Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Bühne

Nach zwölf Jahren wird Shermin Langhoff in diesem Sommer das Gorki-Theater verlassen, ihre Nachfolgerin wird Çağla Ilk. "Die Party ist vorbei", seufzt Peter Laudenbach in der SZ, der eine Hymne auf Langhoff singt, die die deutsche Theaterlandschaft verändert habe, auch weil sie so viele Künstler mit migrantischem Hintergrund in ihrem Ensemble beschäftigte: "'Das Gorki', das kleinste der Berliner Staatstheater, war in den Langhoff-Jahren oft das aufregendste Theater der Stadt, und immer waren Programm und Schauspieler ziemlich unverwechselbar. Die politische Haltung war dabei mehr als deutlich, gerne auch mal bis zur Plakativität. Forderungen der AfD, dem Theater Gelder zu streichen, auch Morddrohungen von Rechtsextremen, sammelte das Gorki wie andere Bühnen Theaterpreise. Aber auch Preise und Einladungen zum Theatertreffen gab es nicht zu knapp. Langhoff dürfte auf beides gleich stolz sein, den Respekt der Theaterwelt und die Wut der Nazis: Das Gorki hat Wirkung, so oder so."

Weitere Artikel: Hundert Jahre nach der letzten Aufführung will das Harztheater in Halberstadt, das Anfang des 20. Jahrhunderts als "Klein-Bayreuth" galt, noch einmal den ganzen Ring aufführen, staunt Clemens Haustein in der FAZ. Katrin Bettina Müller besucht für die taz das neu eröffnete Junge Tanzhaus in Berlin Neukölln.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2025 - Bühne

In der NZZ freut sich Bernd Noack über einen "grandiosen, eiseskalten, wahnsinnigen" Richard III., gespielt von Nicholas Ofczarek, in Wolfgang Menardis Shakespeare-Inszenierung im Wiener Akademietheater. Besprochen wird außerdem Barrie Koskys Inszenierung des Händel-Oratoriums "Saul" an der Oper Köln (in Kooperation mit dem Glyndebourne Festival) (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2025 - Bühne

"Salome". Bild: Jan Windszus Photography.


In Evgenji Titovs Inszenierung von Oscar Wildes und Richard Strauss' "Salome" an der Komischen Oper Berlin ist der für die Geschichte eigentlich so zentrale Mond eine "wenig vom Platz bewegte Kugelleuchte: massiv, geheimnislos und als Stimmungsträger ziemlich fade", seufzt Gerald Felber in der FAZ. Der Kritiker sieht eine Aufführung, "die sich den atmosphärischen Verlockungen der flirrenden und schillernden Klänge spröd verschließt und stattdessen, kammerspielartig verdichtet, weitgehend auf das Agieren und Zusammenwirken der Solisten setzt."

Frederik Hanssen ist im Tagesspiegel hingegen ganz angetan: "Rätselhaft ist dieser Abend, nichts von dem Geraune des Regisseurs, das sich im Programmheft nachlesen lässt, hilft, um die verstörenden Bilder zu entschlüsseln, die er auf die Bühne bringt. Dabei ist Titovs Personenführung brillant: Weil sie sich im Klangfluss der Partitur bewegen dürfen, weil jede Geste aus dem musikalischen Impuls entwickelt wird, können die Sänger zu Schauspielern werden, auf eine Art, wie man es selten sieht." Selten hat er die Oper "so hart und kantig, so radikal avantgardistisch, brutal, archaisch, unerhört modern für das Kompositionsjahr 1905" gehört.

Kulturkampf wird wieder klassisch, mit Demos und so, meint Simon Strauß in der Leitglosse des FAZ Feuilletons. Beispiel Magdeburg, wo ein Stück über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2024 auf die Bühne gebracht werden soll - was nicht allen gefällt. So "versammelten sich unlängst Menschen aus Magdeburg, darunter der Vater eines beim Anschlag getöteten Neunjährigen, und Anhänger rechtsradikaler Gruppierungen, um gegen die 'pietätlose Vermarktung' des Attentats zum 'Bühnenspektakel' zu demonstrieren. Die Leitung des soeben zum Theater des Jahres gekürten Hauses hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und von einem 'Angriff auf einen Grundpfeiler unserer Demokratie' gesprochen. Ob jede Demonstration rechtsradikaler Gesinnungsträger gleich ein Angriff auf die Kunstfreiheit ist?" Vielleicht hätte man sein Vorhaben auch einfach etwas weniger schwammig beschreiben können, als es das Theater tat, denkt sich Strauß.

