Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

651 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 66

Magazinrundschau vom 02.06.2026 - Elet es Irodalom

Die Dozentinnen der Wirtschaftshochschule Budapest, Judit Bayer und der Universität von Amsterdam, Kati Cseres, sowie die Leiterin des technologischen und juristischen Programms der Civil Liberties Union for Europe, Éva Simon formulieren einen Aufruf an die neue ungarische Regierung, die Rahmenbedingungen für Medienfreiheit und Medienpluralität im Einklang mit der EU-Regelung zügig wiederherzustellen und entsprechende institutionelle Garantien zu schaffen: "Dies ist nicht nur eine fachliche und politische Frage, sondern eine der Grundvoraussetzungen für die Rechtsstaatlichkeit: Ohne unabhängige und vielfältige Medien gibt es keine demokratische Öffentlichkeit. Darüber hinaus ist die Wiederherstellung und Gewährleistung der Medienfreiheit eine Voraussetzung für den Abruf von EU-Mitteln sowie für die Rückforderung unrechtmäßig gezahlter staatlicher Beihilfen und politisch verzerrter Werbeausgaben. (…) Die Medienfinanzierung muss auf eine neue Grundlage gestellt werden. Die Vergabe staatlicher Werbeaufträge muss auf Marktlogik sowie transparenten und überprüfbaren Regeln beruhen: Öffentliche Ausschreibungen, objektive Kennzahlen und Audits sind erforderlich, um politisch motivierte Diskriminierung wirksam auszuschließen. Parallel dazu muss ein Presseförderungsfonds zur Unterstützung des unabhängigen, lokalen, bürgernahen und investigativen Journalismus eingerichtet werden. Über die Verteilung der Mittel des Fonds muss ein Entscheidungsgremium entscheiden, das fachliche und gesellschaftliche Vertretung gewährleistet und frei von politischer Einflussnahme ist. Die EU-Anforderungen zur Medienfinanzierung müssen vollständig in die ungarische Gesetzgebung übernommen werden, insbesondere die Garantien für eine transparente, objektive und diskriminierungsfreie Verteilung staatlicher Werbeausgaben."

Magazinrundschau vom 19.05.2026 - Elet es Irodalom

Der 90-Jährige Károly Klimó ist eine bedeutende Figur der zeitgenössischen bildenden Kunst in Ungarn. Mit seinem expressiven Stil bestreitet er einen auffallend individualistischen Weg. Mit Klimó unterhielt sich der Philosoph und Ästhet László F. Földényi u.a. über Einflussversuche der politischen Macht auf die Kultur. "Wir leben noch immer in einer zivilisierten Welt. Dennoch glaube ich, dass es ein Irrtum wäre, Zivilisation mit Kultur zu verwechseln. Über die zivilisatorischen Errungenschaften hinaus gibt es noch etwas anderes, und wir müssen versuchen, dies zu verstehen und in Form zu bringen, die Gedanken und Gefühle auszudrücken, die sich aus der uns umgebenden Welt, der Zeit, der Existenz und ihren Tiefen erheben. Dies offenbaren uns die alten großen Kulturen und die mit ihnen verbundenen Mythen. Es ist wichtig, die Spuren davon auch in der heutigen Zeit zu sehen und zu erkennen. Ohne dies verliert unsere Kultur ihre Wurzeln. (…) Bisherige historische Erfahrungen beweisen, dass Kultur zwar im Alltag beeinflusst, aber nicht gesteuert werden kann. Unsere bis heute bestehende menschliche Eigenschaft, die Souveränität, das analytische Denken, widersetzt sich dem, sodass es unmöglich ist, Kultur im absoluten Sinne zu planen und zu lenken. Meine Haltung zu den oben genannten Alternativen und meine Einstellung zur Kunst bestehen darin, dass ich in der Einsamkeit meines Ateliers arbeite, mit den Grenzen meines Talents kämpfe und etwas schaffen möchte, das als wertvoll bezeichnet werden kann", sagt Klimó.

