In Kooperation mit dem Kunstverein Langenhagen, anlässlich der Ausstellung von Alessandro Pignocchis Werken. Radikale Polit-Meisen, ein Anthropologe aus dem Amazonas, der die Logik des Neoliberalismus zu verstehen versucht, sowie Merkel, Trump und Macron, die in einer Wildnis nach unserer Zeit ihr Überleben fristen müssen, sind einige der Hauptfiguren in Alessandro Pignocchis Comic-Strips.Pignocchi befragt darin unsere, d. h. menschliche, Bezüge zum Anderen und zur sogenannten Natur. Wie funktioniert unsere Zivilisation eigentlich? Auf was für Annahmen basiert sie? Welchen Umgang und welche Verbindungen haben wir mit unserer Umwelt und unserem Planeten? Wohin entwickeln wir uns? Was kommt nach uns? Oder abstrakt gewendet: wo beginnt Kultur, wo endet Natur und wie sind diese vermeintlich getrennten Sphären verbunden? Pignocchi hat als Kognitionswissenschaftler und Philosoph gearbeitet, nach der Lektüre von Philippe Descola und anderen Autor:innen des Neuen Materialismus sich aber entschieden, lieber als Comiczeichner zu wirken. Zuletzt erschien bei Éditions du Seuil eine Zusammenarbeit mit Philippe Descola.
Im Grunde hat Rezensent Benno Schirrmeister nur eine Kleinigkeit zu kritisieren: Die Auswahl, die der Verlag aus Alessandro Pignocchis dreibändigem "Petit traité d'écologie sauvage" getroffen hat, hätte größer sein können. Ansonsten aber stürzt sich der Kritiker begeistert auf die ebenso zarten wie "radikalen bis militanten" Aquarelle des ehemaligen Kognitionswissenschaftlers, der heute als Comic-Zeichner Erfolge feiert. Pignocchi geht es in seinen Arbeiten stets um eine Aufhebung des Dualismus von Natur und Kultur, erfahren wir: Hier treten beispielsweise Haubenmeisen auf, die sich beratschlagen, wie sie bei Klimaschutz-Demos gegen die Polizei vorgehen können. Nicht zuletzt lobt Schirrmeister, wie Pignocchi übliche Comic-Konventionen mit viel Witz bricht.
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