Alexander Waugh

Das Haus Wittgenstein

Geschichte einer ungewöhnlichen Familie
Cover: Das Haus Wittgenstein
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783100922205
Gebunden, 440 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Röckel. Die Wittgensteins gehören zu den schillerndsten Familien des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts. Vater Karl hatte es als Stahlmagnat zu großem Vermögen gebracht und führte ein offenes Haus, in dem Musiker wie Brahms, Mahler oder Richard Strauss und die Wiener Avantgarde verkehrten. Seine Kinder jedoch litten unter dem strengen Vater: Drei der fünf Söhne brachten sich um, einer verschenkte sein Erbe und wurde ein weltbekannter Philosoph, einer blieb Pianist, der trotz fehlender rechter Hand konzertierte und sich von Ravel, Hindemith, Prokofjew oder Britten Stücke komponieren ließ.
In seiner Biografie schildert Alexander Waugh die gesamte Tragik und Größe einer Familie vor dem Hintergrund zweier Weltkriege und dem Nationalsozialismus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2009

Rezensent Eberhard Straub hat Alexander Waughs Biografie der Familie Wittgenstein mit großem Interesse gelesen. Das scheint ihn selbst ein bisschen zu überraschen, denn Engländer, weiß Straub seine Leser zu bescheiden, neigen in ihrer "Freude an individuellen Arabesken" zum Pointilisimus. Ausfürhlich erzählt Straub die Geschichte der Familie nach, angefangen beim Patriarchen Karl Wittgenstein, einer Art österreichischem Krupp, der neun Kinder in die Welt setzte und sie mit seinem herrischen Wesen zu menschenscheuen, nervösen oder hysterischen Menschen machte. Finanziell abgesichert waren sie allenfalls innerlich vollbeschäftigt. Leben, erklärt Straub, war für sie keine Reihe von Handlungen, sondern von Zuständen. Sein musikalisches Talent vererbte er jedoch nicht nur dem Pianistensohn Paul, sondern allen Familienmitgliedern, natürlich auch dem Philosophen Ludwig Wittgenstein. Beklommen erzählt Straub auch von dem Schicksal der jüdischen, aber bis zur Selbstverleugnung assimilierten Familie unter NS-Herrschaft: Sie gab viel Geld, um sich den halbwegs sicheren Status einer "Mischlingsfamilie" zu erhalten, durfte deshalb auch ihre Schlösser und Paläste behalten - und tat nichts für andere verfolgte Juden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.09.2009

In seiner Biografie der Familie Wittgenstein zeichnet Alexander Waugh das Bild einer Familie im Krieg mit ihrer Umgebung und mit sich selbst, stellt eine sehr gefesselte Christine Pries in ihrer knappen Kritik fest. Der englische Autor konzentriert sich in seinem Buch auf die beiden berühmtesten Vertreter der Familie, den einarmigen Pianisten Paul und den Philosophen Ludwig Wittgenstein und stellt neben den zahllosen persönlichen Krisen, Katastrophen und Konflikten der steinreichen Familie plastisch den historischen und politischen Hintergrund dar, so Pries, die dieses Buch nicht zuletzt deshalb als sehr "lesenswert" empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2009

Durch und durch unzufrieden zeigt sich Helmut Meyer mit dieser Familienbiografie der Wittgensteins. In keiner Weise werde der englische Autor den außergewöhnlichen Eigenheiten der einzelnen Familienmitglieder gerecht, gerade der geniale Philosoph Ludwig Wittgenstein gewinne in diesem Buch bestenfalls anekdotische Kontur, schimpft der Rezensent. Überhaupt findet er es mehr als merkwürdig, dass sich Waugh viel mehr für den Pianisten Paul Wittgenstein zu interessieren scheint, den er ins Zentrum seiner Darstellung stellt, hier aber auch nicht zu tieferen Einsichten gelangt. Die Familiengeschichte im Licht der historischen Entwicklungen zu sehen, gelinge dem als Musikkritiker und Publizisten hervorgetretenen Waugh allerdings ebenso wenig, ärgert sich Meyer. "Holzschnittartig" und "lieblos" findet er die Charakterisierungen und Einschätzungen Waughs und er bedauert aufrichtig, dass die Wittgensteins keinen kompetenteren Biografen gefunden haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.09.2009

Kunststück! Ein Buch über die Wittgensteins zu schreiben, ohne sich um den athletisch-asketischen Drive der Brüder Wittgenstein zu scheren, ohne die Gründe für ihren Freitod zu erforschen und ohne Ludwig Wittgenstein auch nur gelesen zu haben - Alexander Waugh schafft es. Christoph Bartmann aber ist dem Autor nicht böse. Schließlich lässt sich das alles woanders nachlesen. Und dann sind die Wittgensteins selbst aus der zeitweiligen Perspektive einer Klatschbase noch höchst interessant und vor allem amüsant. Allerdings lernt Bartmann auch einiges. Über das Schicksal der Familie in den Weltkriegen, über Finanzielles und über die bemerkenswerte Pianistenkarriere Paul Wittgensteins. Das alles, meint er, sei gut erzählt, auch ohne Kenntnis der Wittgensteinschen Sprachphilosophie.
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