in 64 Bildern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2011

Außerordentlich virtuos, aber so, dass man es erst fast nicht merkt, findet Joseph Hanimann diesen Roman einer dreißigjährigen Autorin, die er nach der Lektüre für ein großes Talent hält. Was zunächst nach einer eher impressionistischen Studie übers Leben im Altersheim aussieht, entpuppe sich bei näherer Betrachtung als von den erzählspielerischen Oulipisten inspiriertes Formexperiment. Im Viertelstundenrhythmus rückt die Erzählung sprungweise vor und spielt dabei niemals am genau selben Ort. Das gesamte Altenheim, mit denen die drinnen sind und auch bleiben, und anderen, die von draußen kommen und wieder gehen, wird so Zimmer für Zimmer kartiert. Wie es der Autorin dabei gelinge, bei diesem Thema weder in billigen Sarkasmen noch in Sentimentalität Ausflucht zu suchen, das nötigt dem Rezensenten großen Respekt ab. Nicht minder gelobt wird der Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel, der jeden Ton der Autorin zu treffen verstehe.
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