Freut euch, ruft der Schriftsteller György Odze seinen Landsleuten zu: "Wir haben uns einer Diktatur entledigt, aber der Systemwechsel fängt erst jetzt richtig an. Der wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Wandel - und zwar ein tiefgreifender, radikaler, vielleicht sogar schmerzhafter. Dafür braucht es Zeit, Kompetenz, aber vor allem Geduld. In Ungarn herrscht derzeit Aufregung, eine revolutionäre Stimmung, ein Gefühl der Befreiung, gespannte Erwartung: Wie geht es nun weiter? Sechzehn Jahre lang haben wir giftige Luft eingeatmet, in vielen von uns herrschen noch immer Angst und Verwirrung. (…) Jetzt haben wir einen Anführer im europäischen Stil und mit europäischer Ausstrahlung (auch dieses Wort lässt sich wieder mit dem positivem Vorzeichen schreiben), der Zusammenarbeit in unseren Bündnissystemen sucht, nicht über Konnektivität schwadroniert, nicht aufwiegelt, keinen Hass schürt, in zwei Jahren eine Gesellschaft in Bewegung gebracht hat, von der wir schon dachten, sie hätte sich mit ihrem Schicksal abgefunden, und auf der Ladefläche eines klapprigen Lastwagens Orte erreicht hat, an denen noch nie ein lebender Politiker gewesen ist. Wir konnten den neuen Ministerpräsidenten in einer neuen Rolle erleben: Er hat eine Stadtrundfahrt in Brüssel unternommen, die neuen Minister sind allesamt vom Fach und sprechen mutig über die Herausforderungen; alles deutet darauf hin, dass wir eine wirklich glaubwürdig arbeitende, offene und auf Entwicklung ausgerichtete Regierung bekommen werden. Also: Freuen wir uns."

Magazinrundschau vom 05.05.2026 - Elet es Irodalom

Die Dichterin Timea Turi denkt darüber nach, was der Wahlsieg Péter Magyars für die Ungarn bedeutet, welchen Aufgaben sie sich stellen müssen: "Wenn wir die Vorstellung aufgeben, dass sich ein Mensch ändern kann, dann haben wir alles aufgegeben. Wenn wir glauben, dass jede Entscheidung im Berufs- oder Privatleben den anderen in unseren Augen ein für alle Mal festlegt, dann sind wir nicht einen Deut besser geworden. Niemand hat gesagt, dass es einfach sein wird. Aber man sollte es zumindest versuchen. Wie Esterházy 1993 - also nach einem anderen Systemwechsel - schrieb: 'Frei zu sein bedeutet nicht, im Urlaub zu sein, es ist keine leichte Unbedingtheit, frei zu sein ist schwer. Schwer und gut.' (…) Vor kurzem ist Ádám Nádasdy gestorben, der nicht nur zwischen Sprachen, sondern auch zwischen verschiedenen Generationen und sozialen Schichten übersetzte. Wir, die wir dabei waren, werden seine Beerdigung nie vergessen, die würdevolle und schweigende Menschenmenge. In mehreren Trauerreden und Rückblicken wurde angesprochen: Wie schade, dass Nádasdy das Wahlergebnis nicht mehr erleben konnte. Ich empfinde diese Aussage zugleich als wahr und als unzutreffend: Denn wenn es einen autonomen Menschen gab, genauer gesagt einen Menschen, von dem wir Autonomie lernen konnten, dann war er es - Systeme kommen und gehen, das hat er immer angedeutet, Tradition, Kultur und Arbeit bleiben, das wird uns verbinden. Die ungarische Gesellschaft hat ihre Prüfung in Sachen Akzeptanz nicht erst mit Bravour bestanden, als der neu gewählte Ministerpräsident am Abend des 12. April (zu Recht) auch von der Freiheit der Liebe sprach, sondern als die Haltung der Menschenmenge beim Pride 2025 deutlich machte: Es gibt eine große Gruppe, vor deren gesellschaftlichem Druck die Machthaber zurückweichen. Wir haben die Führungskräfte abgelöst - jetzt kommt der schwierige Teil: Jetzt müssen wir unsere alten Gewohnheiten ablegen."
Stichwörter: Ungarn, Turi, Timea

