Neun Beiträge zur Rolle der Gewalt in Politik und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. Die Autorinnen und Autoren analysieren die Gewaltpraxis in den Kriegen des "kurzen" 20. Jahrhunderts (Eric Hobsbawm). Kriegsgewalt erweist sich in vergleichender Sicht nicht mehr nur als Mittel oder Ziel von Politik, sondern als deren Ende. Das Niemandsland entgrenzter Gewalt entfaltete eine Anziehungskraft eigener Art: Die Angstlust und Erlösungssehnsucht der Kampfzone kehrte wieder in der Alltäglichkeit politischer Gewalt - die Arbeit des Tötens im Gründungsritual von Gewaltgemeinschaften.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2006
Überzeugend findet Wolfram Pyta diesen von Alf Lüdtke und Bernd Weisbrod herausgegebenen Band, der kriegerische Gewalt im 20. Jahrhundert aus kulturhistorischer Perspektive untersucht. Auch wenn ihm die Beiträge recht uneinheitlich vorkommen und ein gemeinsamer theoretischer Ansatz nur schwer erschließbar ist, scheint ihm die Lektüre "überaus lohnenswert". Zum einen, weil nicht nur die beiden Weltkriege, sondern auch Gewaltaktionen in Nordirland, Südafrika, auf dem indischen Subkontinent und auf dem Balkan aus der Zeit nach 1945 als historische Beispiele dienen, zum anderen, weil einige der Beiträge "bedenkenswerte heuristische Anstöße für eine kulturhistorisch anspruchsvolle Durchleuchtung kriegerischer Gewalt" bieten. Neben den Beiträgen von Wolfgang Höpken und Alan Kramer, die der historischen Kontextualisierung kriegerischer Gewalt nachgehen, hebt er Michael Geyers Neubetrachtung des "Durchhaltens" der deutschen Soldaten wie der Zivilbevölkerung angesichts der heraufziehenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg hervor. Eine Stärke des Bandes sieht er darin, dass sich einige Beiträge mit der "emotionalen Innenseite" kriegerischer Gewalt befassen und diese Dimension mit dem Zentralbegriff "Erlebnis" zu erschließen suchen.
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