Kwame Anthony Appiah

Der Kosmopolit

Philosophie des Weltbürgertums
Cover: Der Kosmopolit
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406563270
Gebunden, 222 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Kwame Anthony Appiahs Philosophie des Kosmopoliten tritt dafür ein, die Vielfalt der Kulturen auch dann als einen gemeinsamen Gewinn zu begreifen, wenn wir nach ganz unterschiedlichen Werten und Wahrheiten leben. Der Autor wendet sich sowohl gegen das Bild vom "Krieg der Kulturen" als auch gegen einen naiven Multikultirelativismus. Er holt das klassische Ideal des "Weltbürgers" zurück in unsere Zeit - das Ideal eines Menschen, der über alle Grenzen hinweg an einer Tradition des kreativen Austauschs festhält. Appiahs kosmopolitische Ethik sucht eine Balance zwischen unserem Glauben an universale Werte und dem Respekt vor der Andersartigkeit nichtwestlicher Welterfahrung, die dem Autor zufolge am besten durch "Konversation" gewonnen werden kann. Nicht Konsens ist für den Weltbürger notwendig, sondern der Glaube an die Gemeinsamkeit des Menschseins. Während Appiah die Überbetonung der Differenz in der abendländischen Philosophie herausstellt, demonstriert er zugleich durch eine Fülle von Beispielen, auch aus seiner afrikanischen Heimat, wie ein modernes Weltbürgertum gelebt werden kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.11.2007

Der in Ghana geborene und in Princeton lehrende Philosoph Kwame Anthony Appiah setzt sich mit seinem jüngsten Buch für ein Weltbürgertum ein, das die kulturellen Unterschiede nicht überbewertet und nach Wegen für ein "freundliche" Zusammenleben sucht, stellt Gunter Hofmann fest. Für ihn beinhaltet dieses Plädoyer eine Menge "intellektuellen Sprengstoff", der, wie er meint, nicht gleich ins Auge fällt, weil Appiah seine Überzeugungen mit derartiger Leichtigkeit und Eleganz vorbringt. Der Autor würde nicht nur der Annahme von einer fest gefügten Identität widersprechen, er gehe auch von universellen Werten aus, die die Menschen in aller Welt verbänden, so der Rezensent fasziniert. Immerhin lesen sich die Thesen des Autors, anders als in den USA, in deutschem Zusammenhang doch sehr unterschiedlich, meint Hofmann, der angesichts der wiederkehrenden Übergriffe auf Ausländer und Streit über Moscheen hierzulande noch große Schwierigkeiten für ein im Buch so optimistisch skizziertes Weltbürgertum sieht. Deshalb erkennt er in Appiahs Vorschlag, mit dem "Nichtidentischen zu leben" eine enorme politische und intellektuelle Herausforderung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2007

Kwame Anthony Appiahs philosophischen Essay über den Kosmopoliten lobt Gustav Seibt für seinen Scharfsinn und die gute Lesbarkeit. Appiah, englisch-ghanaischer Philosoph, der in den USA lehrt, arbeitet heraus, dass das Ideal des Weltenbürgers zwar nicht auf den Konsens und die Gleichheit aller Menschen hoffen kann. Doch betone der Autor, dass es eine "moralische Sprache" gebe, die ein Zusammenleben in Frieden möglich mache, ohne dass das hieße, man sei in allem einer Meinung, erklärt der Rezensent. Dies alles legt der Philosoph durchaus "spitzfindig" aber verständlich dar, wie Seibt findet und er glaubt, dass die Begriffe von "Ähnlichkeit" und "Gewöhnung", mit denen Appiah gegen die Annahme argumentiert, alle Menschen seien gleich, durchaus tragfähig sind, um ein Weltbürgertum zu begründen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Bitter enttäuscht zeigt sich Michael Jeismann von diesem Band, der ihm auf den ersten Blick so viel zu versprechen schien. Nicht weniger schließlich als die Beantwortung der Frage, wie der Mensch zum Weltbürger wird. Appiah, der sich zwischen Afrika, England und Amerika bewegt hat, wäre doch, seufzt Jeismann, der Mann gewesen, das zu erklären. Getan aber hat er es mit diesem Band, der im Untertitel gar eine "Philosophie des Weltbürgertums" verheißt, nicht. Zwar wird Philosophisches eifrig zitiert, nur warum und zu welchem Ende, das wird dem Rezensenten nicht klar. Zwar tue Appiah oft "dialogisch", könne dahinter aber das "oberlehrerhaft Blasierte" seiner Pose nicht wirklich verbergen. Der theoretische Kern findet sich offenbar im folgenden Satz zusammengefasst: "Nicht Prinzipien, sondern praktische Handlungen befähigen uns, in Frieden zusammenzuleben." Da kann der Rezensent nur mit den Schultern zucken und resümieren, dass das Buch ja vielleicht gut gemeint sei wie ein "Live Aid"-Konzert - nur leider viel langweiliger.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