Magazinrundschau vom 28.04.2026 - Elet es Irodalom

Attila Gásparik, der in Siebenbürgen geborene Schauspieler und ehemalige Direktor des Teatrul Naţional Târgu Mureş im siebenbürgischen Marosvásárhely, kritisiert scharf den orbannahen mächtigen Direktor des Budapester Nationaltheaters Attila Vidnyánszki, dem er nahelegt, als Konsequenz aus den Wahlen von seinem Direktorposten zurückzutreten: "Ich habe elf Jahre lang ein rumänisches Nationaltheater geleitet. Ich war davon überzeugt, dass man die ungarischen Theater im Karpatenbecken auf der Grundlage von Werten miteinander verbinden kann - und muss. Dass es einen fachlichen Dialog, gegenseitige Beachtung und echte Zusammenarbeit geben kann. Dieser Dialog blieb jedoch wegen des 'Großen Bruders' aus. In der Branche gewannen die Bruchlinien 'Hauptstadt - Provinz', 'diesseits der Grenze - jenseits der Grenze', 'guter Ungar - schlechter Ungar' an Bedeutung, ja in jüngerer Zeit sogar die Unterteilung in 'christlich - nichtchristlich'. (...) Das Misstrauen galt nicht nur uns, den jenseits der Grenze Lebenden, sondern einem Großteil der ungarischen Szene. Auf der Bühne des Nationaltheaters in Budapest haben in den letzten Jahren kaum ungarische Regisseure inszeniert, und von dem einst meistgespielten zeitgenössischen ungarischen Autor, Csaba Székely, wurde in dreizehn Jahren kein einziges Stück aufgeführt." Darum muss Vidnyánszki "jetzt gehen", meint Gásparik, "er hat der Szene, der europäischen Idee und uns, den außerhalb der Grenzen lebenden und schaffenden Ungarn, großen Schaden zugefügt."

Magazinrundschau vom 21.04.2026 - Elet es Irodalom

Nach dem überwältigenden Wahlsieg der Tisza-Partei (Tisza bezieht sich auf den Fluss Theiß, den längsten Nebenfluss der Donau, sowie auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Ungarns 1903-07 und 1913-17 István Tisza, ein Aristokrat und Vertreter des liberal-konservativen Konsenses) überlegt der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál, wo die ungarische Gesellschaft wohl steht und wovon sie sich befreite: "Viktor Orbán hat die Wahl für Péter Magyar gewonnen und die Nation wieder vereint (gegen sich selbst und seine Politik, aber dennoch). Während seiner sechzehnjährigen Regierungszeit hat er Ungarn berüchtigt gemacht und damit den Grundstein für dessen wiederauflebenden guten Ruf gelegt. Nach seinem Sturz haben sich die ukrainisch-ungarischen und die polnisch-ungarischen Beziehungen sowie das Ansehen des Landes in der Europäischen Union auf einen Schlag verbessert. Und hier hören Witz und Heiterkeit auf. Denn wir müssen erkennen, dass die Linke und der Liberalismus vollständig aus der ungarischen Politik verschwunden sind, nicht nur aus dem Parlament, sondern auch darüber hinaus. Sie kann von nirgendwo mehr zurückkehren und wird sich so schnell nicht neuformieren. (…) Die Wahl war also ein Nullpunkt, danach kann die eigentliche Politik kommen. Das NER (System der nationalen Kooperation, Bezeichnung des Orbán'schen Systems - Anm. d. Red.) war ein System der freiwilligen Unterwerfung. Viktor Orbán konnte ein diktaturähnliches System aufbauen und über anderthalb Jahrzehnte lang aufrechterhalten, ohne auf bewaffnete Unterdrückung zurückgreifen zu müssen, weil die Menschen es akzeptierten und sich auf das Überleben einstellten." Jetzt haben sie sich durch die Wahl selbst befreit, "doch in Anlehnung an Arendt: Das ist noch nicht die neue Freiheit. Diese muss erst noch aufgebaut werden."

