Aus dem Französischen von Gaby Wurster. Anfang 2009 meldet sich die Journalistin Florence Aubenas unter ihrem richtigen Namen, aber mit gefärbten Haaren und Brille, in einer fremden Stadt arbeitssuchend, als Qualifikation hat sie allein ihr Abitur vorzuweisen. Sechs Wochen später findet sie einen Job als Putzfrau auf einer Fähre, allerdings nur stundenweise und zu einem Hungerlohn. Also müssen weitere Jobs her, und so hetzt Aubenas bald von einem Putzauftrag zum nächsten, der Zeitdruck bei der Arbeit ist enorm (pro komplettem Bad sind auf der Fähre gerade einmal drei Minuten vorgesehen) und die Behandlung durch die Arbeitgeber entwürdigend. In ihrer Reportage zeichnet Aubenas ein eindringliches Porträt der unsichtbaren Welt der Frauen "ganz unten" und zeigt, wie der Arbeitsalltag vieler heute tatsächlich aussieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2010
Mit Respekt liest Cornelia Fiedler dieses Porträt einer Gesellschaft in der Krise. Dabei entsteht es eher beiläufig, wie sie schreibt. Indem die Journalistin Florence Aubenas sich Anfang 2009 in Frankreich in die Putzkolonnen einreiht, auf Schiffen, Campingplätzen, in Büros saubermacht und nüchtern notiert, was sie erlebt. Erniedrigung, Einsamkeit, Ungewissheit. So kühl und analytisch gestützt das notiert wird, so persönlich erscheint es Fiedler letztlich doch, weil Aubenas sich völlig aussetzt. Am Ende weiß Fiedler mehr über das Versagen der Betriebe und staatlichen Einrichtungen, über die Fehler bei der Neuordnung der Arbeitsagenturen, aber auch über den Kampf und die kollegiale Solidarität der Betroffenen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.10.2010
Florence Aubenas ist - eigentlich - Redakteurin der linken französischen Tageszeitung "Liberation". Für dieses Buch begab sie sich allerdings in den Unter- und Abgrund, der für viele Normalfranzösinnen und -franzosen Alltag ist: auf Jobsuche nämlich. Sie zieht dafür in die Provinz und gibt vor, keinen brauchbaren Bildungsabschluss zu haben. Der Versuch, Arbeit zu finden, wird zum Spießrutenlauf. Und zwar gilt das für die Suche selbst ebenso wie für die Gelegenheiten, bei denen Aubenas dann Kurzzeitjobs findet, vor allem als Putzfrau. Der Mindestlohn ist das Gesetzespapier nicht wert, auf dem er steht, mit Nichtbezahlung von Überstunden drücken Arbeitgeber sich mühelos drum herum. Nicht anders als "deprimierend" kann Rezensent Rudolf Walther das finden, aber natürlich dabei so verdienstvoll wie glaubhaft und überdies "gut geschrieben".
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