Michael Sontheimer

Natürlich kann geschossen werden

Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion

Klappentext

Am 14. Mai 1970 verhalfen ein Mann und vier Frauen - darunter Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof - in West-Berlin mit Waffengewalt dem Strafgefangenen Andreas Baader zur Flucht. Es war die Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion. Bis zu ihrem letzten Anschlag im Jahr 1993 versetzte die RAF die Republik immer wieder in Angst und Schrecken. Nach wie vor ist ein großer Teil der RAF-Taten nicht aufgeklärt; weiterhin halten neue Erkenntnisse Justiz, Politik und Gesellschaft in Atem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.07.2010

Gewohnt beherzt prügelt die hier rezensierende Bettina Röhl auf diese RAF-Geschichte und ihren Autor Michael Sontheimer ein. Als "einzigen RAF-Brei" bezeichnet sie das Buch, weder an Sontheimers Darstellung und Analysen noch an den von ihm befragten Personen aus jener Zeit will sie ein gutes Haar lassen. Jedes Zitat kontert sie mit einem Gegenzitat, nicht immer erkennt man den Zusammenhang. Konkret wirft Röhl Sontheimer allerdings vor, die RAF nicht in die 68-Geschichte einzubetten und ohne neue neuen Erkenntnisgewinn die RAF und ihren nur endlos weiter zu perpetuieren. Sein Argument, der Staat verhindere eine Aufklärung, da er von der Verfolgung nichtverjährter Morde nicht abrücken will, hält sie für einen Taschenspielertrick: Damit propagiere Sontheimer das, was die RAF schon immer für sich gefordert habe, nämlich "freies Geleit" oder auch, wie Röhl schreibt: "Straffreiheit und ein prominentes Leben".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2010

Das Buch findet der hier rezensierende Historiker Gerd Koenen, der selbst ein Buch über "Vesper, Ensslin, Baader" geschrieben hat, durchaus informativ und gut lesbar, allerdings bewegt es sich seiner Ansicht nach auf etwas ausgetretenen Pfaden. Denn auch hier fand er bekannte Szenen wie die von "Buch zu Buch und Hausarbeit zu Hausarbeit" weitergereichte sogenannte "Urszene" von Gudrun Ensslins Auftritt im Republikanischen Club nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg kolportiert. Auch hier durfte Klaus Jünschke wieder erklären, dass es die RAF ohne den Vietnamkrieg nicht gegeben hätte, obwohl der "Wahnsinn" erst nach dessen Ende richtig losgegangen sei. Koenen vermisst bei aller Information, die ihm das kompakte Buch bietet, das sich als Kontrastprogramm zu den Standardwerken von Stefan Aust bis Willi Winkler verstehe, immer wieder wesentliche Fragestellungen. Zum Beispiel nach dem "Kernwissen" der Insider übereinander, die sich in einen "Kokon schützender Formeln" eingesponnen hätten, statt darüber Auskunft zu geben. Auch beantwortet Michael Sontheimers Buch dem Kritiker nicht, weshalb der eigentliche Terror erst begann, als die erste Kerngruppe der RAF verhaftet worden war, und ziehe es sich mitunter mit allzu bequemen Urteilen aus der Affäre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2010

Als befreiend von der Fülle der medialen Aufarbeitung der RAF empfindet Nils Minkmar dieses Buch von Michael Sontheimer. Wie ein Herauszoomen aus dem Dickicht populärer Darstellungen und Einzelheiten erscheint ihm Sontheimers Blick auf die "künstlichen Grenzen" der bisherigen RAF-Forschung. Was gibt es zu sehen? Für Minkmar rücken die Einflüsse der Geheimdienste, namentlich der Stasi, verstärkt in den Blick. Des Autors gute Kontakte zu RAF-Veteranen einerseits und sein unromantischer, distanzierter Standpunkt andererseits veranlassen den Rezensenten zu Mutmaßungen über den ein oder anderen agent provocateur im Geschehen (etwa bei Baaders Befreiung aus dem "Zentralinstitut für soziale Fragen"). Aufklärerisch im besten Sinn findet Minkmar den Band auch im Hinblick auf die juristische Aufarbeitung der RAF-Taten sowie betreffend all die kleinen Geschichten am Rand der großen Geschichte der RAF.
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