Magazinrundschau vom 14.04.2026 - Elet es Irodalom

Im Gespräch mit Nikolett Antal erklärt die Kunsthistorikerin Rita Halász, warum es für sie manchmal schwierig ist, Bilder zu sehen statt zu lesen: "Das ist für mich ein Problem, denn ich betrachte Bilder zuerst aus kunsthistorischer Sicht, und diese Herangehensweise führt zu einer Kategorisierung. Ich interpretiere das Gesehene sofort anhand von Geschichten. Ich nenne ein Beispiel: Da ist in der Landschaft ein halbnackter Mann um die dreißig, mit Pfeilen in der Brust, da gibt es keinen Zweifel, ich weiß, dass es der Heilige Sebastian ist. Zwei leicht bekleidete Frauenfiguren umarmen sich in einer mythischen Landschaft, ich sehe sie und weiß, dass es Diana und Callisto sind. Ich verbinde Namen und Geschichten mit dem Gesehenen, und ich denke, man kann das als Lesen bezeichnen, denn ich sehe nicht unbedingt das Bild, sondern die Geschichte schaltet sich sofort ein. (…). Wenn ich es nicht weiß, nervt mich das furchtbar, und ich will der Sache sofort auf den Grund gehen. Wenn keine Figuren dargestellt sind, sondern ich ein Stillleben oder eine Landschaft sehe, dann gibt mir mein kunsthistorisches Wissen ebenfalls Anhaltspunkte. Das ist jedoch in gewisser Weise eine Fessel, denn ich sehne mich danach, einfach nur zu schauen und das Bild nicht sofort wie eine Geschichte zu lesen. Ich möchte es entdecken. ... Seit fünfundzwanzig Jahren betrachte ich Bilder professionell; wenn man so will, habe ich gelernt, sie zu lesen, was einem Kunsthistoriker oder einem Kurator sehr hilft. Ich hingegen ermutige meine Schüler immer wieder, zu versuchen, nicht nach ihren gewohnten Schemata zu schauen, sondern anders. So hilft es oft, das Bild einfach auf den Kopf zu stellen."
Stichwörter: Halasz, Rita

Magazinrundschau vom 30.03.2026 - Elet es Irodalom

Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál untersucht die von der Regierungspartei Fidesz verwendeten Begriffe für die Bevölkerung des Landes: "Die sprachliche Natur der Politik ist sowohl im Ungarischen als auch in anderen Sprachen ein viel erforschtes Phänomen. Eine besonders tiefgreifende Ausprägung dieses Zusammenhangs liegt vor, wenn eine Regierung und die ihr zugrunde liegende politische Kultur einen Wortschatz schafft, den ihre Gegner, Feinde oder jeder andere übernimmt, und dies unbemerkt geschieht. Ein Beispiel hierfür ist der Begriff 'ungarische Menschen'. (…) Die Fidesz, die nach 2002 in die Opposition geriet, verzichtete mit gutem Gespür auf das Wort 'Bürger' und ersetzte es durch 'arbeitende Menschen', was die messbare soziale und materielle Enttäuschung der breiten Masse und damit das sich als falsch erweisende Versprechen des bürgerlichen Daseins durch einen im Wesentlichen sozialistischen Slogan zu ersetzen. (…) Auf die 'arbeitenden Menschen' folgten die 'Ungarn' und schließlich die 'ungarischen Menschen'. Die beiden letzteren dienten bereits der zunehmenden Konfrontation mit dem Ausland und insbesondere mit der EU", so der Philosoph, der feststellt, dass der Begriff "ungarische Menschen" schließlich "von der ganzen Gesellschaft übernommen wurde. Diese selbstverständliche Übernahme deutet darauf hin, dass es der Fidesz in sechzehn Jahren gelungen ist, ein sprachliches Klischee zu schaffen, das über ihre eigene politische Kommunikation hinausgeht. Der Ausdruck hat sich nach 2010 in den Sprachgebrauch eingeschlichen und ist heute, unabhängig von der politischen Zugehörigkeit, ein Zeugnis für die integrierende Kraft der Regierung. (...) Das Problem liegt darin, wie sich dieses Etikett durchsetzt und damit ungewollt ständig auf die Quelle verweist. Durch diesen Ausdruck spricht immer das Orbán-Regime selbst."
Stichwörter: Szilagyi-Gal, Mihaly, Ungarn