Als Lob der Peripherie versteht Rezensent Arno Widmann das Buch des ghanaisch-britisch-amerikanischen Philosophen Kwame Anthony Appiah. Der Princeton-Professor sei "Teil der wirklich kosmopolitischen Elite, die über Globalisierung nicht nur schreibt, sondern sie lebt". Leider führe der deutsche Titel den Leser in die Irre, denn Appiah gehe es nicht darum ein Weltbürgertum zu begründen, wie es die Bezeichnung des Kosmopoliten nahe legt, sondern er suche nach einer "Ethik in einer Welt von Fremden", so auch der englische Untertitel. Von Appiah könne man lernen, von den Rändern der Welt auf ihr Zentrum zu blicken, die Erfahrung der Fremdheit zuzulassen, nach Gemeinsamkeiten statt nach Universalien zu suchen, die Ungleichzeitigkeit vieler Vergangenheiten und einer Gegenwart zu ertragen und sich nicht einzurichten, in Dörfern, Herrgottswinkeln oder Nationen, denn, so beschwört es der Rezensent, Sartre paraphrasierend: "Es mag uns so vorkommen als seien die Anderen die Hölle. In Wahrheit sind wir es selbst".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2007

Reicht das wirklich? Isolde Charim scheint nach der Lektüre von Kwame Anthony Appiahs Entwurf eines kosmopolitischen Weltbürgertums nicht recht überzeugt: Appiah stelle sich mit seinem Entwurf in die Mitte der Gegensatzpaare des Kampfes der Kulturen auf der einen und der zur Gleichgültigkeit verkommenen multikulturellen Toleranz auf der anderen Seite. Sein Vorbild für das kosmopolitische Weltbürgertum ist der britische Reisende Richard Francis Burton, der Neugier auf das Fremde praktiziert habe, ohne seine eigene kulturelle Verwurzelung zu vergessen. Appiah selbst eigne sich aufgrund seiner englisch-afrikanisch-amerikanischen Gelehrtenvita selbst gut als Beispiel für das eigene Konzept, befindet Charim. Dass das Ziel kosmopolitischer Bürgerlichkeit lediglich das Gespräch ist, scheint die Rezensentin dann allerdings doch zu wenig. Eine Gesprächsfähigkeit deren Zweck darin besteht, sich ans Fremde lediglich zu gewöhnen, statt es zu überzeugen oder zu tolerieren, scheint Charim nicht recht ernst nehmen zu können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2007

Mit Gewinn hat Rezensent Uwe Justus Wenzel diese "Philosophie des Weltbürgertums" von Kwame Anthony Appiah gelesen. Er sieht in dem Autor, den er als "brillanten Kopf" würdigt, einen Kosmopolitismus verkörpert, mit dem er nur sympathisieren kann. Eingehend zeichnet er den Gang der Gedanken nach und nennt die beiden zentralen Komponenten von Appiahs Weltbürgertum - "universelle Sorge um andere" und "Achtung vor legitimen Unterschieden". Überzeugend scheint Wenzel auch Appiahs Distanzierung von einem wertneutralen Relativismus und einen Multikuluralismus, der auf Gleichgültigkeit hinaus läuft, sowie seine Kritik an der These vom Kampf der Kulturen und am Gegenkosmopolitismus der Fundamentalisten. Wenzel hält das Buch nicht nur wegen seiner Begriffsklärungen für nützlich. Auch wegen einer ausführlichen Antwort auf die Frage, was wir Fremden nun wirklich schulden. Wenzels resümierende Kurzfassung dieser Antwort lautet: "Wir schulden ihnen nicht alles, aber etwas mehr, als wir zunächst und zumeist glauben."
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