Am Anfang der berühmtesten, einflussreichsten und langlebigsten Autorengruppe der Welt steht eine Verabredung zum Essen: An einem Abend im November 1960 laden Raymond Queneau und Francois Le Lionnais im Restaurant Au Vrai Gascon eine Reihe von befreundeten Schriftstellern ein, mit denen sie die Literatur revolutionieren. Am Ende der Tafelrunde ist eine Idee geboren, der wir nicht wenige der großen Meisterwerke in der Literatur des 20. Jahrhunderts verdanken: Italo Calvinos "Unsichtbare Städte" ebenso wie Georges Perecs "Das Leben- Gebrauchsanweisung" oder Oskar Pastiors grandiose Wortakrobatien. Der Name dieser Idee: OuLiPo - Ouvroir de Litterature Potentielle, die Werkstatt für potenzielle Literatur. Die Idee: Alles wird leichter, vergnüglicher, spannender, wenn man sich's schwerer macht. Wenn man eine Regel einführt. Wenn man sich eine Verfassung gibt. Und natürlich entsteht zeitgleich mit OuLiPo auch OuCuiPo: die Werkstatt der potenziellen Kochkunst, Ouvroir de Cuisine Potentielle. Mit pantagruelischem Appetit auf Avantgarde hat der Literaturvermittler und Leckerschmecker Jürgen Ritte ein Kochbuch mit Rezepten monochromer Küche, Speisekarten ohne den Buchstaben e und den Geheimnisse der ländlichen Küche Frankreichs herausgegeben, kommentiert und übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2009
Drei deutsche Neuerscheinungen aus der Geschichte und Gegenwart der in Frankreich entstandenen Experimentalliteraturtradition des "Oulipo" bespricht auf einen Streich Georg Renöckl. Das von Jürgen Ritte zusammengestellte und übersetzte Kochbuch "Bis auf die Knochen" enthält zwar einerseits nicht wirklich nachkochbaren Buchstabensalat ("Saure Sardinosaurier"), andererseits, so Renöckl, erweise sich andere, etwa komplett e-lose Kost als erstaunlich essbar. Es finden sich zu den Rezepten Beigaben wie Interviews mit "Forellen und Mikroben" und am Ende wird der Text ein wenig fehlerhaft, weil besoffen. Der Rezensent hatte an dem ganzen, das wird sehr deutlich, großen Spaß.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.10.2009
Als Mitglied der Gruppe "OuLiPo", der von Raymond Queneau 1960 gegründeten "Werkstatt potentieller Literatur" hat der arrivierte Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte jetzt ein "Kochbuch, das jeder braucht" herausgegeben, das Rezensent Gero von Randow mit Appetit gelesen hat. Grundlage von OuLiPo ist die Vorgabe von Formzwängen wie beispielsweise das Verfassen eines ganzen Romans mit "e" als einzigem Vokal und die Vorstellung, dass diese Formzwänge Kreativität hervorbringen, erklärt der Rezensent. Rittes Kochbuch, das nach Randows Dafürhalten trotz der beinhalteten Kochrezepte wohl doch eher ein "Essbuch" ist, versammelt von Ritte gesammelte OuLiPo-Texte, Selbstverfasstes und von ihm Übersetztes, Gedichte, Rätsel oder Geschichten. Mitunter findet der Rezensent die Flut an Attributen oder die Schachtelsätze etwas "schwerverdaulich" und streckenweise den Humor der Texte etwas altbacken. Insgesamt aber scheint Randow die literarischen Menüs durchaus zu genießen, die Ritte ihm serviert.
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