Besprochen werden das Musical "Gullivers Reisen" am Wiener Burgtheater von Nils Strunk und Lukas Schrenk (Welt), Wolfgang Menardi inszeniert Shakespeares "Richard III." am Wiener Akademietheater (FAZ, SZ), Lucy Kirkwoods "Entrückt" in einer Inszenierung von Jan Bosse am Staatstheater Wiesbaden (FR, Nachtkritik), "Hannah Zabrisky tritt nicht auf", geschrieben und inszeniert von Falk Richter an der Berliner Schaubühne (Nachtkritik, Tagesspiegel, SZ), Tolstois "Krieg und Frieden" in einer Inszenierung von Calle Fuhr am Schauspiel Köln (Nachtkritik), Mathias Spaans Inszenierung von Max Porters Roman "Trauer ist das Ding mit Federn" am Münchner Volkstheater (Nachtkritik), Sidi Larbi Cherkaouis "Bal impérial" am Grand Théâtre Genf (NZZ) und "2x241 Titel besser als Martin Kippenberger" vom Kollektiv Frankfurter Hauptschule an den Münchner Kammerspielen (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Bühne

Szene aus "2 × 241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger". Bild: Sima Dehgani

Ella Rendtorff (Zeit Online) kennt das Kollektiv Frankfurter Hauptschule für provokative (Kunst-)Performances, aber auch mit ihrem Regiedebüt "2 × 241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger" an den Münchner Kammerspielen können sie überzeugen. Es passiert zwar nicht mehr, als dass die Schauspieler sich 482 Titel der Kulturgeschichte zurufen, aber: "Das Publikum lacht bei fast jedem Titel, wenn auch leicht gehemmt. Vielleicht, weil das dichte Geflecht aus Wortwitzen und verdrehten Zitaten von Anrufungen der NS-Vergangenheit durchzogen ist: 'Auch Humor hat seine Grenzen, und zwar die Grenzen Großdeutschlands im Jahre 1942', flackert es auf der Projektionsfläche im Hintergrund. ... Gerade diese mechanische Kühle, mit der Text und Titel vorgetragen werden, lässt das Lachen im Hals stecken bleiben. Denn man erahnt, was zwischen Adorno-Anspielungen und ABBA-Lyrics bedrohlich aufscheint: Die Unaufmerksamkeit, mit der wir zulassen, dass sich Geschichte wiederholen könnte."

Auch Nachtkritikerin Silvia Stammen hat ihren Spaß, aber: "Im Ping-Pong-Geballer von verrutschten Zitaten und hyperintelligenten Bonmots verliert sich langsam, aber sicher die Orientierung, das Hirn kapituliert bei der Verfolgung aller angestoßenen Assoziationspfade, die teils projizierten Zeilen fangen an über die Balken zu kriechen, sich von ihren Bedeutungen zu lösen, einen Moment lang frei zu flottieren." Mit "wundervoller Leichtigkeit im Gemüt" verlässt Egbert Tholl in der SZ das Stück.
 
Besprochen werden die neue Cirque du Soleil-Show "Alizé" im Theater am Potsdamer Platz (Welt, Tsp, nachtkritik), das Science & Theatre-Festival "Maschinenträume" in Heilbronn (nachtkritik), Sidi Larbi Cherkaouis Choreografie "Bal impérial" nach Johann Strauss Sohn im Grand Theatre in Genf (FAZ), und "Too lonely for this world to stay the same" vom Kollektiv "neco_nart" und Camilla Fiumaras Tanzsolo in Simon Möllendorffs Choreografie "Beweis dessen, dass auch unzulängliche, ja kindische Mittel zur Rettung dienen" im Naxos Produktionshaus in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2025 - Bühne

Hat das Theater ein Gewaltproblem? Das ist keine neue Frage, wie Jakob Hayner in seinem Essay bei nachtkritik selbst zugibt. Unter dem Vorzeichen aktueller Diskurse stellt sie sich aber etwas anders als vor einigen Jahren, meint Hayner, denn heute "kommen die Einschränkungstendenzen aus dem Theater selbst, angefeuert durch die Angst vor moralischen Gesichtsverlust im geschlossenen Kommunikationskreislauf der Theaterblase." Die heute oft geäußerte Kritik an der "Reproduktion von Gewaltverhältnissen" kann laut Hayner "nur ein Moment der Analyse sein, kein abschließendes Urteil. Und auch, wenn damit eher 'Reproduktion von Ideologie' gemeint ist, bleibt das Argument dasselbe. Theater bringt die Herrschaft der Ideologie über die Körper zur Erscheinung, das ist eine Form der Kritik." Es schadet in der Kunst nicht, "sich der Gewalt auszusetzen, wie Schlingensief sagte. ... Man schaut der Gewalt ins Auge und nur so kann man ihr womöglich auch entkommen." 

