Kurt Oesterle

Stammheim

Die Geschichte des Vollzugsbeamten Horst Bubeck
Cover: Stammheim
Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2003
ISBN 9783421057662
Gebunden, 182 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Auf nahezu aussichtslosem Posten, einer Art letzter Bastion des Rechtsstaates, wird der ohnmächtige Vollzugsbeamte zum Chronisten und Erzähler der berühmten Staatsfeinde im Knast. In dieser wahren Geschichte kommen zutage: gänzlich unbekannte Details, unerhörte Geschichten, Bizarrerien, Gemeinheiten und Repressionen - und auch die Hackordnung unter den Gefangenen selber. Sichtbar wird ein verzweifelt-perfider Kampf um die Freiheit, und mittendrin ein einfacher Amtsinspektor als Zeitzeuge, eine ganz andere Perspektive.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2003

Einen "wertvollen Beitrag zur Entmythologisierung der RAF" erblickt Rezensent Iring Fetscher in Kurt Oesterles Buch über Haftbedingungen der RAF-Angehörigen in Stammheim aus der Sicht des Vollzugsbeamten Horst Bubeck. Auf der Grundlage ausführlicher Berichte Bubecks widerlege Oesterle den von Anwälten, Angehörigen und Sympathisanten genährten Mythos von unmenschlichen Haftbedingungen, Isolationshaft und -folter in Stammheim. In Wirklichkeit waren die Haftbedingungen "ganz ungewöhnlich gut", stellt Fetscher klar: So konnten Baader, Meinhof, Ensslin und Raspe in ihren Zellen Fernsehgeräte, Plattenspieler und Radios aufstellen, wurden während acht Stunden in den Gängen vor ihren Zellen zusammengeführt, bezogen mehrere Zeitungen und Zeitschriften sowie - nach ihrem Hungerstreik - zusätzliche Nahrungsmittel. Er berichtet ferner vom "rüpelhaften" Umgang der Häftlinge mit den Vollzugsbeamten, ihrer internen Hackordnung und dem Theater, das Baader beim Besuch Jean-Paul Sartres und des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann aufführte. Nicht Baader und Co., sondern Bubeck und seine Mitarbeiter in Stammheim erscheinen Fetscher nach der Lektüre als die "eigentlichen Helden des Dramas, das sich dort abgespielt hat".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2003

Mit "Stammheim" habe Kurt Oesterle ein "furchtbares", aber auch "längst fälliges" Buch vorgelegt, befindet Renee Zucker. Dem Autor gebühre "Dank und Hochachtung" dafür, dass er den Amtsinspektor Horst Bubeck "rehabilitiert" habe. Doch gerade die "Parteilichkeit" und die nicht verheimlichten Gefühle des Autors für den Vollzugsbeamten habe die Rezensentin fortwährend "zwischen zustimmender Empörung und emotionalem Widerstand" taumeln lassen. Auch wenn man Bubeck, den zuständigen Vollzugsbeamten im siebten Stock des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim, wie Zucker erklärt, nicht unbedingt "lieb gewinnt", bringe man ihm doch "Respekt entgegen für seine Gradlinigkeit und Integrität, seine Zweifel und seine Nachdenklichkeit, seinen Gerechtigkeitssinn". Gar nicht gut weg kommen hingegen Baader und Gefährten, deren Gefühllosigkeit, Brutalität, ja "Barbarei" Oesterle am Beispiel des Hungerstreiks veranschaulicht, wie uns Zucker wissen lässt, ganz zu Schweigen von Otto Schily und dem übrigen Tross der Anwälte. Und doch hat das Buch Zucker auch zutiefst deprimiert, wie sie gesteht, "weil man erkennt, wie sehr man verstrickt, blind und blöd war in jenen Jahren".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Wenn dieses Buch seine Wirkung entfaltet, meint Anselm Doering-Manteuffel, müsste die Rede vom "Mythos RAF" eigentlich verstummen. Denn Kurt Oesterle erzähle auf schnörkellose, doch packende Weise von einem "höchst realen Bestandteil" der deutschen Historie: es ist die Geschichte des für die RAF-Inhaftierten zuständigen Vollzugsbeamten Kurt Bubeck. Deutlich wird für Doering-Manteuffel dabei, wie hart es für Bubeck gewesen sein muss, sich einerseits für einen fairen Umgang mit Strafgefangenen einzusetzen, sich andererseits aber von eben diesen auf provozierende und erniedrigende Art behandeln lassen zu müssen. Tatsächlich, meint der Rezensent, waren die Haftbedingungen für die RAF-Inhaftierten in Stammheim relativ "privilegiert", wenn nicht gar komfortabel, auch wenn "einige Staatsrepräsentanten und intellektuelle Sympathisanten" gern Gegenteiliges behauptet haben.
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