Literatur / Sachbuch / Politisches Buch


Vielfach und ausführlich gepriesen wurde Roberto Savianos Buch "Gomorrha" über Neapels Camorra, die NZZ etwa preist es als "atemraubende Mischung aus literarischer Reportage und dokumentarischem Roman". Einig ist sich die Kritik, dass der unter Polizeischutz stehende Saviano unglaubliches Material über Europas größte Mafiaorganisation und ihre internen Kriege zusammengetragen hat. Zum Beispiel darüber, wie die Camorra der italienischen Haute Couture behilflich ist, wie sie den Drogenhandel modernisiert und unliebsame Personen im Säurebad verschwinden lässt. Die FAZ nennt das Buch ein "Epos unserer Zeit". Die SZ bemerkt, dass die Camorra - da ist sie ganz allerbeste Gesellschaft - auf Dezentralisierung, Flexibilität, Franchising setzt. Im Gegensatz zu den anderen Zeitungen hält sie die literarische Qualität des Buchs jedoch für begrenzt. (Bestellen)


Der in den USA lehrende ghanaisch-britische Philosoph Kwame Anthony Appiah ist prädestiniert für eine Philosophie des Weltbürgertums, darin sind sich alle einig. Die NZZ hält Appiah schlicht für einen "brillanten Kopf" seine Konzepte für absolut überzeugend. Die SZ lobt Scharfsinn und Lesbarkeit seines Buchs "Der Kosmopolit". Und die FR lernt, von den Rändern der Welt auf ihr Zentrum zu blicken und statt nach Gemeinsamkeiten nach Universalien zu suchen. (Hier eine Leseprobe) Der taz ist das zu wenig: eine "Gesprächsfähigkeit" zu entwickeln, deren Zweck darin besteht, sich ans Fremde zu "gewöhnen". Die FAZ fand das Buch gut gemeint. (Bestellen)


Positiv aufgenommen wurde auch das Buch der Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ates. In ihrem Buch "Der Multikulti-Irrtum" nimmt sie den Stand der Integration unter die Lupe, wobei, wie die SZ betont, der Titel in die Irre führe: Ates beschränke sich nicht aufs Multikulti-Bashing, sondern nehme alle Missstände gleichermaßen in den Blick: Zwangsehen und Ehrenmorde ebenso wie eine verfehlte deutsche Einwanderungspolitik. Zudem mache Ates wohldurchdachte und praktikable Vorschläge zur besseren Integration. Die FAZ sieht in dem Buch auch ein "warmes und eindringliches" Plädoyer für eine sexuelle Befreiung der Frauen in islamischen Gemeinschaften. Nur die FR ist gar nicht einverstanden mit Ates und wirft ihr Pauschalurteile ebenso wie laienhafte Islamkenntnisse vor. (Bestellen)


Das Thema von Wolfgang Sofskys Streitschrift "Verteidigung des Privaten" hat die Rezensenten durchaus angesprochen: Das immer größere Verlangen des Staates nach den privaten Daten. Doch überzeugt hat Sofsky die Kritiker nicht. Die FAZ geht tendenziell mit Sofsky d'accord, aber nicht mit seiner Rigidität. Die FR etwa stimmt zwar Sofskys Devise "Keine Freiheit ohne Privatheit" zu, stört sich aber am apodiktischen Stil des Autors. Die SZ versteht nicht, warum Sofsky den Staat nur als Gegenteil von Freiheit denkt. (Bestellen) Ins gleiche Horn wie Sofsky stößt Peter Schaar mit seiner Warnung vor dem "Ende der Privatsphäre". Die FAZ attestiert dem Bundesdatenschutzbeauftragten, sich bestens in der Materie auszukennen, und bedauert nur, dass er sich auf die staatliche Überwachung beschränkt und die "gesellschaftliche Selbstüberwachung" etwa durchs Internet außen vor lässt. Der taz geht Schaars Darstellung nicht weit genug. (Bestellen)


"Was Terroristen wollen" bringt Louise Richardson auf einen kurzen Nenner: Rache, Ruhm und Reaktion. Dass die Harvard-Politologin bei ihrer Analyse des internationalen Terrorismus nicht nur bündig, sondern auch "brillant" vorgeht, bescheinigen ihr alle Rezensenten. Auch ihr Plädoyer, den Terror mit dem Selbstbewusstsein der liberalen Gesellschaft zu bekämpfen, stößt bei FR, NZZ und Zeit auf Gegenliebe. (Bestellen)
Das in den USA mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Buch "Der Tod wird euch finden" von Lawrence Wright hat auf die Kritiker ebenfalls großen Eindruck gemacht. Wright, Autor des New Yorkers, erzählt darin die Geschichte der al-Qaida bis zum 11. September. Für die Welt ist das Buch ein "Meisterwerk", für die Zeit ein Sachbuchthriller und Standardwerk. (Bestellen)

Und außerdem ist da natürlich noch die Buckner-Buruma-Debatte, geführt im Perlentaucher und in signandsight.com. Die Debatte hat international großes Aufsehen erregt. Der Band bringt zum ersten Mal auch auf deutsch Ayan Hirsi Alis "Berliner Rede" und Ian Burumas Porträt über Tariq Ramadan. Aber Vorsicht: Die taz kann das Buch eindeutig nicht empfehlen! (Bestellen)

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