A. Lavizzari begibt sich auf die Suche nach Kindfrauen, die als Musen das Schreiben der männlichen Schriftsteller beeinflusst haben. Sie findet Kindsbräute im wahrsten Sinne des Wortes wie Sophie von Kühn, die zwölfeinhalb Jahre zählte, als Novalis sie als seine Zukünftige erwählte. Virginia Clemm war dreizehn, als Poe sie ehelichte und ihr seine Dark-Lady-Geschichten widmete, zu denen Virginias geradezu ätherische Zartheit ihn inspiriert hatte.Auch andere im Buch vorgestellte Kindsmusen sind als idealisierte Kindergestalten in Gedichten, Romanen und Essays verewigt worden, die meisten ohne es zu wissen und vor allem ohne sich der Tiefgründigkeit und Art der Gefühle gewahr zu sein, die sie im erwachsenen Verehrer ausgelöst hatten. Mit Wladyslaw Baron Moes, der Thomas Mann als Vorlage für Tadzio in seiner Novelle Tod in Venedig diente, zeigt die Autorin außerdem eine homoerotische Variation der Kindsmuse auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.03.2006
Aufschlussreich findet Rezensent Daniel Knellesen diesen Band mit sieben Porträts "berühmter Kindsmusen", den die Literaturkritikerin Alexandra Lavizzari vorgelegt hat. Lavizzaris Nachzeichnung der Lebensläufe etwa von Wladyslaw von Moes, Vorbild für Thomas Manns Tadzio im "Tod in Venedig", oder Alice Hargreaves-Lidell, Modell für die Alice von Lewis Caroll, lobt Knellesen durchgehend als "kenntnisreich". Die Autorin konzentriere sich auf die Spuren der Musen, die diese - wissentlich oder unwissentlich - in der Literatur, in Briefwechseln und Tagebüchern hinterlassen haben. Erfreulich erscheint Knellesen dabei insbesondere der Verzicht auf eine psychologische Deutung der jeweiligen Beziehung, die seines Erachtens auf reine Spekulation hinausgelaufen wäre.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005
Gestandene Männer, die sich von jungen Mädchen faszinieren lassen, stehen im Zentrum dieses Buches. Nein, falsch: Es geht, in einer untypischen Wendung des Blicks, um die Mädchen, von denen sich die Männer fasziniert zeigten. Beispielsweise Lewis Carrol?s Alice Liddell, Thomas de Quinceys Catherine Wordsworth und Novalis? Sophie von Kühn. Das Schicksal der Letzteren erweist sich als nicht ganz unähnlich dem mancher anderen jungen Muse: Sie starb früh. Andere leiden unter der bedrängenden Aufmerksamkeit, etwa Rose La Touche, angebetet von John Ruskin, die erst religiös wird, dann verrückt. Der Band, der von diesen Lebensgeschichten und ihren oft fatalen Wendungen berichtet, wird ergänzt durch Fotografien und Zitate. Die Rezensentin Maike Albath resümiert: "Muse ist kein beneidenswerter Beruf".
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