Magazinrundschau vom 24.03.2026 - Elet es Irodalom

Der in Berlin lebende Historiker und Schriftsteller György Dalos spricht im Interview mit Ágnes Bárdos Deák über die Sprache der Macht in historischem Vergleich und über die gesellschaftliche Bedeutung von Witzen: "Auch heute gibt es eine Sprache der Macht, obwohl in der heutigen, im Gegensatz zur Propaganda der 1950er Jahre, kaum noch Ideologie steckt. Was vorhanden ist, ist höchstens ein überstrapaziertes Nationalbewusstsein, was ebenfalls nichts Neues ist; aufgrund der historischen Kränkungen der Ungarn gab es schon immer ein solches Narrativ. … Das wirklich ernste Problem ist, dass es keine neuen Ideen gibt - nicht nur bei Orbán, sondern bei niemandem -, wie man die Spannungen lösen könnte, die sich aus der Präsenz Ungarns auf der internationalen Bühne ergeben. … Wer in meiner Generation aufgewachsen ist, ist mit Witzen aufgewachsen. Der Witz handelte von dem, worüber man nicht sprechen durfte. Heute gibt es keine Witze mehr, oder kaum welche. Es steht nichts auf dem Spiel. Die Witze sind nach der Wende allmählich ausgestorben. In den 60er und 70er Jahren gab es noch regelrechte Witzwellen, wie zum Beispiel die sogenannten 'Absolut-Witze': 'Wer ist der absolute Kader? Das Bauernkind der Arbeitereltern.' Solche Witze waren wie Schlager, sie wurden im öffentlichen Bewusstsein zum Volksgut. Diese Art Folklorismus ist heute kaum noch zu erleben."
Stichwörter: Dalos, György, Ungarn

Magazinrundschau vom 17.03.2026 - Elet es Irodalom

Bald sind in Ungarn Parlamentswahlen. Doch wo steht das Land heute und wo will es hin? Offenbar nicht zu den Progressiven, das hätte auch keine Tradition, bedauert der Historiker Iván T. Berend: "Meine Güte, warum muss sich ein ungarischer Staatsbürger immer wieder schämen, weil die Führer seines Landes auf der falschen Seite standen? Als Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hat Ungarn den Ersten Weltkrieg verloren, verhält sich aber seitdem so, als ob diese Allianz und diese Niederlage nicht der Grund für den Vertrag von Trianon gewesen wären. Ungarn stand im Zweiten Weltkrieg auf der falschen Seite und tut so, als ob dies nicht zumindest einer der Gründe für die Einordnung in die sowjetische Zone gewesen wäre. Nun scheint Viktor Orbán wieder auf der falschen Seite zu stehen, und es ist vorerst noch unklar, welche Folgen dies neben dem weiteren wirtschaftlichen Rückstand haben wird. Ferner sieht es so aus, als würde ein bedeutender Teil des Landes diesen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ebenfalls nicht zur Kenntnis nehmen. Aus der Geschichte lernen wir, wie Hegel sagte, dass wir nichts aus der Geschichte lernen."
Stichwörter: Ungarn, Berend, Ivan T.

Magazinrundschau vom 10.03.2026 - Elet es Irodalom

Einen Monat vor den Parlamentswahlen in Ungarn ist der Publizist János Széky sehr pessimistisch, was das Wahlverhalten der Ungarn und deren Umgang mit dem Ergebnis angeht: "Bei genauerer Betrachtung ist die durch Regierungspropaganda beeinflusste Masse hinsichtlich ihrer Struktur und ihres Verhaltens nichts anderes als eine Sekte, die ihre eigene Zerstörung gutheißt. Sie ist nicht mehr in der Lage zu erkennen, dass das, was sie tut, Selbstzerstörung ist." Das ist nicht neu, das gab es sogar schon vor dem Internet, erklärt Szeky und nennt als Beispiel den 18. November 1978, als nicht nur die islamische Revolution im Iran ausbrach, sondern auch "in Guyana, auf einer elenden Kollektivfarm namens Jonestown - einem selbsterklärten 'sozialistischen Paradies' - 909 US-Bürger, darunter 304 Minderjährige, einen massenhaften 'revolutionären Selbstmord' begingen. Ihrem Anführer zufolge war dies die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass sie ihren grausamen Feinden, der kapitalistischen Elite, den weißen Rassisten, der CIA, dem FBI und dem Anwalt Tim Stoen, der seinen sechsjährigen Sohn aus der Sekte zurückforderte, in die Hände fielen und sich überhaupt dem Gesetz stellen mussten. Zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem 11. September war dies der größte Verlust an zivilen Menschenleben in den Vereinigten Staaten aufgrund einer Gewalttat. (...) Es gibt eine ganze Reihe von Filmen über das Massaker von Jonestown, Netflix arbeitet gerade an einer dreiteiligen Dokumentarserie. Für mich lautet die Lehre daraus: Man sollte nicht darauf vertrauen, dass die Auswirkungen von Gehirnwäsche und Fanatisierung begrenzt und flüchtig sind. Es gibt keine Grenzen, und die ungarischen Verfechter der Freiheit sollten auch nicht daran glauben."
Stichwörter: Ungarn