Die Tage des Deutschen Herbstes haben sich in das kollektive Gedächtnis gebrannt. Anne Ameri-Siemens erzählt aus verschiedensten Perspektiven, wie der Terror 1977 ein ganzes Land durchdrang und dann, nach der Entführung Hanns Martin Schleyers, die Bundesregierung unter Helmut Schmidt vor die furchtbare Alternative stellte: entweder Gefangene freizulassen oder den Tod der Geisel in Kauf zu nehmen. Anne Ameri-Siemens, eine der besten Kennerinnen der Zeit, hat zahlreiche, höchst unterschiedliche Zeitzeugen befragt. Damals politisch Verantwortliche kommen ebenso zu Wort wie Hanns-Eberhard Schleyer; ehemalige RAF-Anwälte ebenso wie Angehörige der Opfer, Polizisten und die Bewacher der RAF-Gefangenen in Stammheim. Das Buch setzt die Menschen, die berichten, in den Kontext ihrer Zeit, lässt die Atmosphäre des Deutschen Herbstes in einzigartiger Weise lebendig werden - Wochen, in denen Politiker im Krisenstab auch extreme Lösungen zur Rettung Schleyers diskutierten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2017
Tanjev Schultz schaut mit Anne Ameri-Siemens zurück auf den Fall Schleyer. Dass sich die Autorin in ihrem neuen Buch auf das schon in ihrer Geschichte der RAF genutzte Erzählprinzip verlässt, ausgiebig Betroffene und Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen und diese Beiträge durch eigene Erklärungen anzureichern, wertet Schultz als gute Entscheidung. Die gekonnte Montage von Berichten und Bekenntnissen von Journalisten und Politikern wie Hans-Jochen Vogel lässt laut Schultz einen fast filmischen Eindruck entstehen. Sowohl die Fragwürdigkeiten der politischen und juristischen Entscheidungen als auch die Zweifel der Politiker an der Richtigkeit ihres Tuns im Fall Schleyer werden für Schultz offenbar, ohne dass der Band zu definitiven Antworten gelangt. Ein bewegendes Buch, findet Schultz.
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