Magazinrundschau - Archiv

Mosaic

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 29.07.2025 - Mosaic

Dieser Essay ist ein Geniestreich, möglicherweise epochal. Hussein Aboubakr Mansour, der sich in der Autorenbio schlicht als "ägyptisch-amerikanischer Autor" vorstellt, versucht nicht weniger als eine Antwort auf Bernard Lewis' berühmte, nach dem 11. September gestellte Frage: "What went wrong?" Der Orientwissenschaftler hatte als Erklärung für die islamistische Gewaltexplosion den Niedergang der islamischen Zivilisation ausgemacht, der am Ende in den Hass auf den Westen und letztlich auch sich selbst geführt habe. Mansour sucht dagegen die Antwort nicht in internen Ursachen der islamischen Länder und Kulturen. Für ihn ist der Islamismus nicht der Versuch einer Rückkehr zum wahren Islam, sondern das Ergebnis einer höchst toxischen Befruchtung eigener Traditionen mit Ideologien, die aus Europa, und zwar besonders aus Deutschland importiert wurden, allerdings nicht mit der Skepsis der Aufklärung, sondern mit romantischen und totalitären Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts von Marx bis Heidegger. Sowohl der arabische Nationalismus, als auch der Panarabismus, als auch der Islamismus saugen aus diesen Quellen, so Mansour. Der Panarabismus bediente sich aus sozialistischen Ideen, der Islamismus aus dem eliminatorischen Antisemitismus, den Mohammed Amin al-Husseini, der "Mufti von Jerusalem" und Mentor Jassir Arafats mit Hitler teilte. Mansour spricht von einem Prozess "intellektueller Ansteckung". Deutsche Geschichtsphilosophie war äußerst nützlich: "Der Traum von einer völlig neuen Weltordnung - sei es im Namen der Nation, der Rasse oder der Klasse - bot einen radikalen Bruch mit der Unterlegenheit." Und etwas anderes kam hinzu: "Die deutsche philosophische Tradition, von Fichte bis Heidegger, trug eine tiefe Feindseligkeit gegenüber der imperialen Moderne in sich, die durch Frankreich und England repräsentiert wurde. Sie entstand aus der deutschen Revolte gegen die napoleonische imperiale Herrschaft. Sie stellte die französische und britische Aufklärung nicht als Höhepunkt der Zivilisation dar, sondern als Verrat am Sein, an der Verwurzelung, an Blut und Boden, an der ursprünglichen Authentizität. Diese Kritik fand bei den Arabern großen Anklang. Hier war ein Europa, das die westliche Vorherrschaft ablehnte. Hinzu kam, dass Deutschland sich nicht an der Aufteilung des Nahen Ostens beteiligt, sondern den Sultan gegen die Kolonialmächte unterstützt hatte." Der Nahe Osten wird so für Mansour zum Fokus, in dem die drei Totalitarismen verschmelzen. Heutige "propalästinensische" Demonstranten stehen sowohl in einer Linie mit dem Antiimperialismus als auch dem eliminatorischen Antisemitismus nationalsozialistischer Prägung. Auch die postmoderne Wende - "die Wende von Geschichte zu Identität" - hat diese Fusion der Totalitarismen überlebt: "Auch der Westen ist von der Wahrheit zum Narrativ, von der Geschichte zum Trauma, von der Politik zur Identität übergegangen - und zunehmend zum Nihilismus." Was in der arabischen Welt falsch lief, so Mansour, könnte, ja wird nun auch im Westen schief laufen.

Magazinrundschau vom 15.03.2016 - Mosaic

Immer mehr Forscher befassen sich mit einem unglaublichen Talent von Tieren: Sie können Krebs riechen, schreibt Emma Young in dem schönen Wissenschaftsmagazin Mosaic. Besonders Hunde scheinen hier Talente zu haben und könnten bald eine wichtige Rolle für die Erkennung von Lungenkrebs und anderen Krebsarten spielen. Es gibt schon mehrere Projekte, um Hunde für diesen Zweck einzusetzen. Aber auch andere Tiere machen sich nützlich - zum Beispiel jene Ratten, die zur Zeit auch noch häufig im Einsatz sind, um Landminen zu suchen: "Ratten, die in Tanzania für die Diagnose von Tuberkulose eingesetzt werden, sind bis heute die einzigen Tierdetektive, die schon routinemäßig arbeiten. Wenn Mediziner von diesem Programm hören, sind sie oft skeptisch, dass man Tiere den Maschinen bevorzugt, sagt Christophe Cox, der Chef von Apopo, der belgischen Organisation hinter dem Projekt. Aber dann werden ihnen die Daten gezeigt. Die Ratten retten jeden Tag Leben, sagen manche ihrer Fürsprecher, und nun wird es Zeit für Hunde, dasselbe zu tun."

Magazinrundschau vom 16.05.2014 - Mosaic

Die Arbeit von Notfallchirurgen ist oftmals ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sie die Verletzung der Patienten erkennen und versorgen müssen, bevor diese zu viel Blut verlieren und einen Herzstillstand erleiden. Bei der Forschung nach einer Methode, diesen Prozess zu verlangsamen, orientieren sich Wissenschaftler an einem faszinierenden Vorbild in der Natur, berichtet Frank Swain im britischen Wissenschaftsmagazin Mosaic: dem Winterschlaf. Doch auch wenn Tiere verschiedenster Ordnungen - darunter, wie man inzwischen weiß, auch Primaten - überwintern, ist der Weg noch weit: "Vor einem langen Winterschlaf fressen sich die Tiere eine Adipositas an, bis sie effektiv Typ-2-Diabetes mellitus haben. Im Gegensatz zu uns löst das bei ihnen keine Verdickung der Arterienwände aus, die zu Herzkrankheiten führt. Während beim Menschen nach einer Woche im Bett die Muskeln zu atrophieren beginnen und sich Gerinnsel bilden, können Winterschläfer monatelang ohne Bewegung auskommen. Auf ihren Lungen lagern sich Schleim und Bindegewebsleim ab, wie es bei Asthmakranken der Fall ist, und in ihren Gehirnen ereignen sich Veränderungen, die denen im Frühstadium von Alzheimer ähneln. Am verblüffendsten ist jedoch, dass manche Tiere, wenn sie erwachen, Anzeichen von Schlafentzug aufweisen."
Stichwörter: Alzheimer, Medizin, Winterschlaf