Weitere Artikel: Die Berliner Staatsoper wollte einen Musikmanager einstellen, der in der Burschenschaft "Franco-Bavaria" aktiv ist, berichtet Konrad Litschko in der taz, machte nach Kritik jedoch einen Rückzieher. In der FR macht sich Sylvia Staude Gedanken, wie es beim Hamburg Ballett und dem Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal weitergehen soll, deren Intendanten mit dem großen Erbe ihrer Vorgänger zu kämpfen hatten. In der NZZ resümiert Ueli Bernays den Streit um Lies Pauwels "Jeanne-d'Arc"-Inszenierung in Basel - die Regisseurin hatte dezidiert nach "anorektischen Frauen" als Statistinnen gesucht. Im Tagesspiegel unterhält sich der Regisseur Falk Richter mit Tom Mustroph über sein neues Schaubühnen-Stück "Hannah Zabrisky tritt nicht auf".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2025 - Bühne

Das Gorki-Theater hat Oliver Frljićs Adaption von Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache", die am Gorki-Theater heute zur Aufführung kommen sollte, kurzfristig abgesagt (unser Resümee). Jakob Hayner spekuliert in der Welt, was man von diesem Abend hätte erwarten können. Die Schauspieler Karim Daoud und Maryam Abu Khaled fielen jedenfalls in der Vergangenheit mit kaum reflektierten Positionen zu Nahost auf, meint er: "So sagte Daoud, das Theater sei eine Enttäuschung und habe die Seite der Okkupation gewählt. 'Wie kann das immer noch geschehen? Auf der Seite des Unterdrückers und auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen?' Und Khaled äußerte sich: 'An der Seite Israels zu stehen, war eure Entscheidung, aber ich kann die Respektlosigkeit und Ignoranz nicht akzeptieren, die sich darin gegenüber der anderen Seite zeigt, mein Volk und meine Familie eingeschlossen, die in konstanter Angst leben.'" Auch Regisseur Frljic hatte in einem Interview mit der Berliner Zeitung vergangenes Jahr von "institutioneller Zensur" in Deutschland gesprochen, erinnert Brug.

Eine "bittere Sache" ist das alles, kommentiert indes Rüdiger Schaper im Tagesspiegel: "Wieder trifft es Adania Shibli. Und das Gorki Theater hat es nicht geschafft, die Konfliktfragen auf die Bühne zu bringen, wo sie hingehören."

Weiteres: Nachdem der italienische Staatssekretär für Kultur, Gianmarco Mazzi, die "künstlerische Überprüfung" aller Opern- und Symphonieorchester angekündigt hatte, herrscht bei den Institutionen Angst vor rechter Einflussnahme, berichtet Karen Krüger in der FAZ. Besprochen wird Unsuk Chins Oper "Alice in Wonderland" im Theater an der Wien (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2025 - Bühne

Dem Roman
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 "Eine Nebensache" (hier im Perlentaucher-Vorwort) der palästinensischen Autorin Adania Shibli war 2023 Antisemitismus vorgeworfen worden, es entbrannte eine Debatte (Unsere Resümees). Oliver Frljić hatte den Roman nun für das Maxim Gorki Theater adaptiert, kurz vor der Premiere wurde die Produktion mit dem Verweis auf "'Dynamiken und Differenzen' innerhalb des Casts und des Teams der Produktion" jetzt abgesagt, berichtet Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung: "Über konkretere Gründe wird durch das Theater nichts verlautet, das ist durchaus üblich und angebracht. Die beteiligten Künstler sind vor Spekulationen zu bewahren und Konflikte, die bei der Probe entstehen, sollen den Schutzraum der Probe nicht verlassen." Dennoch erinnert sich Seidler "mit großer Trauer an die Zeit, in der besagte 'Dynamiken und Differenzen'" noch zum Gegenstand einer Inszenierung werden konnten.

