
Der 90-Jährige
Károly Klimó ist eine bedeutende Figur der zeitgenössischen bildenden Kunst in Ungarn. Mit seinem expressiven Stil bestreitet er einen auffallend individualistischen Weg. Mit Klimó
unterhielt sich der Philosoph und Ästhet
László F.
Földényi u.a. über Einflussversuche der politischen Macht auf die Kultur. "Wir leben noch immer in einer zivilisierten Welt. Dennoch glaube ich, dass es ein Irrtum wäre,
Zivilisation mit Kultur zu verwechseln. Über die zivilisatorischen Errungenschaften hinaus gibt es noch etwas anderes, und wir müssen versuchen, dies zu verstehen und in Form zu bringen, die Gedanken und Gefühle auszudrücken, die sich aus der uns umgebenden Welt, der Zeit, der Existenz und ihren Tiefen erheben. Dies offenbaren uns die alten großen Kulturen und die mit ihnen verbundenen Mythen. Es ist wichtig, die Spuren davon auch in der heutigen Zeit zu sehen und zu erkennen. Ohne dies verliert unsere Kultur ihre Wurzeln. (…) Bisherige historische Erfahrungen beweisen, dass Kultur zwar im Alltag
beeinflusst,
aber nicht gesteuert werden kann. Unsere bis heute bestehende menschliche Eigenschaft, die Souveränität, das analytische Denken, widersetzt sich dem, sodass es unmöglich ist, Kultur im absoluten Sinne zu planen und zu lenken. Meine Haltung zu den oben genannten Alternativen und meine Einstellung zur Kunst bestehen darin, dass ich in der
Einsamkeit meines Ateliers arbeite, mit den Grenzen meines Talents kämpfe und etwas schaffen möchte, das als wertvoll bezeichnet werden kann", sagt Klimó.
Freut euch,
ruft der Schriftsteller
György Odze seinen Landsleuten zu: "Wir haben uns einer Diktatur entledigt, aber der
Systemwechsel fängt erst jetzt richtig an. Der wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wandel - und zwar ein tiefgreifender, radikaler, vielleicht sogar schmerzhafter. Dafür braucht es Zeit, Kompetenz, aber vor allem Geduld. In Ungarn herrscht derzeit Aufregung, eine
revolutionäre Stimmung, ein Gefühl der Befreiung, gespannte Erwartung: Wie geht es nun weiter? Sechzehn Jahre lang haben wir giftige Luft eingeatmet, in vielen von uns herrschen noch immer Angst und Verwirrung. (…) Jetzt haben wir einen Anführer im europäischen Stil und mit europäischer Ausstrahlung (auch dieses Wort lässt sich wieder mit dem positivem Vorzeichen schreiben), der Zusammenarbeit in unseren Bündnissystemen sucht, nicht über Konnektivität schwadroniert, nicht aufwiegelt, keinen Hass schürt, in zwei Jahren eine Gesellschaft in Bewegung gebracht hat, von der wir schon dachten, sie hätte sich mit ihrem Schicksal abgefunden, und auf der Ladefläche eines klapprigen Lastwagens Orte erreicht hat, an denen noch nie ein lebender Politiker gewesen ist. Wir konnten den neuen Ministerpräsidenten in einer neuen Rolle erleben: Er hat eine Stadtrundfahrt in Brüssel unternommen, die neuen Minister sind allesamt vom Fach und sprechen mutig über die Herausforderungen; alles deutet darauf hin, dass wir eine
wirklich glaubwürdig arbeitende, offene und auf Entwicklung ausgerichtete Regierung bekommen werden. Also:
Freuen wir uns."