Jonathan Schell

Die Politik des Friedens

Macht, Gewaltlosigkeit und die Interessen der Völker
Cover: Die Politik des Friedens
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204829
Gebunden, 414 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Jugoslawien, Afghanistan, Irak: Wir sind dabei, uns an den Krieg zu gewöhnen, und ständig entstehen auf der Welt neue Konflikte, denen meist mit Gewalt entgegnet wird. Jonathan Schell, der mit dem "Schicksal der Erde" seinerzeit ein Gründungsmanifest aller ökologischen Politik vorgelegt hat, widerspricht dieser Scheinlogik der Gewalt und zeigt, dass Freiheit und Demokratie in den vergangenen Jahrzehnten immer gewaltfrei erkämpft wurden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2004

Angetan zeigt sich Rezensentin Anette Bingemer von Jonathan Schells Buch über Alternativen zur Vernichtungslogik der atomaren Bedrohung. Der amerikanische Journalist plädiere dafür, sich von der Vernichtungslogik zu verabschieden, da die Zerstörungskraft der Atomwaffen nicht nur die Idee der zwischenstaatlichen Verständigung negiere, sondern auch Krieg als "Instrument " - die Verbindung von Politik und Gewalt - unmöglich mache, wenn er letztlich auf die gegenseitige Vernichtung hinauslaufe, berichtet die Rezensentin. Für Schell wirke schon das Wissen über den Bau von Atomwaffen abschreckend genug. Hier sehe er vor allem die USA, die dem Atomwaffensperrvertrag beitreten sollten, in der Verantwortung. Bingemer hebt hervor, dass der Autor weder als blind für strukturelle Zwänge noch als Pazifist erscheine, sondern "nur" die sogenannten Tatsachen nicht als etwas Unwiderrufliches hinnehme wolle und an eine innere Befähigung und Kraft zur Veränderung appelliere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2004

Sympathisch, aber realitätsfern erscheint Rezensent Werner Link dieses Buch von Jonathan Schell. Der Autor, Publizist und Lehrbeauftragter an renommierten amerikanischen Universitäten, betrachte die "uralte Verknüpfung von Politik und Gewalt" als obsolet, da Massenvernichtungswaffen als Instrumente der Konfliktentscheidung nicht mehr brauchbar seien. Auf allen Ebenen der Politik könnten nach Schell nun Formen gewaltfreien Handelns die Gewalt wirksam ersetzen. Dabei spiele insbesondere das Konzept der Kooperationsmacht ein herausragende Rolle, berichtet Link, die Schell in Anlehnung an Hannah Arendt als menschliche Fähigkeit verstehe, sich zusammenzuschließen und einvernehmlich zu handeln. In der Ausbreitung der Demokratie und den mannigfachen Ansätze einer "internationalen Zivilgesellschaft" sehe Schell entscheidende Etappen auf diesem Weg. Ob Schells "Logik" schlüssig und überzeugend ist, möchte Link lieber dem Urteil des Lesers überlassen. Er kritisiert an Schells Ausführungen zum einen ihren dezidierten Voluntarismus zum anderen den Optimismus, den er nicht teilen mag. Zudem gebe es die Staatengemeinschaft, die Schell zeichne, realiter nicht, schon gar nicht als Akteur. "Sie ist eine Fiktion", so Link abschließend. "Eine 'Logik des Friedens', die mit einer Fiktion arbeitet, ist schon allein deshalb unrealistisch."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Herfried Münkler ist skeptisch, auch wenn er Jonathan Schells Gedanken zur Sicherung des Weltfriedens durchaus zu schätzen weiß. Die Politik der gegenseitigen nuklearen Abschreckung funktioniert nicht mehr, da es Terroristen gibt, die nicht territorial angreifbar sind. Andererseits führt eine "Politik der Nonproliferation", geführt von den fünf Atommächten gegen Staaten, die im Verdacht der Atomwaffenproduktion stehen, zu rechtlich nicht abgesicherten Militärschlägen und zu "verheerender Instabilität". So weit, so schlecht, doch was ist der Ausweg? Schell schlägt eine "nukleare Selbstentwaffnung" der Fünf vor, um damit den Anreiz zum Besitz von Atomwaffen zu beseitigen und mehr kollektive Sicherheit zu erreichen. Gute Idee, meint Münkler - doch in wem findet das um Sicherheit bedachte Kollektiv einen Anwalt gegen die "partikularen Interessen mächtiger Akteure"? Wie verhindert man, dass nicht einer gegen die Abmachung der parallelen Senkung des Waffenpotentials verstößt und plötzlich mehr als alle anderen auf die Waage bringt? Und vor allem: Wer soll diesen Akteur dann zur Verantwortung ziehen? "Diese Position", schreibt Münkler, "bleibt bei Schell unbesetzt". Und deshalb wird sein Buch vom Rezensenten als Streitschrift gelobt, als Programm eines neuen politischen Rationalismus jedoch in Frage gestellt.
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