Besprochen werden Constantin Hochkeppels Tanzstück "In the end, I was somehow expected …" am Stadttheater Gießen (FR), Peter Konwitschnys Inszenierung der "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal am Stadttheater Bonn (FAZ) und Marion Braschs Stück "On Air On Fire" über die Geschichte des DDR-Jugendradios DT64, das das Berliner Theater an der Parkaue zu seinem 75. Jubiläum auf die Bühne bringt (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2025 - Bühne

Szene aus "Les Contes d'Hoffmann" an der Staasoper Berlin. Foto: Bernd Uhlig

Tagesspiegel-Kritiker Frederik Hanssen bekommt bei der Premiere von Lydia Steiers Inszenierung der Offenbach-Oper "Les Contes d'Hoffmann" glänzende Augen. Steier bringt das Stück an der Staatsoper Berlin als "magisches Zaubertheater-Spektakel" auf die Bühne, "dessen Rahmenhandlung nicht, wie im 1881 uraufgeführten französischen Original am Berliner Gendarmenmarkt angesiedelt ist, sondern in New York. Im Vorspiel funkelt die Brooklyn Bridge in der Ferne, der Olympia-Akt spielt zur Vorweihnachtszeit in einem verschwenderisch geschmückten Kaufhaus. Schwindelerregend fantasievoll." Offenbachs "Episoden-Musiktheater über das Liebesleben und -leiden E.T.A. Hoffmanns ist schon bei der Libretto-Lektüre verwirrend, Steier fügt der Story weitere Bedeutungsebenen und Erzählstränge hinzu - trotzdem geht ihr Konzept auf: Bereitwillig lässt man sich durch dieses dreieinhalbstündige Phantasmagorie-Panoptikum treiben, weil die Regisseurin nie gegen die Musik inszeniert."

Weniger begeistert ist Jürgen Kaube in der FAZ. Es gibt ihm hier zu viele willkürliche Einfälle, "einen durchgängigen Sinn von Offenbachs Bilderfolge" zu finden, gelinge Steier nicht, "stattdessen inszeniert sie 'Hoffmanns Erzählungen' als den Kampf zwischen Engel und Teufel um die Seele des verstorbenen Dichters. Dass der Teufel im Fegefeuer nichts zu suchen hat, ficht sie dabei so wenig an wie die Tatsache, dass Hoffmann gar nicht nach Läuterung strebt. Ach, Religion, da muss man es nicht so genau nehmen. Einen Streit um die Dichterseele sieht man überdies nicht, er bleibt bloße Behauptung. Die Muse ist kein Engel. Engel, die den Alkohol loben, sind eh selten."

Weiteres: Das Dresdner Fast-Forward-Festival für junge europäische Regie wird nächstes Jahr wegen Sparmaßnahmen nicht mehr stattfinden, berichtet Michael Bartsch in der taz. Besprochen werden Peter Konwitschnys Inszenierung der Strauss-Oper "Die Frau ohne Schatten" an der Oper Bonn (FR), Karin Henkels Adaption von Ágota Kristófs "Das große Heft" am Schauspielhaus Hamburg (SZ) und zwei Inszenierungen von Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel", einmal am Opernhaus Zürich (Thom Luz), einmal an den Bühnen Bern (Raimund Orfeo Voigt) (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2025 - Bühne

"Das große Heft." Bild: Lalo Jodlbauer.


Nachdem Jette Steckels Adaption in Bochum schon hoch gelobt worden ist (unser Resümee) inszeniert nun Karin Henkel Ágota Kristófs "Das große Heft" am Schauspielhaus Hamburg. Nachtkritiker Falk Schreiber ist von der Kriegs-und Gewaltgeschichte eines Zwillingspaars zwar nicht restlos überzeugt, sieht aber durchaus beachtliche Momente in der Inszenierung: "Nach rund 90 Minuten Spieldauer macht sie alles offensichtlich, indem sie den ungenannten Krieg und die Bombardierung der Großstadt mit dem 'Hamburger Feuersturm' gleichsetzt, der 'Operation Gomorrah' im Sommer 1943, als britische und US-amerikanische Bomber die Hansestadt unter Beschuss nahmen. Insbesondere dichtbesiedelte, elbnahe Arbeiterviertel wie Rothenburgsort und Hamm wurden zerstört, geschätzt sind 34.000 Tote und 900.000 Verletzte. Noch gibt es Überlebende, und kurz vor der Pause betreten sieben von ihnen die Bühne, als Wendung ins Dokumentartheater. Und diese sieben Überlebenden erzählen: von Nächten im Bunker, von verkohlten Leichen auf den Straßen, von der traumatischen Erfahrung, die sie bis ins Alter verfolgt. Die jüdische Überlebende Marione Ingram stellt freilich klar, dass die Bombardierungen für sie ein Segen waren."

