Aus dem Französischen von Otto Kallscheuer. Andre Gorz gehört zu jenen Globalisierungskritikern, die die gegenwärtige Wirtschaftskrise bereits vor Jahren beschrieben haben. Alles andere als ein Zufall, dass er heute intensiv gelesen und diskutiert wird. Der Rotpunktverlag macht nun Gorz? Hauptwerk neu zugänglich. Darin zeigt er auf, wie und warum die ökonomische Vernunft uns ihr Gesetz aufzwingen konnte und die Trennung von Arbeit und Leben, von Produktion und Bedürfnissen immer weiter vorantreibt und warum sie die Gesellschaft letztlich spaltet. Man hat ein System zugelassen, das viel freie Zeit schafft, diese aber permanent ökonomisiert, das heißt soziale und schöpferische Tätigkeiten in Dienstleistungen verwandelt. Wirtschaftliches Wachstum schafft so nicht mehr Freiheit, sondern weniger. Autonomes, soziales Handeln - im Sinne von Hannah Arendts "Vita activa" - verliert mehr und mehr seinen Raum.
Immer noch brauchbar als Gegenwartsanalyse findet Annette Jensen das vor zwanzig Jahren entstandene und nun wieder aufgelegte Buch des französischen Sozialphilosophen, bei dem sie streckenweise sogar den Eindruck hatte, einen aktuellen Text über die Finanz- und Wirtschaftskrise zu lesen. Auch als Beitrag zur Frage nach der Aktualität der Wirtschaftstheorie von Karl Marx fand die Kritikerin Gorz' Ausführungen weiterführend. Zumal er versuche, dessen Ansätze für die Gegenwart weiterzuentwickeln. Auch die Ironie, mit der sich Gorz seinen Fragestellungen gelegentlich nähert, empfand die Kritikerin als bereichernd. Lediglich der Beginn des 400-Seiten Werks erschien ihr heute ein bisschen redundant.
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