James J. Sheehan

Kontinent der Gewalt

Europas langer Weg zum Frieden
Cover: Kontinent der Gewalt
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406569319
Gebunden, 315 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Martin Richter. Freudestrahlend zogen in ganz Europa am 1. August 1914 Menschenmassen auf die öffentlichen Plätze, um ihrem Jubel Ausdruck zu geben: Endlich Krieg! 90 Jahre später gab es die größte Massendemonstration in der europäischen Geschichte: Gegen den Irakkrieg von George W. Bush und Tony Blair. Dieser Wandel Europas von einem Kontinent der Kriege zu einer pazifistischen Zivilgesellschaft ist das Thema des Buches von James Sheehan. Der amerikanische Historiker zeigt uns einen dramatischen Bewußtseinswandel, an dessen Ende sich nach der verstörenden Erfahrung von zwei Weltkriegen das aufgeklärte Ideal einer Friedensmacht durchgesetzt hat - aber eben auch die trügerische Illusion, in einer friedlosen Welt ohne militärische Krisenbewältigung moralisch handeln zu können. Denn Europas Weg vom Krieg zum Frieden, auch das macht Sheehan deutlich, ist ein Sonderweg. Weder die USA noch China oder die islamische Welt haben vergleichbare Erfahrungen gemacht. Will Europa die Lehren aus seiner Geschichte weitergeben, dann muss es sich weltpolitisch engagieren, notfalls auch militärisch. Denn am Umgang mit dieser Paradoxie, Friedensmacht in einer friedlosen Welt zu sein, wird sich seine Rolle im 21. Jahrhundert entscheiden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2008

Geradezu ergriffen zeigt sich der hier rezensierende Friedensforscher Kurt R. Spillmann, der sich durch James Sheehans "Kontinent der Gewalt" in seiner pazifistischen Grundhaltung nur bestätigt sehen kann. Kaum ein Ton ist dem Rezensenten hoch genug, um nach vielen kriegerischen Jahrhunderten Europas Abkehr Europas von der Gewalt zu preisen, für deren "eindrücklichste Manifestation" er die europaweiten Demonstrationen gegen den Irakkrieg im Jahr 2003 hält. Über das Buch selbst erfahren wir nicht viel, aber immerhin, dass Sheehan diese innere Revolution Europas "kenntnisreich und scharfsinnig" schildert, dabei immer lesbar und anschaulich. Auch die Frage, ob es möglich ist, in einer kriegerischen Welt zu bestehen, ohne ebensolche Mittel selbst einzusetzen, sieht Spillmann zumindest "indirekt" behandelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2008

Positiv hat Ralf Altenhof diese Darstellung von Europas Weg zum Frieden aufgenommen, die der Historiker James Sheehan vorgelegt hat. Die Geschichte eines Wandels von einem "Kontinent der Gewalt" zu einer friedliebenden Zivilmacht scheint ihm recht überzeugend. Die Bandbreite des Buchs reicht von der Kriegsbegeisterung in Europa beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis zu den Anti-Irakkrieg-Demonstrationen 2003. Deutlich wird für Altenhof, wie Wirtschaftswachstum, technischer Fortschritt und soziale Modernisierung im Europa nach 1945 die Kriegslust verdrängten. Deswegen sehe Sheehan in Europa auch keine potentielle Supermacht und halte die atlantische Partnerschaft auf absehbare Zeit für unentbehrlich. Altenhof lobt die "kluge Argumentation" des Autors und seine "schlüssige Darstellung". Allerdings hätte er sich die Kapitel über die Epoche von 1900 bis 1945 etwas geraffter, die Darstellung insgesamt etwas pointierter gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.06.2008

Sehr positiv hat Jens Hacke diese Geschichte des Wandels Europas vom "Kontinent der Gewalt" zu einer friedliebenden Zivilgesellschaft von James J. Sheehan aufgenommen. Ihm gefällt das Buch, weil es "souverän komponiert" und "in bester angelsächsischer Tradition erzählt" ist. Gespannt folgt er dem amerikanischen Historiker, der Europas Geschichte als Geschichte einer Läuterung erzählt, von den Gewaltexzessen im 20. Jahrhundert zur erfolgreichen Befriedung nach den Weltkriegen. Hacke hebt hervor, dass Sheehan, ähnlich wie Robert Kagan, Europa den Aufstieg zur Ordnungsmacht nicht wirklich zutraut. Gleichwohl kann er an dem Werben des Autors für eine "friedliche Expansion" der "weichen Macht" Europas durchaus Gefallen finden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2008

Der liberale Grundton des Bandes scheint Siegfried Weichlein angenehm. Auf den von James Sheehans Analyse ausgehenden Optimismus lässt er sich gerne ein. Dass Europa friedensfähig und seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs die Zivilität auf dem Vormarsch ist, kann ihm der Autor anhand der Bedeutung der Ökonomie und, "eher am Rande", des Wohlfahrtstaates plausibel machen. Eine "präzise und nüchterne" Arbeit, so lautet das befriedende Urteil des Rezensenten zu diesem Buch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2008

Eher skeptisch betrachtet Michael Salewski dieses Buch über "Europas langen Weg zum Frieden", das der amerikanische Historiker James J. Sheehan vorgelegt hat. Im Mittelpunkt sieht er die Frage, wie dieser "Kontinent der Gewalt" zum friedliebendsten überhaupt geworden ist. Sheehans Darstellung der Geschichte Europas als eines Kontinents, der durch "Schaden klug geworden" sei, scheint ihm einerseits "glänzend". Anderseits kann er ein gewisses Unbehagen nicht von der Hand weisen. Dieses rührt für ihn daher, dass der Autor die beiden Weltkriege gleichsam als Preis sieht, den Europa für den Frieden zahlen musste. Diese Kriege erst hätten Europas Weg in eine lange Zeit des Friedens ermöglicht. Salewski stößt sich insbesondere an der "subtilen Rechtfertigung des nicht zu Rechtfertigenden", die sich in seinen Augen durch das gesamte Buch zieht.
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