Simon Strauss zeigt sich in der FAZ nachhaltig beeindruckt: "Wie viel Distanz können wir zu unseren Erinnerungen bewahren? Ab wann wird Nähe zum Erlebten zur Qual? Bühnenbildnerin Katrin Brack findet darauf mit einem dreh- und wendbaren Stahlkreis aus Lautsprechern, Scheinwerfern und Ventilatoren eine symbolische Antwort: Die Erinnerung ist ein zirkuläres Wesen, das uns mit unterschiedlicher Technik aus unterschiedlicher Richtung unerwartet anfällt. (…) Kristofs Satz über einen toten Soldaten, dem 'wegen der Raben die Augen fehlen', wird einem noch eine Weile nachgehen."

Weiteres: Peter Laudenbach porträtiert in der SZ den ukrainischen Regisseur Star Zhyrkov. Besprochen werden "Das Ende des Westens" von Lars Werner, Regie führt Łukasz Ławicki am Staatstheater Oldenburg (Nachtkritik), "Das Ende ist nah" von Amir Gudarzi, inszeniert von Sara Ostertag am Wiener Schauspielhaus (FAZ, taz), Emmanuel Carrères "V13", inszeniert von Stefan Kimmig am Schauspiel Köln (taz), Thom Luz' Inszenierung von Humperdincks "Hänsel und Gretel" am Opernhaus Zürich (Nachtkritik) und an der Oper Graz inszeniert Ute Engelhard Verdis "Rigoletto" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2025 - Bühne

Szene aus "V13". Foto: Birgit Hupfeld

Jene "emphatische Sachlichkeit" die Emmanuel Carrères Reportage "V13" über die Terroranschläge in Paris auszeichnete, geht verloren, wenn Stephan Kimmig sein "theatrales Destillat" auf die Bühne des Kölner Schauspiels bringt, muss Alexander Menden in der SZ feststellen: "In keiner Perspektive verharrt das Stück lange, allen Facetten, so scheint es, soll es gerecht werden, aber von allen will es auch irgendwie Abstand halten. … Überhaupt wirkt manches wie aufgepfropft: Paul Grill muss die wütenden Aussagen des Nebenklägers Patrick Jardin, der den Angeklagten für den Mord an seiner Tochter die Todesstrafe wünscht, mit grunzenden Muskelposen illustrieren - eine Art visuelle Denunziation eines menschlich nachvollziehbaren Impulses. Ebenso unnötig die gleichsam fiebrige Dringlichkeit, mit der vor allem Claude de Demo sowohl die Brutalität des IS anklagt, als auch - hochproblematisch - die Einlassungen des Hauptangeklagten Salah Abdeslam vorträgt. Stets hat man das Gefühl, hier wolle sich die dramatische Form in dramatischem Ton für die Umnutzung der gerade aufgrund ihrer Nüchternheit so wirkungsvollen Reportage rechtfertigen."

Besprochen werden Sarah Kortmanns Adaption von Marc-Uwe Klings Roman "Quality Land" am Frankfurter Stallburg Theater (FR), Carline Brouwers Musicalproduktion "Pretty Woman" im Deutschen Theater in Berlin (SZ), das Stück "Thikra - Night of Remembering" im Haus der Berliner Festspiele, mit dem sich der britisch-bengalische Choreograf Akram Khan von seiner Company verabschiedet (SZ), Stas Zhyrkovs Adaption von Saša Stanišics Roman "Herkunft" am Berliner Ensemble (Tsp), Sara Ostertags Adaption von Amir Gudarzis Roman "Das Ende ist nah" am Teata / Schauspielhaus Wien (nachtkritik),  Lena Braschs Inszenierung "No Scribes" nach Paula Fürstenberg, Alisha Gamisch und Raphaëlle Red im Literaturhaus Berlin (FAS) und Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Tschaikowskys "Jungfrau von Orleans" unter dem Dirigat von Valentin Uryupin an der Niederländischen Nationaloper (FAZ).
Stichwörter: Carrere, Emmanuel